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Der Schweizer Sepp Blatter (r.) ist seit 1998 Präsident der FIFA © getty

Der FIFA-Boss zieht eine positive Bilanz der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent. Er freut sich über Spanien und Ghana.

Johannesburg - "Preisrichter" Joseph S. Blatter versagte WM-Gastgeber Südafrika die Traumnote.

Der Präsident des Weltverbandes hat der ersten Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent "neun von zehn Punkten" in seiner persönlichen Bewertung gegeben.

Auf die Nachfrage eines südafrikanischen Reporters auf der FIFA-Bilanz-Pressekonferenz, warum er der Regenbogennation nicht die "10" zuerkennen wollte, erklärte der 74-Jährige: "Perfektion existiert nicht. Die 9 ist schon eine außergewöhnliche Bewertung."

Die Umschreibung "beste WM aller Zeiten" kam Blatter aber nicht über die Lippen.

Diese Aussagen tätigte der Schweizer einen Tag nach dem WM-Endspiel zwischen Spanien und den Niederlanden (1:0 n.V.) im Beisein der beiden südafrikanischen OK-Chefs Danny Jordaan und Irvin Khoza sowie des Präsidenten der Afrikanischen Konföderation CAF, des Kameruners Issa Hayatou, in Johannesburg.

"Über alle Zweifel triumphiert"

"Das Vertrauen, das wir Afrika entgegengebracht haben, wurde gerechtfertigt. Afrika ist in der Lage, eine Weltmeisterschaft zu organisieren. Südafrika hat über alle Zweifel triumphiert und die Herausforderung angenommen", äußerte Blatter.

Immerhin rund 250 Journalisten und 50 TV-Teams waren am Montag ins Convention Center von Sandton gekommen. 262177(Die Bilder des Endspiels)

Die Pressekonferenz und symbolisch auch die WM-Endrunde schloss Blatter mit den Worten "Nelson Madiba Mandela".

Er erinnerte damit an den Friedensnobelpreisträger und ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, der vor dem Endspiel am Sonntag kurz im Stadion erschienen war, um die Fans zu grüßen.

Viele Fragen zu Webb

"Sein großer Traum war es, dass Südafrika einmal WM-Gastgeber sein würde. Er wollte dabei sein, als sein Traum wahr geworden ist", sagte Blatter

Die südafrikanische Politik-Ikone vollendet am kommenden Sonntag sein 92. Lebensjahr und war in einem Golfkart auf den Rasen des Soccer-City-Stadions gefahren worden. Mandela wurde von den Zuschauern mit Standing Ovations gefeiert.

Blatter verkneift sich Schiri-Kritik

Die meisten Fragen musste der FIFA-Boss indes zur Leistung des englischen Schiedsrichters Howard Webb im WM-Endspiel beantworten.

Dieser hatte in einem ruppigen Finale 13 Gelbe Karten und eine Gelb-Rote Karte für Johnny Heitinga gezeigt.

"Natürlich habe ich die irregulären Aktionen gesehen, als Fan würde ich die Frage beantworten, aber als FIFA-Präsident nicht", sagte Blatter schelmisch.

Vor allem einen Kung-Fu-Tritt des Ex-Hamburgers Nigel de Jong gegen den Spanier Xabi Alonso hatte der englische Unparteiische in der ersten Hälfte ungeahndet gelassen und nur eine Verwarnung ausgesprochen, obwohl ein Platzverweis gerechtfertigt gewesen wäre. ("Schlafmütze" Webb krönt Schiedsrichter-Fiasko)

Blatter appellierte an "Disziplin und gegenseitigen Respekt".

Freude über Spanien, Spitze gegen England

Der FIFA-Chef freute sich über "einen Gewinner, der gut Fußball spielt" und sieht Weltmeister Spanien ohnehin als Vorbild für andere Länder an.

"Alle elf Spanier in der Anfangsformation spielen in der Primera Division", erklärte Blatter auf die Frage eines Medienvertreters, weshalb England so schwach abgeschnitten habe: "Sie sind ein intelligenter Journalist und können ihre Schlüsse aus meiner Antwort ziehen." (261178DIASHOW: Die besten Spieler des WM-Turniers)

Das Fußball-Mutterland leidet seit Jahren darunter, dass zu wenige englische Spieler eine zentrale Rolle in den Klubs der Premier League spielen.

Sonderlob für Ghana

Besonder hervor hob Blatter den Viertelfinaleinzug Ghanas als einziges afrikanisches Team.

"Es war das jüngste Team neben Deutschland und Spanien. Auch das ist eine positive Erkenntnis", so der FIFA-Präsident.

Überhörte Buhrufe

Dass er beim WM-Endspiel am Sonntag ausgebuht worden war, hatte Blatter angeblich gar nicht mitbekommen und wollte es nicht wahrhaben.

"In diesem Land werde ich wie ein Freund empfangen, wie ein Afrikaner, aber das ist auch kein Wunder, denn es ist multikulturelles Land."

Eine kleine Spitze in Richtung Vuvuzela, die nervtötende Plastiktröte aus Südafrika, hatte Blatter dann aber doch noch parat: "Wir haben alle die Vuvuzelas überlebt!"

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