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Die Heimkehr der Versager: Florent Malouda beim Abflug in George © imago

Frankreich drück bei der Aufarbeitung der Katastrophen-WM aufs Tempo. Staatspräsident Sarkozy erklärt die Angelegenheit zur Chefsache.

Paris/Bloemfontein - Die WM-Versager kehrten unter massivem Polizeischutz in die Heimat zurück, der Staatspräsident traf einen der Rebellenführer persönlich, und die Regierung forderte die Ablösung des Verbandsbosses:

Frankreich arbeitet die Skandal-WM auf höchster Ebene im Eiltempo auf ("Schande!" Frankreichs Aus wird zur Staatsaffäre).

Nachdem die Nationalmannschaft nach den Chaos-Tagen in Südafrika auf dem Militärflughafen Le Bourget in der Nähe von Paris gelandet war, düste Kapitän Thierry Henry sofort in einer Staatskarosse mit Polizei-Eskorte zum Elysee-Palast.

Audienz beim Staatsoberhaupt

Dort traf sich der Spielführer der Equipe Tricolore, der beim WM-Fiasko nur Reservist gewesen war, mit Nicolas Sarkozy. Das Treffen fand auf Wunsch Henrys statt und wurde offiziell als "privat" eingestuft.

Über den Inhalt gab es keine Angaben. "Wir werden sehen, was er mir sagen will", hatte Sarkozy der ein Treffen mit Nichtregierungsorganisationen vor dem G8-Gipfel in Toronto dafür absagte, zuvor gesagt.

Er stellte aber klar: "Wenn ich mich jetzt um dieses Problem kümmere, heißt das nicht, dass ich ständig bei diesem Thema intervenieren werde."

Der Präsident hat die WM-Blamage zur Chefsache erklärt und für Oktober eine Generalversammlung des französischen Fußballs einberufen. "Dann sollen die Verantwortlichen schnell die Konsequenzen aus diesem Desaster ziehen", sagte Sarkozy. (Der WM-Spielplan)

Domenechs Fürsprecher soll gehen

Ob dann der in die Kritik geratene Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes noch im Amt ist, ist fraglich. Ein Rücktritt des 75-Jährigen sei "unvermeidlich", sagte Sportministerin Roselyne Bachelot am Donnerstag: "Auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte."

Verantwortlich für die "Katastrophe" bei der Fußball-WM seien aber die Spieler ("Alles, nur kein Fußball").

Escalettes will bleiben

Escalettes, der als größter Fürsprecher des gescheiterten Nationaltrainers Raymond Domenech gilt und seinen Schützling sogar weiter im Verband beschäftigen will, hatte einen Rücktritt zuletzt abgelehnt.

Das entspreche nicht seiner Art, sagte der Verbandsboss, dessen Vertrag noch zwei Jahre läuft.

Neuer Trainer des Weltmeisters von 1998 wird Ex-Nationalspieler Laurent Blanc.

Krisenmanagement im Schnelldurchlauf

Bei der Aufarbeitung der Geschehnisse drückt auch der Verband aufs Gaspedal:

Die ursprünglich für den 20. Juli geplante Versammlung des FFF wird "aus aktuellem Anlass" auf den 2. Juli vorgezogen, berichtet die Tageszeitung "Le Parisien".

Mit einem massiven Polizeiaufgebot waren die Nationalspieler nach ihrer Rückkehr von Fans und Journalisten abgeschottet worden.

Ribery zur OP

Die meisten Spieler der "Blauen" stiegen sofort in zwei Busse mit getönten Scheiben, die den Flughafen durch einen Hintereingang verließen (Eric Abidal im Interview).

Franck Ribery und die Profis von Olympique Lyon flogen mit Privatjets weiter. Der Mittelfeldstar von Bayern München kehrte mit einem von seinem Klub gecharterten Flieger nach München zurück, um sich am Freitag einer schon länger geplanten Leistenoperation zu unterziehen.

Zum Saisonauftakt wieder fit

Diesen reinen Routine-Eingriff hatte Ribery schon am Ende der abgelaufenen Saison mit Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt abgesprochen. Der Franzose leidet unter einer sogenannten "weichen Leiste".

Ribery wird nach dem Eingriff einige Tage in der Klinik bleiben, ehe er in den Sommer-Urlaub geht. Nach aktuellem Stand der Dinge kann Bayern-Trainer Louis van Gaal beim Start in die neue Saison mit dem dribbelstarken Flügelflitzer planen.

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