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Szenen wie beim Karneval: Mehr als 100.000 Menschen bejubeln Bafana Bafana © getty

Die Euphorie bei den WM-Gastgebern vor dem Eröffnungsspiel gegen Mexiko ist riesig. Das ganze Land ist außer Rand und Band.

Aus Johannesburg berichtet Thorsten Mesch

Johannesburg - Am Flughafen OR Tambo ist Hochbetrieb. Stündlich treffen weitere Mannschaften und Fans aus aller Welt in Johannesburg ein.

Am Donnerstag landeten die Schweizer und die Ivorer als drittletztes und vorletztes Team, und auch sie wurden mit ohrenbetäubendem Lärm empfangen.

Vor dem Eröffnungsspiel von Südafrika gegen Mexiko (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) herrscht in ganz Johannesburg Ausnahmezustand (der Spielplan).

Unter dem Motto "Unite for Bafana Bafana" zogen die Menschen am Mittwoch auf die Straßen, um zu zeigen, dass sie wie ein Mann hinter ihrer Nationalmannschaft stehen.

Die Nationalmannschaft fuhr am Mittag in einem offenen Doppeldeckerbus durch Sandton und wurde gefeiert, als wäre sie bereits Weltmeister.

Etwa 185.000 Fans jubelten ihren Helden allein in Johannesburgs Wirtschaftszentrum zu.

Chefs gaben ihren Angestellten frei, um eine auf die Straße ziehen und die Luft mit den Klängen der Vuvuzelas füllen zu können.

Gesang und Tanz

Menschen in Kostümen tanzten und sangen.

Auch in Downtown und in Soweto feierten Zigtausende voller Vorfreude auf das Eröffnungsspiel am Freitag gegen Mexiko.

"Vor ein paar Monaten hätte ich nie gedacht, dass sich die Euphorie so entwickeln wird", sagte der südafrikanische Nationalspieler Bradley Carnell am Mittwochabend beim DFB-Empfang für Medienvertreter in Centurion im Gespräch mit SPORT1.

"Ich bin letzte Woche gelandet. Schon am Flughafen hat man gemerkt, dass das Märchen von 2006 auch hier möglich ist. Ich bin richtig stolz, Südafrikaner zu sein und freue mich riesig darauf, dass es jetzt endlich losgeht", meinte der ehemalige Bundesligaprofi weiter.

Auch Fußball-Verbandspräsident Kirsten Nematandani zeigte sich beeidruckt.

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"Es ist überwältigend. Das haben wir uns nicht einmal im Traum so vorgestellt", sagte er.

"Die Euphorie im Land ist fast so groß wie vor zwanzig Jahren bei der Freilassung von Nelson Mandela."

Vergleich mit Mandela-Freilassung

Der Vergleich mag zwar vielleicht nicht ganz zutreffen, doch feststeht, dass der ehemalige Staatspräsident Südafrikas für Freitag seinen Besuch angekündigt hat.

Der mittlerweile fast 92-jährige Mandela wird aber wohl nur für etwa 15 Minuten im Stadion bleiben.

Mandelas Nachfolger, Jacob Zuma, stattete der Bafana Bafana am Mittwoch einen Besuch ab und wünschte jedem einzelnen Spieler viel Glück.

"Wir sind bereit, die Welt zu überraschen. Das ganze Land steht hinter Bafana Bafana - zu 100 Prozent und noch mehr", sagte Zuma, der in Südafrika nicht unumstritten ist.

Warum dem so ist, lässt seine martialische Ankündigung für die WM erahnen. "Wir sind bereit in den Krieg zu ziehen", tönte Zuma.

Die erste und in den Augen vieler Experten wichtigste Schlacht auf dem Weg in die K.o.-Runde findet im Soccer-City-Stadion gegen Mexiko statt.

Vorfreude auf Mexiko-Spiel

Mehr als 90.000 Fans werden dann Südafrikas Mannschaft anfeuern (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Lasst eure grünen Trikots zuhause, die haben die Mexikaner auch, kommt in den gelben", forderte der Kommentator beim TV-Sender von "Supersport" die Fans auf.

Der TV-Sender berichtete stundenlang live aus Sandton und schaltete auch in die anderen Metropolen wie Kapstadt und Durban, die auch vollständig vom WM-Fieber erfasst sind.

"Wenn wir die WM gewinnen, möchte ich nicht in Südafrika sein, denn ich würde wohl niedergetrampelt", sagte ein Fan lachend (Die WM-Kader im Überblick).

Zum Glück lief bisher alles friedlich und ohne Verletzte ab. Berichte von ausgeraubten Touristen oder Journalisten stellen eine Ausnahme dar.

Parreira warnt

Die Stimmung im Land ist kurz vor dem Siedepunkt, die Fans fiebern dem Anstoß entgegen - und wissen schon, womit sie die Mexikaner besiegen werden:

"Hey, 60.000 Vuvuzelas im Stadion", sagt Souvenirverkäufer Lebo: "Wir werden die Mexikaner einfach wegblasen und 2:1 gewinnen!"

Nicht ganz so euphorisch ist Südafrikas Trainer Carlos Alberto Parreira.

Er weiß um die große Bedeutung der Partie. "Das Eröffnungsspiel ist sehr schwierig. Es lastet sehr viel Druck auf uns. Aber das gilt für beide Mannschaften", sagte der 67-Jährige.

Parreira warnte noch einmal ausdrücklich vor den Stärken von Mexiko: "Meiner Meinung nach ist Mexiko das offensivfreudigste Team im Turnier. Sie spielen mit drei Stürmern und gehen sehr aggressiv zur Sache."

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