vergrößernverkleinern
Thierry Henry stand mit Frankreich 1998 und 2006 im WM-Finale © getty

Bixente Lizarazu motzt bei SPORT1 über den peinlichen WM-Auftritt Frankreichs. Die Presse ätzt, die Politik schaltet sich ein.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Bloemfontein/Johannesburg - Die Medien verhöhnen die Mannschaft, die Politik schaltet sich ein und den Helden von einst ist alles einfach nur peinlich.

"Es ist eine Schande", sagte Bixente Lizarazu nach dem 1:2 gegen Südafrika und dem damit verbundenen Vorrunden-Aus der französischen Nationalmannschaft am Dienstagabend zu SPORT1.

Damit meinte der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000 aber "nicht das, was auf dem Platz passiert ist, sondern all die Dinge, die abseits des Fußballs geschehen sind".

Journalisten freuen sich über das Aus

Und das waren, nur kurz zusammengefasst, die Beleidigungs-Affäre, nach der Stürmer Nicolas Anelka aus dem Kader geworfen worden war, und der anschließende Trainings-Boykott der Mannschaft vor dem entscheidenden Spiel gegen Südafrika.

Nach den beiden Gegentoren sprangen auf der Pressetribüne sogar mehrere französische Journalisten auf und jubelten.

"Wir sind froh, wenn wir hier endlich weg können. Was hier abgelaufen ist, ist eine Schande für unser Land", waren sie sich einig. (Der WM-Spielplan)

"Bande von traurigen Trotteln"

Die Überschriften der französischen Zeitungen sprachen für sich. "Das Ende einer Welt. Die Leute für dumm zu verkaufen, kann sehr amüsant sein. Aber man muss wissen, wann man damit aufhören sollte", schrieb das größte Sportblatt "L'Equipe".

"La Presse des la Manche" nannte die Mannschaft eine "Bande von traurigen Trotteln".

[image id="86509dcf-65bc-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Für die "Liberation" steht fest: "Die Weltmeisterschaft droht auf lange Sicht das Bild des französischen Fußballs zu beschädigen."

Sarkozy will Henry treffen

Das peinliche Auftreten der "Equipe Tricolore" beschäftigt längst nicht nur die Sportberichterstattung, sondern wächst sich zur Staatsaffäre aus. "Frankreich ist nicht bereit ihnen zu vergeben" schrieb am Montag der "Parisien".

Präsident Nicolas Sarkozy erklärte die Aufarbeitung der verschiedenen Skandale zur Chefsache und berief eine Kabinettssitzung ein und will am Donnerstag Thierry Henry bei einer Aussprache im Präsidentenpalatast treffen.

Sportministerin Roselyn Bachelot will gnadenlos "aufräumen" und erklärte: "Die französische Mannschaft ist ein Trümmerfeld, physisch, technisch und moralisch."

Suche nach den Verantwortlichen

Die Suche nach den Schuldigen läuft bereits auf vollen Touren.

Unter der Überschrift "Trouver les responsables" ("Die Verantwortlichen finden") zog die "L'Equipe" am Mittwoch eine Bilanz der "Chaos-Tage" von Südafrika.

Sportministerin Bachelot ist der gleichen Meinung wie das Blatt. "Alle Akteure dieses Desasters, die Spieler, die Verantwortlichen des Verbandes, müssen ihre Rechnung bekommen", sagte sie.

Trainer weg, Verbandsboss unter Druck

Der umstrittene Trainer, der nach dem Aus für einen weiteren Eklat sorgte, als er Südafrikas Coach Carlos Alberto Parreira den Handschlag verweigerte, wird gehen - auch wenn er betonte, es läge "nicht in meiner Natur, das Schiff zu verlassen".

Jean-Pierre Escalettes, Präsident des französischen Fußballverbands "FFF" kündigte am Dienstagabend an, die Ereignisse der WM in Ruhe aufarbeiten zu wollen. Er könnte aber auch zu denen gehören, die eine Rechnung präsentiert bekommen, Escalettes gerät immer mehr unter Beschuss.

Herkulesaufgabe für Blanc

Am 11. November treten "Les Bleus" zu einem Testspiel in Norwegen an.

Dann wird Laurent Blanc, Spielführer der Helden von 1998 und 2000, auf der Bank sitzen. Blanc führte Girondins Bordeaux 2009 zum Meistertitel und war im selben Jahr Frankreichs Trainer des Jahres.

Bei der Aufgabe, die Nationalmannschaft wieder auf den richtigen Kurs zu bringen, hat er eine schwere Aufgabe vor sich.

Am Kap der guten Hoffnung ist Frankreichs Fußball böse gestrandet, jetzt gilt es für Kapitän Blanc, den übel zugerichteten Kahn wieder flott zu machen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel