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Aaron Mokoena ist Rekord-Nationalspieler von Südafrika © getty

Die Geistesgegenwärtigkeit seiner Mutter lässt Mokoena einst ein Massaker überleben - und prägt ihn auch als Fußballer.

Johannesburg - Sie jagten ihn, aber sie fanden ihn nicht.

Es war der 17. Juni 1992, und Aaron Mokoena rannte - um sein Leben, um seine Zukunft.

An der Hand seiner Mutter Maria hetzte der kleine Junge von Wellblechhütte zu Wellblechhütte. Immer auf der Flucht vor den IFP-Brigaden, die die Bewohner des staubigen Townships Boipatong ohne jede Gnade massakrierten.

18 Jahre später trägt Aaron Mokoena als Kapitän der südafrikanischen Nationalmannschaft die Hoffnungen der gesamten Nation. (Die WM-Kader im Überblick)

"Sie schossen auf uns"

Auch im zweiten WM-Spiel gegen Uruguay am Mittwoch (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER). (Der Spielplan)

Ein kleiner Brillant blitzt am rechten Ohr auf, während der 29-Jährige im Designeranzug seine Geschichte erzählt.

"Sie kamen in der Nacht. Sie jagten uns mit Jeeps, sie schossen auf uns, das ganze Township weinte", sagt Mokoena, und die Erinnerung trifft ihn wieder wie ein Schlag.

Rettung durch Kleid

"Am nächsten Morgen ging das Gerücht um, sie würden alle Jungen töten. Meine Mutter hat mir ein Kleid angezogen, um mich zu retten."

Das Massaker von Boipatong bei Vanderbijlpark rückte das instabile Südafrika an den Rand des Bürgerkrieges.

46 Menschen wurden erschossen, der African National Congress (ANC) brach die Verhandlungen mit der Inkatha Freedom Party (IFP) über das Ende der Apartheid ab - die Partei, die mit dem weißen Regime sympathisierte, hatte die Mörder geschickt.

Sie kamen mit Gewehren

Erst gut zwei Jahre später, als Nelson Mandela Präsident wurde, war die "Rainbow Nation" geeint.

"Damals habe ich zwar verstanden, was Apartheid war, die Bedeutung dagegen überhaupt nicht. Es gab Plätze, die wir alle besuchen durften, und wieder andere, bei denen es nicht ging. Wenn man ein bestimmtes Auto sah, rannte man eben davon", sagt Mokoena. Heute noch ist dieser Reflex wie eingebrannt.

"Am 17. Juni kamen sie mit Gewehren, sie hatten Messer und Baseball-Schläger. Es waren Geländewagen, die für uns alle gefährlich waren." Zu sagen, dieses traumatische Erlebnis habe Aaron Mokoena geprägt, wäre untertrieben.

"Hat mich zum Kämpfer gemacht"

"Es hat mich zu einem Kämpfer gemacht, ich bin ein Überlebender. Ich war elf, als dieses Massaker geschah. Manchmal kann ich gar nicht fassen, dass ich in all diesen Unruhen aufgewachsen bin. Und hier stehe ich, bin Profi in England beim FC Portsmouth und vertrete mein Land."

Stolz schwingt mit und die Stimme bebt ein wenig, wenn der Abwehrspieler auf seinen Aufstieg zurückblickt. Seiner Mutter hat Mokoena ein Haus gekauft, sie damit aus dem Township befreit.

Lebende Legende

Wenn er sich dennoch mal blicken lässt in den staubigen Straßen, kommen barfüßige Kinder angerannt. Im Schatten der Industrieschlote von Boipatong ist er eine lebende Legende. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Nicht umsonst wurde er zur Premiere von Invictus eingeladen. Der Film über Nelson Mandela und das Rugby-Weltmeisterteam von 1995 hat Aaron Mokoena tief beeindruckt.

"Es war bewegend"

"Als ich diesen Film sah, habe ich mich selbst gesehen, wie ich den WM-Pokal in die Luft halte. Es war bewegend", sagte er anschließend.

Auf dem Platz hat sich Mokoena aufgrund seiner Kompromisslosigkeit den Spitznamen Mbazo (die Axt) verdient. Ihm selbst ist das zu martialisch.

"Ich werde niemals vergessen, wo ich herkomme. Das hat mir meine Mutter immer gesagt: 'Never forget!' Und ich tue immer das, was meine Mutter sagt." Spätestens, seitdem Maria Mokoena ihm mit einem Kleid das Leben rettete.

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