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Die Südafrikaner sind nun seit 13 Länder- spielen ungeschlagen © imago

Das 1:1 Südafrikas gegen Mexiko löst zwar nicht grenzenlose Euphorie aus. Dennoch wähnt sich Parreira auf dem richtigen Weg.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg - Die Ausgangssituation war alles andere als einfach.

Die Augen der Fußball-Welt auf sich, den starken Gegner Mexiko vor der Brust und ohne den erhofften moralischen Schub durch die Anwesenheit Nelson Mandelas, der nach dem Unfalltod seiner Ur-Enkelin Zenani kurzfristig absagte, betrat die südafrikanische Nationalmannschaft am Freitagabend den Rasen zum Eröffnungsspiel. (Der WM-Spielplan)

"Ein solches Spiel bringt immer großen Druck mit sich", sagte Trainer Carlos Alberto Parreira nach dem verdienten 1:1-Unentschieden248133(die Bilder).

"Dazu spielen die meisten unserer Spieler in der heimischen Liga und sind solche bedeutenden Begleitumstände nicht gewohnt. Wir haben eine gute Viertelstunde gebraucht, um die Nervosität abzulegen."

Zu dieser Zeit hätten die Mexikaner bereits 2:0 führen können. Doch ihre Offensivkräfte Giovani dos Santos und Guillermo Franco wussten bis zur Halbzeit auch drei weitere hervorragende Möglichkeiten nicht zu nutzen.

"Es ist schon richtig, dass wir fünf Chancen in der ersten Hälfte hatten", sagte Ricardo Osorio nach dem Abpfiff. "Aber international kommst du eben nur weiter, wenn du davon auch mal eine reinmachst."

"Wir sind chaotisch geworden"

Weil sie das nicht taten, blieb "Bafana Bafana" im Spiel. Und nicht nur das.

Siphiwe Tshabalala stürzte den Großteil der 84.490 und ein ganzes Land in einen Freudentaumel, als er Südafrika mit seinem kraftvollen Linksschuss mit 1:0 in Führung brachte (55.).

"Wir wollen die Leute stolz machen", hatte der 25-Jährige schon im Vorfeld der Begegnung gesagt. Nun ließ er den Worten Taten folgen.

Mexikos Coch Javier Aguirre war ob des Spielverlaufs verständlicherweise wenig begeistert: "Erst lassen wir jede Menge Chancen aus. Und dann geraten wir durch das Gegentor völlig aus der Spur. Wir sind chaotisch geworden."

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Elfmeterreifes Foul

Südafrika verpasste es, in dieser Phase das 2:0 nachzulegen. Teko Modise ließ zunächst eine Großchance aus (66.).

Kurz darauf wurde er im Strafraum von Mexikos Verteidiger Francisco Rodriguez zu Fall gebracht (70.). Die Pfeife von Schiedsrichter Ravshan Irmatov (Usbekistan) blieb allerdings stumm.

"Ich glaube schon, dass das ein Strafstoß war. Ich hatte genau die richtige Position, um zu sehen, wie er Teko von hinten umreißt", meinte Kagisho Dikgacoi. (Die WM-Kader im Überblick)

"Aber wir hätten unsere anderen Chancen verwerten müssen, dann müssten wir darüber jetzt nicht reden."

Wettbewerbsfähigkeit nachgewiesen

So kam es, wie es kommen musste. Rafael Marquez nutzte einen groben Stellungsfehler von Innenverteidiger Bongani Khumalo zum 1:1-Ausgleich (79). (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Weil Bafana-Angreifer Katlego Mphela kurz vor dem Abpfiff nur den Pfosten traf, verpasste die Südafrikaner die günstige Gelegenheit, Euphorie im Land auszulösen. Das Remis gibt ihnen jedoch die Gewissheit, wettbewerbsfähig zu sein.

"Ich denke das Eis ist gebrochen", meinte Parreira. "Das Ergebnis ist zwar nicht das erhoffte, aber es hält uns auf jeden Fall bis zum letzten Gruppenspieltag im Rennen."

Osorio: Nun muss Frankreich dran glauben

Auch die Mexikaner, die noch vor gut einer Woche bei Weltmeister Italien 2:1 gewonnen hatten, mühten sich, das Positive aus dem 1:1 zu ziehen.

"Das Ergebnis ist nicht schlecht. Denn wenn wir bei dieser WM etwas reißen wollen, müssen wir ohnehin über eine längere Zeit zäh sein", meinte Osorio. "Ich denke, wenn wir jetzt gegen Frankreich gewinnen, stehen wir in der nächsten Runde."

Schlimmer als im Atzekenstadion

Die Gefahr, erneut gegen 60.000 Vuvuzelas anspielen zu müssen, ist dann nicht mehr gegeben. "Es ist nicht so, dass das Geräusch uns Angst eingeflößt oder unter Druck gesetzt hätte", erklärte der bisherige Stuttgarter SPORT1.

"Das Problem ist, dass es unmöglich ist, dich mit deinem Mitspieler zu verständigen, wenn er nur vier Meter entfernt steht. Du rufst, du schreist, aber er reagiert nicht."

"Es ist noch viel lauter als im Aztekenstadion. Wenn du dort deinem Mannschaftskameraden etwas mitteilen willst, bekommst du das schon irgendwie hin."

Schlimmer als im ersten Spiel, das ist der Trost für Osorio und sein Team, werden sie es in Südafrika nicht mehr erleben.

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