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Tshabalala schoss das bisher einzige WM-Tor Südafrikas © getty

Südafrika braucht ein kleines Wunder, um im Turnier zu bleiben. Spieler, Trainer und Offizielle wollen etwas zurückgeben.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Bloemfontein/Johannesburg - Noch ist das Aus nicht besiegelt, aber die Chancen stehen äußerst schlecht für Südafrikas Nationalmannschaft.

Es scheint so, als könne der "Bafana Bafana" nur noch ein Wunder helfen.

Es wäre eine historische Pleite, denn noch nie ist ein WM-Gastgeber schon in der Vorrunde ausgeschieden.

Doch die Fans, von denen nach dem 0:3 gegen Uruguay viele am Boden zerstört waren, stehen zu ihrer Mannschaft.

Mehr als 4000 bereiteten den Spielern am Montagmorgen in Bloemfontein einen herzlichen Empfang.

WM-OK-Chef Danny Jordaan dankte dem Team vor der Abreise aus Johannesburg für seinen Anteil an der "beeindruckenden Stimmung im Land. Sie dürfen sehr stolz sein, ihren Anteil an dieser tollen Atmosphäre zu haben. Sie haben Großartiges geleistet", sagte Jordaan.

Achtelfinale unwahrscheinlich

Doch die Menschen im Gastgeberland wollen weiter mit ihrem Team feiern.

Dafür muss aber am Dienstag gegen Frankreich (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) ein Sieg her. Zudem dürfen sich im parallel ausgetragenen zweiten Spiel der Gruppe A Mexiko und Uruguay nicht unentschieden trennen.

"Ich glaube nicht an Wunder. Wir müssten hoch gegen Frankreich gewinnen und darauf hoffen, dass es im anderen Spiel einen klaren Sieger gibt", sagt Südafrikas Mittelfeldspieler Macbeth Sibaya.

"Die Qualifikation für das Achtelfinale liegt nicht in unseren Händen", weiß auch sein Teamkollege Teko Modise und ergänzt: "Für uns das Spiel eher eine Frage der Ehre."

Es sei wichtig, gegen Frankreich zu kämpfen und den Fans etwas zurückzugeben. "Aber wenn wir dennoch ausscheiden, können wir das Turnier mit erhobenen Köpfen verlassen."

Sibaya hofft auf versöhnliches Ende

Wie Modise wünscht sich auch Sibaya wenigstens einen versöhnlichen Abschluss.

"Wir müssen Frankreich schlagen und uns unsere Ehre zurückholen", fordert der Mittelfeldspieler von Rubin Kasan:

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"Wir können es besser als gegen Uruguay! Gegen Frankreich wird es so sein, als müssten wir den Mount Everest bezwingen, aber wir müssen es wenigstens versuchen."

Nach dem 1:1 gegen Mexiko zum Auftakt war das 0:3 gegen Uruguay ein bitterer Rückschlag für die Mannschaft von Trainer Carlos Alberto Parreira.

Scolari tippt auf Frankreich

Dessen Landsmann Luiz Felipe Scolari traut den Südafrikanern zwar "wenn sie wirklich wollen" einen Sieg zu, glaubt aber, "dass Frankreich stärker ist". (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Doch Frankreichs Spieler zerfleischen sich gegenseitig, boykottierten nach dem Rauswurf von Nicolas Anelka am Sonntag das Training.

Grüppchenbildung bei "Bafana Bafana"

Aber auch in Südafrikas Mannschaft scheint die Stimmung vor der Partie gegen den Vize-Weltmeister angespannt zu sein.

Im Kader hätten sich Grüppchen gebildet, berichteten verschiedene Medien.

Spieler aus der östlichen Provinz KwaZulu-Natal fühlen sich angeblich gegenüber den "Superstars" aus Johannesburg und Pretoria benachteiligt.

Einer von Parreiras "Lieblingen" ist demnach Modise, der im Mittelfeld gegen Uruguay wirkungslos blieb.

Experten wie Neil Tovey, Kapitän der "Bafana Bafana", die 1996 den Afrika-Cup gewann, fordern eine offensivere Taktik mit zwei Stürmern.

Bisher war Katlego Mphela der einzige Angreifer in Parreiras 4-5-1-System (Der WM-Spielplan).

"Das ist ihre Chance"

Der Coach, der Brasilien 1994 zum WM-Titel führte, richtete einen Appell an seine Spieler: "Sie dürfen sehr stolz sein und mit erhobenem Kopf in das Spiel gegen Frankreich gehen."

Wenn "Bafana Bafana" das Wunder schaffen sollte, wird ganz Südafrika auf dem Kopf stehen.

"Was am Dienstag passiert, wird das Land nie vergessen. Das ist Ihre Chance zu rennen, wie Sie noch nie zuvor gerannt sind", sagte WM-OK-Chef Jordaan den Spielern:

"Wir wollen am Ende sagen können, dass Sie uns sehr stolz gemacht haben."

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