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Katlego Mphela (l.) erzielte beim 2:0 sein erstes WM-Tor für Südafrika © getty

Die Gastgeber zeigen gegen "Les Bleus" einen leidenschaftlichen Auftritt, scheiden aber aus. Für Frankreich ist das Debakel komplett.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Mangaung/Bloemfontein - Lange Zeit hilt Südafrika den Traum seiner Fans vom Wunder aufrecht, doch am Ende schlichen die Spieler des WM-Gastgebers doch untröstlich vom Platz.

Südafrika ist als erster Gastgeber in der WM-Geschichte in der Vorrunde ausgeschieden. (Der WM-Spielplan)

Vor 39.415 Zuschauern im Free State Stadium von Bloemfontein kam "Bafana Bafana" gegen Frankreich zwar zu einem 2:1 (2:0), schied aber aufgrund der um drei Treffer schlechteren Tordifferenz gegenüber Mexiko aus.

Vizeweltmeister Frankreich verabschiedete sich mit nur einem Punkt und einem Tor und einer erneut desolaten Vorstellung wie schon 2002 in Japan und Südkorea schon nach der Vorrunde aus dem Turnier.

Die Tore für "Bafana Bafana" erzielten Bongani Khumalo (20.) und Katlego Mphela (37.). Florent Malouda erzielte nach Pass von Franck Ribery in der 70. Minute den Anschlusstreffer.

Frankreichs Yoan Gourcuff sah in der 26. Minute nach einem Ellbogencheck gegen MacBeth Sibaya die Rote Karte.

Parreira hört auf - Domenech sorgt für Eklat

"Ich bin stolz auf meine Jungs, sie haben das ganze Land stolz gemacht", sagte Südafrikas Trainer Carlos Alberto Pareira.

Er kündigte nach dem Ausscheiden seinen Abschied aus Südafrika an. "Nein. Wenn, dann werde ich nur noch Trainer in Brasilien", sagte Parreira auf die Frage, ob er weitermachen wolle:

"Ich denke, das ist eine weise Entscheidung. Wir haben sehr hart gearbeitet, wir haben in der ganzen Zeit nur ein Spiel verloren. Ich bin sehr stolz."

Sein schwer in der Kritik stehende französischer Kollege Raymond Domenech sorgte nach der Partie für einen weiteren Eklat, als er Parreira den Handschlag verweigerte. "Ich bin sehr enttäuscht, es war eine traurige WM für uns", stellte Domenech, der nach der WM durch Laurent Blanc ersetzt wird, ernüchtert fest.

Fünf Wechsel bei Frankreich

Domenech hatte sein Team gegenüber dem 0:2 gegen Mexiko und der Trainigsrevolte auf sechs Positionen verändert. Für den aus dem Kader verbannten Nicolas Anelka agierte Djibril Cisse as zentraler Angreifer. Neben ihm stürmte Andre Pierre Gignac.

Kapitän Patrice Evra fand sich plötzlich auf der Bank wieder, für ihn spielte Gael Clichy auf der linken Abwehrseite.

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Gourcuff kehrte ins zentrale Mittelfeld zurück, Alou Diarra übernahm das defensive Mittelfeld und die Kapitänsbinde, Sebastien Squillaci rückte in die Inneverteidgung.

Südafrikas Coach Carlos Alberto Parreira schickte eine gegenüber dem 0:3 gegen Uruguay auf fünf Positionen veränderte Startelf auf den Rasen. Bernard Parker stürmte als zweite Spitze neben Mphela.

Franzosen mit dem besseren Start

Beide Mannschaften brauchten einen klaren Sieg, um vielleicht doch noch das Achtelfinale zu erreichen, und nach kurzem Abtasten ergriffen die Franzosen die Initiative.

In der 3. Minute hatte Gignac die erste Chance, doch der Stürmer des FC Toulouse schoss genau auf Josephs. Auf der anderen Seite hatte Mphela die erste Möglichkeit für die Gastgeber, schoss aber aus 18 Metern knapp vorbei.

Südafrika begann nervös und mit vielen Fehlpässen, Frankreich hatte die Partie zunächst im Griff.

Gourcuff fliegt vom Platz

Völlig überraschend fiel die Führung für Südafrika in der 20. Minute. Eine Ecke von Siphiwe Tshabalala unterlief Hugo Lloris, und Khumalo nutzte den Patzer des Torwarts und köpfte ein.

In der 26. Minute zückte Schiedsrichter Oscar Ruiz aus Kolumbien die Rote Karte, nachdem Gourcuff im Strafraum der Südafrikaner im Kofballduell mit Sibaya den Arm zu heftig eingesetzt hatte. Eine konsequente, aber wohl etwas zu harte Regelauslegung.

2:0 noch vor der Pause

Mit zehn Mann hatten die Franzosen den durch das Tor beflügelten Südafrikanern immer weniger entgegenzusetzen. Nach einer Hereingabe von links drückte Mphela den Ball im Fünfmeterraum über die Linie (37.).

Frankreichs beste Chance ergab sich nach einem Freistoß von Ribery, als William Gallas den Ball im Strafraum verpasste und Josephs den Ball über die Latte lenkte (40.).

In der 43. Minute hatte Mphela die Chance zum 3:0, aber Lloris parierte den Schuss des Angreifers.

Mphela vergibt höhere Führung

Kurz vor der Pause entbrannte dennoch Jubel im Sadion, denn im parallel ausgetragenen Gruppenspiel hatte Uruguay das 1:0 erzielt. Südafrika fehlten nur noch zwei Tore zum Weiterkommen.

Domenech brachte zur zweiten Hälfte Florent Malouda für Gignac, aber die Chancen hatten die Gastgeber.

Mphela, Mphela, und immer wieder Mphela: Der Stürmer von den Mamelodi Sundowns scheiterte zunächst an Lloris, dann traf er den Pfosten, und später verhinderte Lloris mit einer Fußabwehr das dritte Gegentor.

"Es war mehr möglich. Wir hatten Chancen für mindestens zwei, drei weitere Tore, aber es sollte nicht sein", sagte Mphela. Sein Coach Parreira war sich sicher:

"Wenn der Ball beim Stand von 2:0 nicht an den Pfosten gegangen wäre, hätten wir uns qualifiziert."

Ernüchterung nach dem Anschlusstreffer

"Bafana Bafana" drängte weiter, die Fans schrien ihr Team nach vorn, doch in der 70. Minute schob Malouda nach einem Pass von Ribery ins Tor und sorgte für Stille im Stadion.

In der Nachspielzeit scheiterte Tshabalala freistehend an Lloris. Das 2:1 war zu wenig und das Aus beider Teams war besiegelt. Südafrika bleibt nur die Erinnerung an einen würdigen Abschied.

"Dieses Spiel wird immer in Erinnerung bleiben", sagte Torschütze Mphela.

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