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Thierry Henry (l.) schmorte gegen Uruguay 72 Minuten auf der Bank © getty

Frankreichs Offensivabteilung fällt gegen Uruguay zu wenig ein. Auch Franck Ribery sorgt nur selten für den erhofften Schwung.

Aus Kapstadt berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Frankreich hat mit einem enttäuschenden Remis gegen Uruguay einen schwachen Start in die WM hingelegt. 248133(die Bilder)

Im zweiten Spiel der Gruppe A kam die Mannschaft um Bayern-Star Franck Ribery im Duell zweier ehemaliger Weltmeister in Kapstadt nicht über ein 0:0 hinaus - und das trotz fast zehnminütiger Überzahl.

Denn der eingewechselte Uruguayer Nicolas Lodeiro sah in der 81. Minute nach einem rüden Foul an Bakari Sagna die Gelb-Rote Karte.(Der WM-Spielplan)

Der französische Nationaltrainer Raymond Domenech zeigte sich nach der Partie aber dennoch zufrieden: "Natürlich ist das sehr schade. Aber wir haben eine gute Mannschaftsleistung gezeigt, Uruguay war überhaupt nicht im Spiel."

Govou hat Führung auf dem Fuß

Kapitän Patrice Evra machte die Leistung seines Teams ebenfalls Hoffnung für die zukünftigen Partien: "Wir hätten die drei Punkte einfahren können und haben eine gute Leistung abgerufen, nur das Tor hat gefehlt."

Im mit 64.100 Zuschauern ausverkauften Green Point Stadion dominierte der Vizeweltmeister von 2006 das Spiel in der Anfangsphase eindeutig. Schon in der siebten Minute kam die Mannschaft von Domenech zur ersten großen Torchance.

Nach einem Pass auf Ribery auf dem linken Flügel, brachte der Dribbelkünstler den Ball von der Strafraumgrenze scharf in die Mitte auf Sidney Govou, doch der Angreifer von Olympique Lyon schoss aus vier Metern rechts am Gehäuse von Uruguays Keeper Fernando Muslera vorbei.

Welle schwappt durch Arena

Drei Minuten später versuchte es Mittelfeldspieler Abou Diaby mit einem Weitschuss, doch der Ball verfehlte sein Ziel. (Die WM-Kader im Überblick)

Die Stimmung, vor allem im französischen Fanblock, war bestens. Schon nach elf Minuten schwappte die Welle durch das supermoderne und direkt am Atlantischen Ozean gelegene Oval.

Im Gegensatz zum Eröffnungsspiel am Nachmittag in Johannesburg zwischen Südafrika und Mexiko (1:1) hielt sich der Lärm der Vuvuzelas noch im erträglichen Rahmen. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

In der 14. Minute kam die "Equipe Tricolore" zur nächsten Möglichkeit, doch Nicolas Anelka setzte einen Kopfball aus elf Metern deutlich über die Latte.

Defensive Uruguayer

Uruguays Coach Oscar Tabarez hatte seinem Team, das sich wie Frankreich erst über die Playoffs für die Endrunde qualifiziert hatte, eine defensive Grundausrichtung verordnet, aber das brandgefährliche Sturmduo Diego Forlan und Luis Suarez aufs Feld geschickt.

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Die Taktik des 63-Jährigen wäre schon in der 16. Minute beinahe aufgegangen:

Forlan zog nach einem schnellem Angriff aus 16 Metern mit rechts ab, doch der Stürmer, der 2002 bei in Japan und Südkorea beim 3:3 gegen Senegal sein bisher einziges WM-Tor für Uruguay erzielt hatte, fand in Frankreichs Schlussmann Hugo Lloris seinen Meister.

"Wir hatten Probleme im Spielaufbau. Es ist ein gerechtes Unentschieden", sagte Forlan im Anschluss.

Muslera als sicherer Rückhalt

In der 18. Minute hatten "Les Bleus" durch einen Freistoß von Yoann Gourcuff aus spitzem Winkel die nächste Chance, aber Muslera wischte den Schuss des Bretonen von Girondins Bordeaux aus dem Kreuzeck.

Dann war die Drangperiode der Franzosen aber schon vorbei. Ribery sah in der 19. Minute nach Foul an Egidio Arevalo von Schiedsrichter Yuichi Nishimura aus Japan die Gelbe Karte.

Das Spiel verflachte zusehends, dem Weltmeister von 1998 fiel bis zur Pause gegen den Titelträger von 1930 und 1950 kaum noch etwas ein.

Unbeweglicher Govou

Anelka ließ sich als Zentrale immer wieder zurückfallen, Ribery trat kaum mehr in Erscheinung und leistete sich mehrere Ballverluste, Govou wirkte unbeweglich.

In den ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte bot sich den Zuschauern ein nahezu unverändertes Bild: Frankreich bestimmte das Spiel, blieb aber immer noch ungefährlich, Uruguay vertraute weiter auf seine Defensivtaktik.

In der 63. Minute der erste Wechsel der Partie: Tabarez schickte im Mittelfeld Lodeiro für Ignacio Gonzalez auf den Rasen.

Domenech ließ den von vielen Fachleuten gegenüber Anelka im Sturm favorisierten Andre Pierre Gignac weiter auf der Bank schmoren.

Henry nur eingewechselt

Chancen ergaben sich auf beiden Seiten nur durch Standardsituationen oder Einzelaktionen.

In der 68. Minute sah Frankreichs Jeremy Toulalan Gelb nach einem Foul an Alvarao Pereira. Dessen Kapitän Diego Lugano rempelte daraufhin Toulalan an, doch der Unparteiische verhinderte durch energisches Einschreiten eine größere Rangelei.

In der 72. Minute erlöste Domenech den schwachen, aber auch weitgehend auf sich allein gestellten Anelka, brachte aber nicht Gignac, sondern Thierry Henry ins Spiel.

Forlan nur knapp vorbei

Die nächste Chance hatten jedoch die Südamerikaner: Suarez ließ den Ball geschickt auf Forlan abprallen, aber der Angreifer von Atletico Madrid schoss aus 15 Metern am Tor vorbei.

Domenech brachte in der 75. Minute Florent Malouda für den weitgehend wirkungslosen Regisseur Gourcuff.

Fünf Minuten nach seiner Einwechslung sorgte der Chelsea-Profi mit einem Weitschuss für Gefahr, doch der ersehnte Treffer wollte einfach nicht fallen. Auch nicht, nachdem Lodeiro nach 81 Minuten vom Platz gestellt wurde.

Kein Elfmeter für Frankreich

Die größte Chance zur Führung vergab Henry in der 83. Minute, als er einen Kopfball nach einer Flanke von Rechtsverteidiger Bakari Sagna knapp links am Pfosten vorbei setzte.

Kurz vor Schluss reklamierten die Franzosen auf Handelfmeter, aber Referee Nishimura winkte zurecht entschlossen ab.

So blieb es beim für die Franzosen enttäuschenden 0:0.

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