vergrößernverkleinern
WM-Gastgeber Südafrika spielte im Auftaktspiel gegen Mexiko 1:1 © getty

Die WM-Gastgeber rauben ihren Fans gegen Uruguay fast jede Hoffnung auf das Achtelfinale. Ein Sündenbock ist schnell gefunden.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Pretoria - Als Diego Forlan den Elfmeter zum 2:0 für Uruguay unhaltbar in die Maschen gedroschen hatte (80.), setzte der Exodus ein (250362Die Bilder des 6. Spieltags).

Dort, wo zu Beginn des zweiten WM-Auftritts von Gastgeber Südafrika im Leftus-Versfeld-Stadion von Pretoria noch tausende Gelbgekleidete getanzten und fröhlich in ihre Vuvuzuelas geblasen hatten, waren ruckzuck nur noch verlassene Sitzschalen zu sehen.

Das Kopfballtor von Alvaro Pereira zum 3:0-Endstand für Uruguay (90. + 5) und den anschließenden Schlusspfiff von Schiedsrichter Massimo Busacca aus der Schweiz erlebten auf der Haupttribüne nur noch einige wenige. (SPIELBERICHT: Forlan schießt Südafrika ins Tal der Tränen)

Jordaan bangt

"Die Vuvuzelas verstummen, als Bafana, Bafana aus dem Tritt gerät", schrieb die südafrikanische Presse-Agentur "Sapa".

"Es war die erste Nacht, in der die Vuvuzelas still waren. Es war eine schmerzhafte Nacht", sagte Chef-Organisator Danny Jordaan nach dem 0:3. (Der WM-Spielplan)

Er bangte nun bereits um die Stimmung beim Turnier: "Das Abschneiden des Gastgebers ist immer entscheidend für den Erfolg eines Events." Zugleich hoffte aber auf eine Trotzreaktion der Fans: "Der spezielle Geist der Südafrikaner wird wieder hervorkommen"

Khumalo hat Verständnis

Südafrikas Innenverteidiger Bongani Khumalo machte den Anhängern für ihre Abkehr von der Mannschaft keinen Vorwurf. "Die Unterstützung war bislang super", sagte er SPORT1 nach dem Spiel. "Und wenn die eigene Mannschaft ein paar Minuten vor Schluss mit nur noch zehn Mann 0:2 hinten liegt, sind die Fans natürlich enttäuscht. Wir sind es ja auch."

Der überragende Forlan hatte Uruguay mit einem von Bafana-Kapitän Aaron Mokoena abgefälschten Fernschuss in Führung gebracht (24.).

Suarez holt Elfmeter heraus

Weil die hoch überlegenen Südamerikaner es in der Folge versäumten, den mehrfach möglichen zweiten Treffer zu markieren, dauerte es bis zu eben jener 80. Minute, ehe die "Celeste" alles klar machte. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

[image id="6b66cb27-65bd-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Angreifer Luis Suarez blieb im Strafraum am Fuß von Südafrikas Torhüter Ithumeleng Khune hängen. Busacca entschied auf Strafstoß und Rot für Khune.

"Für mich war das nie im Leben ein Elfmeter", ereiferte sich Mittelfeldmann Kagisho Dikgacoi. "Und vor allen Dingen hatte Khune keine Rote Karte verdient. Diese Szene hat das Spiel entschieden. Wir hatten erwartet, dass die FIFA die besten Schiedsrichter zur WM schickt. Nun so etwas mitzuerleben, ist wirklich entmutigend."

Herbe Kritik an Busacca

Auch Trainer Carlos Alberto Parreira machte Busacca für die Niederlage seiner Mannschaft verantwortlich. "Das war der bislang schlechteste Schiedsrichter des Turniers. Er hat von Anfang an gegen uns gepfiffen. Ich hoffe, ich sehe sein Gesicht nie mehr. Er hat es nicht verdient, hier zu sein", schimpfte der Brasilianer.

Das 3:0, fuhr er fort, "spiegelt das Geschehen auf dem Platz nicht wider. Doch in den wichtigen Momenten zeigte sich die Erfahrung der Uruguayer". Für den neutralen Beobachter war das Resultat allerdings sehr wohl standesgemäß.

Pienaar nicht zu sehen

Denn die "Celeste" hatte es verstanden, Südafrikas Spielmacher Steven Pienaar an die Kette zu legen, was wesentlich an der starken Vorstellung von Abräumer Egidio Arevalo im defensiven Mittelfeld lag.

So brachte es "Bafana, Bafana" nicht fertig, Uruguays Torwart Fernando Muslera auch nur ein einziges Mal in Bedrängnis zu bringen.

"Es hat heute von außen sicher so ausgesehen, als hätten wir keinen Plan B in der Tasche", räumte Khumalo ein. "Aber wir hatten insgesamt auch schon deutlich bessere Tage."

Gegen Frankreich zum Erfolg verdammt

Einer dieser besseren Tage ist nun zwingend vonnöten, will sich Südafrika nicht schon nach dem dritten Gruppenspiel aus dem Turnier verabschieden. "Unsere Hoffnungen sind noch nicht begraben", erklärte Parreira. "Wir müssen nun Frankreich schlagen, dafür werden wir aggressiver sein müssen. Es bleibt uns wohl auch nichts anderes übrig als gleich etwas zu riskieren."

Gegen Uruguay hatte der Trainer auf jegliches Wagnis verzichtet. Eine zweite Spitze wurde trotz des Rückstands nicht eingewechselt. Ersatztorwart Moneeb Josephs kam nach dem Platzverweis Khunes gar für Pienaar.

Uruguay gewinnt Selbstvertrauen

"Unsere Verteidigung hatte das Spiel jederzeit unter Kontrolle", durfte Uruguays Coach Oscar Tabarez daher zu Recht behaupten.

"Das Team fühlt sich immer besser", meinte Forlan, der "Man of the Match". "Es war eine geschlossene Mannschafsleistung und dieser Sieg gibt uns eine Menge Selbstbewusstsein."

Bei Trainer Tabarez ist dieses Selbstvertrauen offenbar besonders ausgeprägt. "Wir sind davon überzeugt", schloss er seine Ausführungen auf der Pressekonferenz, "dass wir die Weltmeisterschaft gewinnen können".

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel