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Raymond Domenech (l.) verweigerte Alberto Parreira den Handschlag © imago

Mit einem weiteren Eklat verabschiedet sich die Equipe Tricolore aus Südafrika. Evra kündigt die "Wahrheit" zu den Vorfällen an.

Von Rainer Nachtwey und Thorsten Mesch

Bloemfontein/München - Es war das passende Bild, ein symptomatischer Abschluss einer völlig verkorksten WM:

Direkt nach der 1:2-Niederlage gegen Südafrika und dem damit verbundenen, am Ende nicht überraschenden, Vorrunden-Aus sorgte Raymond Domenech für einen weiteren Eklat (Spieler boykottieren Training).

Der Trainer der französischen Nationalmannschaft verweigerte Südafrikas Coach Alberto Parreira den Handschlag.

Mit erhobenem Finger und sein Gegenüber am Ärmel festhaltend redete er auf den Brasilianer ein - alles andere als freundlich.

Angebliche Beleidigung

Warum er dies gemacht habe, wurde Domenech auf der Pressekonferenz gefragt. Eine Antwort darauf gab er nicht. "Nächste Frage", war sein einziges Statement dazu.

Parreira versuchte die Journalisten aufzuklären. "Ich habe angeblich seine Mannschaft angegriffen", sagte Parreira.

Er solle gesagt haben, wegen des Handspiels von Thierry Henry im entscheidenden Qualifikationsspiels gegen Irland gehöre Frankreich nicht zur WM. "Das ist ein Jahr her, ich kann mich gar nicht mehr erinnern." (Der WM-Spielplan)

Passender Abschluss

Rückendeckung erhält Domenech auch in diesem Fall nicht. Vielmehr erntet er große Kritik von einem seiner Vorgänger.

"Wenn man Trainer ist, muss man sich angemessen verhalten. Und ich kann es nicht verstehen, wenn man seinem Gegner nach dem Spiel nicht die Hand reicht", sagte Aime Jacquet, Weltmeister-Coach von 1998.

"Das ist der passende Abschluss zu diesem Südafrika-Desaster." (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Schelte von Papin und Roux

Noch drastischer schilderte es Frankreichs ehemaliger Weltklassestürmer Jean-Pierre Papin. "Domenech verhält sich wie ein Kleinkind."

Und Guy Roux, ehemaliges Trainer-Urgestein bei AJ Auxerre, sprach Domenech jegliche Ahnung von Fußball ab. "Es ist kein Wunder, dass sich die französische Mannschaft so präsentiert hat. Es war eine miserable Vorbereitung. Das hat mit Profi-Fußball nichts zu tun."

Domenech verbietet Evra den Mund

Und auch seitens der Spieler droht Domenech weiter Ungemach. "Ich werde während der Woche noch eine Pressekonferenz geben. Frankreich hat ein Recht darauf, zu erfahren, was vorgefallen ist", sagte der für das Südafrika-Spiel auf die Bank verbannte Kapitän Patrick Evra.

"Eigentlich wollte ich es bereits am Tag vor dem Südafrika-Spiel machen, aber der Trainer hat mich nicht gelassen", führte Evra weiter aus.

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Und im Stile des Hollywoodfilms "Eine Frage der Ehre", in dem Tom Cruise von Jack Nicholson "Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" forderte, kündigte der Linksverteidiger von Manchester United an, bei der Pressekonferenz kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

"Ich werde nichts verschweigen oder beschönigen, sondern nur die Wahrheit erzählen."

Anelka von Meute gehetzt

Auf Domenech und die Mannschaft, die am Mittwoch den Heimflug nach Paris antreten werden, wartet keine angenehme Ankunft.

Der vom französischen Verband suspendierte Nicolas Anelka hat diese Erfahrung bereits hinter sich, als er nach seiner Ankunft in London Heathrow von einer Journalistenmeute gehetzt in sein Londoner Zuhause fuhr.

Immerhin blieben ihm die aufgebrachten französischen Fans erspart.

"Ich hoffe, dass es nicht eskaliert. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es sehr hektisch wird", sagte Valerien Ismael bei SPORT1 zur bevorstehenden Ankunft der Mannschaft am Charles-de-Gaulle-Flughafen.

WM 2010 fand nur abseits des Platzes statt

Der sportliche Untergang rückt bei den ganzen Vorfällen abseits des Fußballplatzes komplett in den Hintergrund.

"Was sich in Südafrika abgespielt hat, ist unbegreiflich und unerklärlich. Dieses Fiasko wird immer mit der WM 2010 in Verbindung gebracht werden", führte Jacquet aus.

Und der einstige Keeper Fabien Barthez, der unter Jacquet den WM-Titel im eigenen Land gewann, brachte es auf den Punkt: "Das war alles, nur nicht Fußball."

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