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Diego Maradona (l.) herzt seinen wichtigsten Spieler nach Argentiniens Auftaktsieg © getty

Argentiniens Superstar dreht gegen Nigeria endlich im Nationaltrikot auf wie in Barcelona. Maradona vergleicht ihn mit sich selbst.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg - Der Mann hat entweder keine Ahnung von seinem Job oder bewusst eine Nebelkerze geworfen. Lionel Messi ist erschöpft zur WM angereist", hatte Argentiniens Fitnesscoach Fernando Signorini erst am Donnerstag der katalanischen Sportzeitung "Sport" gesagt.

"Der Schaden ist angerichtet und lässt sich jetzt nicht mehr beheben."

Für einen Fußballer am Ende seiner Kräfte machte Lionel Messi beim 1:0-Erfolg seiner argentinischen Auswahl gegen Nigeria einen außergewöhnlich frischen Eindruck. (Der WM-Spielplan)

Daher darf davon ausgegangen werden, dass Signorini Öffentlichkeit und Gegnerschaft bewusst in die Irre hatte führen wollen.

Endlich wie bei Barca

Im Trikot der Albiceleste hatte Messi noch nicht oft an die überragenden Leistungen für den FC Barcelona anknüpfen können.

Sein 51. Länderspieleinsatz setzte nun ein Ausrufezeichen hinter die bislang unbestätigte Vermutung, dass er auch in der Auswahl von Diego Maradona glänzt, wenn das Spiel völlig auf ihn zugeschnitten ist.

"Ich habe Leo immer gesagt, dass ich ihn in Ballnähe haben will. Heute war er dort, hat es genossen und uns viel Freude damit gemacht", sagte der Nationaltrainer. "Ihm den Ball abzunehmen, ist genauso, als hätte man ihn mir in meiner aktiven Zeit abknüpfen wollen."

Enyeama leistet Widerstand

Dass das nicht ganz so einfach war, kann sich nun auch die Generation vorstellen, die Maradona nie selbst hat spielen sehen.

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Denn Messi war gegen Nigeria fast unaufhaltsam. Nur fast, weil sich ihm in Vincent Enyama ein Schlussmann in außergewöhnlicher Verfassung entgegenstellte. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Zunächst lenkte der 27-Jährige einen Schlenzer Messis von der Strafraumgrenze über die Querlatte (6.), dann kratzte er einen Flachschuss aus 18 Metern aus dem linken Eck (18.).

Nur gegen Heinze machtlos

Einen weiteren Versuch mit viel Effet bog Enyeama um den Pfosten (36.), ehe er auch im direkten Duell mit dem frei auf ihn zustürmenden Messi das bessere Ende für sich behielt (81.).

Lediglich beim entscheidenden Kopfball von Gabriel Heinze (6.) war er machtlos ? eine Szene, an der Messi wundersamerweise nicht direkt beteiligt war. 248414(die Bilder)

Weil Enyeama aber zumindest das Privatduell mit Messi für sich entschieden hatte, wurde der Schlussmann von Hapoel Tel-Aviv zum "Man of the match" gekürt. Eine Seltenheit, denn der Spieler des Tages wird üblicherweise im Siegerteam gesucht und gefunden.

"Gott ist mein Geheimnis"

"Ich habe Messis Spiele in der spanischen Liga oft im Fernsehen gesehen und viele Geschichten über ihn gelesen", erzählte Enyeama. "Heute habe ich gegen den besten Spieler der Welt die beste Leistung meiner Laufbahn geboten."

Sein Erfolgsrezept? "Gott ist mein Geheimnis. Er lenkt mich, lässt mich ruhig und gelassen bleiben und hat heute den Unterschied ausgemacht."(Die WM-Kader im Überblick)

Dass die "Hände Gottes" einmal zu Ungunsten Argentiniens eingreifen würden, galt bis zu diesem Nachmittag im Johannesburger Ellis Park als abwegig.

Nigeria schnuppert am Punktgewinn

Enyeamas Großtaten hätten beinahe dazu geführt, dass die über weite Strecken harmlosen Nigerianer um den Hoffenheimer Chinedu Obasi und den eingewechselten Wolfsburger Obafemi Martins in den letzten Minuten noch einen Zähler ergatterten.

"In der Schlussphase haben wir gelitten", gab Maradona zu. "Denn es ist ein Fußballgesetz, dass man die Quittung bekommt, wenn man so viele Torchancen auslässt wie wir heute. Aber wir sind nicht bestraft worden."

Die Erleichterung darüber ließ ihn Messi nach dem Schlusspfiff ausgiebig herzen. Der ließ es geschehen.

Für Widerstand war er nach seinen 90 laufintensiven Minuten zu müde. Am Donnerstag gegen Südkorea wird Messis Akku aber sicher wieder aufgeladen sein. Da mag Herr Signorini erzählen, was er will.

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