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Frankreichs Verteidiger Patrice Evra und Eric Abidal (r.) sind ratlos © getty

"Les Blues" treten die Heimreise an. Im Interview spricht Linksverteidiger Eric Abidal über die Fehler der Chaostruppe.

Von Thorsten Mesch und Rainer Nachtwey

Bloemfontein/München - Ein ganzes Land ist peinlich berührt vom Auftreten der Franzosen bei der WM.

Mit Zynismus und Wut wird die "Equipe Tricolore" in der Heimat empfangen.

"Der Alptraum ist zu Ende" lautet der Tenor der französischen Medien.

Trainer Raymond Domenech sorgte nach der Niederlage gegen Südafrika (1:2) für einen weiteren Eklat: Er verweigerte seinem Kollegen Parreira den Handschlag. (zum Bericht: Südafrikas Traum platzt - Frankreich blamiert )

Vor dem Spiel hatte Domenech noch einige Stars aussortiert, darunter Linksverteidiger Eric Abidal.

"Verweigert hat er sich nicht"

"Verweigert hat er sich nicht, aber er ist zu mir gekommen und hat gesagt: 'Ich fühle mich ausgebrannt, ich ziehe es vor, nicht zu spielen'," erklärte Domenech nach dem Spiel über Abidal.

Der Barca-Star allerdings verbreitete nach der Pleite des Vize-Weltmeisters eine andere Version.

Im Gegensatz zum von Domenech ebenfalls ausortierten Kapitän Patrice Evra, der sich erst in Kürze zu den Hintergründen äußern will, nahm Abidal im Interview auch zum Binnenverhältnis des Chaos-Teams Stellung.

Frage: Herr Abdial, wie bewerten Sie das Scheitern in der Vorrunde?

Eric Abidal: Es war unser Spiel der Hoffnung. Die Mannschaft hat enttäuscht, es war eine sehr komplizierte Weltmeisterschaft. Wenn man all das betrachtet, was vorgefallen ist, ist das schon beschämend.

Frage: Wie können Sie das Auftreten der Mannschaft den Fans in der Heimat erklären?

Abidal: Wir müssen uns bei allen Franzosen, allen Fans der französischen Mannschaft, die an uns geglaubt haben, entschuldigen. Wir haben den Weg, der auf uns gewartet hat, unterschätzt, aber es gibt für all das eine Erklärung.

Frage: Welche?

Abidal: Das war kein Zufall. Es sind einige Dinge vorgefallen, die uns den falschen Weg einschlagen haben lassen. Es wird sehr schwer, alles zum Guten zu wenden. Es wird einige Zeit dauern, bis alles geklärt ist.

Frage: Was sind die Dinge, von denen Sie gesprochen haben?

Abidal: Die vier Wahrheiten werden ans Licht kommen, aber das ist jetzt nicht der Zeitpunkt dafür. Ich will jetzt keine Gründe anführen. Zur Explosion kam es durch Nicos (Nicolas Anelkas) Rauswurf. Wir werden nichts geheim halten.

Frage: Gab es bereits vor der WM Alarmsignale?

Abidal: Nein. Wir sind alle mit viel Hoffnung in die Vorbereitung gegangen. In Tignes gab es einige Änderungen. Wir hatten Lust, waren entschlossen. Die Gruppe war zusammengewachsen. Anschließend gewinnst du gegen Costa Rica und schöpfst viel Hoffnung daraus. Und dann gewinnst du nicht gegen Tunesien und verlierst gegen China. Danach hast du das erste WM-Spiel und weißt, dass du dich schnellst möglich gegenseitig unterstützen musst. Das war nicht einfach.

Frage: Es hat ja auch nicht funktioniert...

Abidal: Für mich kam das alles nicht ohne Grund. Wenn eine Bombe explodiert, kannst du nicht mehr die Zündschnur kontrollieren. Mir wäre es lieber gewesen, die Bombe wäre um einiges später oder früher hochgegangen.

Frage: Mit einigem Abstand, war es ein Fehler, das Training zu boykottieren? Haben Sie ein schlechtes Gewissen wegen diesem Vorfall?

Abidal: Ja und Nein. Nach der Entscheidung des Verbandes war die Mannschaft unzufrieden und das sollte der Verband auch wissen. Vielleicht ist das in Frankreich falsch aufgefasst worden, aber wenn man dabei war, weiß man, warum das passiert ist.

Frage: Haben Sie ein schlechtes Gewissen wegen diesem Vorfall?

Abidal: In dem Moment haben wir unser Bestes versucht. Mit einigem Abstand hätten wir anders reagieren können. Wir haben sicherlich nicht die beste Wahl getroffen.

Frage: Waren wirklich alle Spieler damit einverstanden, das Training zu boykottieren?

Abidal: Im Bus hat uns Patrice Evra gesagt, für denjenigen der aussteigen will, ist es nicht zu spät. Jeder hätte aussteigen können, aber keiner ist ausgestiegen. Ich nehme daher an, dass jeder es befürwortet hat. Es ist natürlich unglücklich, dass so etwas zwei Tage vor so einem wichtigen Spiel passieren musste.

Frage: Raymond Domenech hat angedeutet, dass sie auf eigenen Wunsch das letzte Spiel nicht bestritten haben. Warum?

Abidal: Ich habe mich mit dem Trainer unterhalten und mein Herz ausgeschüttet. Ich habe ihm das gesagt, was ich ihm sagen musste. Ich weiß nicht, ob ihm das gefallen hat, aber es musste in dem Moment passieren, denn danach wäre es zu spät gewesen.

Frage: Wären Sie für das Südafrika-Spiel fit gewesen?

Abidal: Ich habe mir die Option offen gehalten, auf der Bank zu sitzen, aber wenn ich nicht bei 100 Prozent bin, hat es keinen Zweck, dass ich spiele. Manchmal darf man keine Angst davor haben, zurückzuziehen. Wenn es einem nicht gut geht, muss man das sagen.

Frage: Werden Sie Ihre Nationalmannschaftskarriere fortsetzen?

Abidal: Ich werde das mit einem Freund besprechen und dann werden wir sehen. Alles ist möglich.

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