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Gescheitert: Katlego Mphela (l.) verfolgt, wie sein Schuss am Pfosten landet © getty

"Bafana Bafana" wird nach dem vergeblichen Sieg gegen Frankreich mit Lob überschüttet. Ein Torschütze trauert seinen Chancen nach.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Mangaung/Bloenfontein - Die Enttäuschung stand Südafrikas Spielern ins Gesicht geschrieben.

Und dennoch verließen alle das Free State Stadium von Bloemfontein nach dem 2:1 (2:0) gegen Frankreich, das letztlich nicht zum Weiterkommen gereicht hatte, mit erhobenem Haupt.

"Wir sind alle enttäuscht, aber wir haben unseren Fans zum Abschied ein tolles Spiel gezeigt und sind sehr stolz, Südafrikaner zu sein", sagte Mittelfeldspieler Steven Pienaar.

Dass sich Südafrika trotz des Sieges als erster WM-Gastgeber in der Vorrunde ausgeschieden ist, wird in den Fußball-Geschichtsbüchern nachzulesen sein.

Lobeshymnen von der Presse

Doch dass sich ihre "Bafana Bafana" mit einer eindrucksvollen Leistung und einem Sieg aus dem Turnier verabschiedet hat", quittierten Fans und Medien mit Anerkennung und Zufriedenheit.

"Sie haben eine Schlacht gewonnen, aber den Krieg verloren", sagte der TV-Moderator im Frühstücksfernsehen von "SABC2" am Mittwochmorgen.

"Helden: Sie kamen, um Südafrika stolz zu machen - und sie haben es getan", schrieb "The Sowetan" aus Johannesburg.

"A Bafana magic show. Bittersüßes Ende für Bafana. Der Berg war zu hoch", fasste "The Star" zusammen.

"Out but proud" (Raus, aber stolz), lautete die Schlagzeile des "Citizen" aus Kapstadt, "Tränen über das Aus, aber den Stolz wiederhergestellt", titelte die "Pretorian News".

"Es sollte wohl nicht sein"

Mit vier Punkten aus drei Spielen, aber aufgrund der um drei Tore schlechteren Tordifferenz gegenüber dem Gruppenzweiten Mexiko hatte das Gastgeber-Team den Einzug ins Achtelfinale verpasst. (Der WM-Spielplan)

Dabei wäre das "Wunder" gegen die erneut unfassbar schwachen Franzosen durchaus möglich gewesen.

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"Ich hatte einige gute Chancen", gab Torjäger Katlego Mphela, der nach der Führung durch Bongani Khumalo (20.) in der 37. Minute das 2:0 erzielte hatte, zu: "Aber was soll ich machen? Es sollte wohl einfach nicht sein."

Mehrmals war Mphela an Frankreichs Torwart Hugo Lloris gescheitert, einmal hatte er nur den Pfosten getroffen.

Der Glaube war da

Auch nach Frankreichs Anschlusstreffer durch Florent Malouda (70.) versuchten es die Südafrikaner immer weiter.

"Wir haben auch nach der Niederlage gegen Uruguay immer an unsere Chance geglaubt", betonte der ehemalige Dortmunder Pienaar im Gespräch mit SPORT1.

"Wir haben unser Bestes gegeben und sind froh, dass wir unseren Fans zum Abschluss wenigstens noch einen Sieg schenken konnten", sagte Mittelfeldspieler Siphiwe Tshabalala: "Am Ende haben uns einfach nur ein paar Tore gefehlt."

Bedauern über Parreira-Abschied

Unmittelbar nach dem Spiel erklärte Südafrikas brasilianischer Trainer Carlos Alberto Parreira seinen Rücktritt, was die Spieler mit Bedauern kommentierten.

"Er ist ein harausragender Coach, der unserem Land viele gute Dinge gebracht hat. Wir werden immer daran denken, was er füns uns geleistet hat", meinte Torwart Itumeleng Khune.

"Wir sind sehr froh, dass wir Parreira als Trainer hatten", ergänzte der Schlussmann, der wegen seiner Roten Karte aus dem Uruguay-Spiel auf der Tribüne mit seinen Teamkollegen mitfiebern musste. "Ich wünsche ihm viel Glück, wohin er auch gehen wird."

Doemenech tritt mit Eklat ab

Für Raymond Domenech ist die Zeit als Nationaltrainer nach dem peinlichen Ausscheiden mit nur einem Punkt und einem Tor aus drei Spielen und den Vorfällen rund um das Team ebenfalls vorbei.

Frankreichs umstrittener Coach, der nach dem Spiel für einen weiteren Eklat sorgte, als er Parreira den Handschlag verweigerte, wird von Laurent Blanc abgelöst.

Auf den Weltmeister von 1998, der Girondins Bordeaux in der vergangenen Saison bis ins Viertelfinale der Champions League geführt hatte, wartet ein Berg von Arbeit.

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