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Florent Malouda steht mit der französischen Nationalmannschaft vor dem WM-Aus © getty

Nach der Pleite gegen Mexiko ist Frankreichs WM-Aus so gut wie besiegelt. Die heimische Presse prügelt auf Trainer und Team ein.

Polokwane - Nach der Schmach von Polokwane appellierte Nationaltrainer Raymond Domenech an den Stolz seiner Spieler.

Doch selbst den hat der gedemütigte Vizeweltmeister Frankreich bei der WM in Südafrika endgültig verloren.

Das 0:2 (0:0) gegen Mexiko war eine Bankrotterklärung. Das Vorrunden-Aus wie vor acht Jahren ist kaum noch zu verhindern.

Ein Wunder ist nicht in Sicht und die "Grande Nation" hat sich bereits von ihrer "Equipe Tricolore" abgewendet.

Domenech ohne Worte

"Wir müssen den Stolz und die Ehre haben, das letzte Spiel gegen Südafrika zu gewinnen. Aber es liegt nicht mehr in unseren Händen", sagte Domenech nach dem zweiten Gruppenspiel und rang nach Worten:

"Ich weiß nicht, was ich der Mannschaft sagen soll. Ich bin sprachlos."

Dafür schrieben die Medien in der Heimat Klartext und versagten "Les Bleus" jegliches Mitgefühl.

"Bloß keine Trauer. Und Ärger schon gar nicht. Es wäre zu viel an Gefühlen für diese Spieler, deren Ego ihr einziges Banner ist", kommentierte die Sporttageszeitung "L'Equipe":

"Große Klappe, aber kein Charakter. Frankreich blickt auf ein Trümmerfeld."

Zidanes harte Kritik

Auch der fassungslose Zinedine Zidane ging mit dem Team hart ins Gericht.

"Frankreich hatte nicht einen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor. Ich bin enttäuscht", erklärte der Weltmeister von 1998 und fügte vielsagend hinzu:

"Mexiko war vor allem physisch in ausgezeichneter Verfassung."

Der Großteil der Spieler, darunter auch der wirkungslose Franck Ribery von FC Bayern München, flüchtete nach dem "blauen Alptraum" (Tageszeitung "Liberation") ohne Kommentar in den Mannschaftsbus.

Trainer nimmt Schuld auf sich

Immerhin stellten sich Kapitän Patrice Evra und Florent Malouda den unbequemen Fragen. Beide sprachen selbstkritisch von einer "Schande".

Domenech fehlten die Worte, aber er nahm wenigstens die Verantwortung für die erste Pleite der Franzosen gegen Mexiko bei einer WM auf sich.

"Ich bin für diese Mannschaft verantwortlich. Deshalb ist es meine Schuld", sagte der so ungeliebte 58-Jährige, der nach der Endrunde von Laurent Blanc abgelöst wird. Es war wohl ein Fehler, vor der WM an Domenech festzuhalten.

Kluft zwischen Team und Coach unüberwindbar

In Polokwane wurde sichtbar, dass die Kluft zwischen dem Trainer und dem Team nicht zu überbrücken ist. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Während der Trainer die Partie fast teilnahmslos verfolgte, glich der Auftritt seiner Stars einer Arbeitsverweigerung.

Warum Rekordschütze Thierry Henry auf der Bank schmorte, ließ Domenech unbeantwortet.

Nichts in eigener Hand

Für den Einzug ins Achtelfinale benötigen die Franzosen einen Sieg im Gruppenendspiel am Dienstag in Bloemfontein gegen Gastgeber Südafrika - und Schützenhilfe:

Im zeitgleich stattfindenden Spiel zwischen Mexiko und Tabellenführer Uruguay müsste es einen klaren Sieger geben.

Spielen Mexiko und Uruguay remis, sind Frankreich und Südafrika draußen.(Der WM-Spielplan)

"Mannschaft ohne Herz und Seele"

Doch die "Grande Nation" hat ohnehin genug von der Nationalelf.

"Eine Mannschaft ohne Herz und Seele", schrieb die Tageszeitung "Le Figaro": "Es wäre eine Schande, wenn dieses Team noch das Achtelfinale schafft."

Dagegen feierte Mexiko nach den Toren der eingewechselten Javier Hernandez (64.) und Cuauhtemoc Blanco (79., Foulelfmeter) ausgelassen seine Helden.

In Polokwane zogen die Anhänger mit ihren Sombreros bis tief in die Nacht durch die Straßen.

In Mexiko-Stadt sahen mehr als 60.000 Fans die Partie vor Großbildleinwänden und feierten anschließend auf dem zentralen Platz El Angel weiter.

Die Sportzeitung "La Aficion" schrieb: "Dieser historische Triumph lässt uns träumen."

Mexiko konzentriert auf Uruguay

Die Mannschaft äußerten sich indes zurückhaltend.

"Wir haben noch nichts erreicht und noch ein schweres Spiel vor uns", sagte der 22 Jahre alte Hernandez, dessen Großvater schon gegen Frankreich getroffen hatte und der nach seinem Opa und Vater als Dritter seiner Generation bei einer WM dabei ist.

Auch der 37 Jahre alte Blanco, der nun bei jeder seiner drei Endrunden-Teilnahmen einen Treffer erzielt hat und drittälterster Torschütze der WM-Geschichte ist, sieht noch keinen Grund zum Jubeln.

"Wir freuen uns, mehr nicht", meinte der "weiße Hai" und forderte: "`Gegen Uruguay müssen wir den nächsten Triumph suchen."

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