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Otto Rehhagel ist seit neun Jahren Trainer der griechischen Nationalmannschaft © getty

Otto Rehhagel nimmt sich beim Training Zeit für SPORT1. Für den kommenden Gegner hat der Deutsche nur Lob übrig.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Durban - Nach dem 0:2 gegen Südkorea wurde Otto Rehhagel in Griechenland für seinen defensiven "Steinzeit-Fußball" scharf kritisiert.

Es folgte ein 2:1-Sieg gegen Nigeria - und sofort wurde der Coach für seine offensiven Einwechslungen nach Nigerias Platzverweis von den Medien in den höchsten Tönen gelobt.

Es braucht also nicht besonders viel Fantasie, um sich auszumalen, was passieren wird, falls Griechenland auch gegen Argentinien (Di., ab 20 Uhr LIVE) gewinnt und sich für das Achtelfinale qualifizieren sollte.

(SERVICE: Der WM-Rechner)

Rehhagel selbst scheint die Schwarz-Weiß-Malerei und plötzliche Euphorie nicht zu kümmern.

"Bereiten uns in Ruhe vor"

Mit den griechischen Journalisten spricht er ohnehin nur, wenn er muss. Und das heißt bei der WM: Auf der offiziellen Pressekonferenz am Tag vor einem Spiel.

"Eigentlich sollte man nur noch Live-Interviews geben. Sonst schreiben die Journalisten doch sowieso, was sie wollen", erklärt Rehhagel in seiner typischen Art im Gespräch mit SPORT1.

Umso erstaunlicher, dass "König Otto" dennoch auf dem Trainingsgelände der Northwood School in Durban zum Gespräch über die Partie gegen Argentinien bereit war. (Der WM-Spielplan)

"Wir bereiten uns in Ruhe auf das Spiel vor, sind aber klarer Außenseiter", sagt "König Otto", der Griechenlands Nationalmannschaft seit fast neun Jahren trainiert, und über dessen Ablösung nach der WM zuletzt viel spekuliert worden war.

Stimmungsumschwung in Griechenland

2004 hatte er das Team überraschend zum EM-Titel geführt.

Die Qualifikation für die WM war ein weiterer Meilenstein, denn Griechenland ist überhaupt erst zum zweiten Mal seit 1994 bei einer Endrunde.

Das 2:1 gegen Nigeria war der erste Sieg bei einem WM-Turnier - zuvor hatten die Hellenen in vier Partien nicht mal ein Tor erzielt.

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Nun ist die Stimmung nicht nur in der Heimat wieder bestens.

Rehhagel lobt den Gegner

Als die Mannschaft nach dem Sieg gegen Nigeria auf dem Trainingsgelände im Norden Durbans ankam, wurden Spieler und Trainer von Angestellten und Volunteers mit Applaus empfangen.

"Die Leute hier freuen sich, wenn es uns gut geht", meint Rehhagel: "Schließlich habe sie ja nach der Niederlage gegen Südkorea die traurigen Gesichter der Spieler gesehen."

Mit einem Erfolg gegen Argentinien könnten die Griechen zum ersten Mal die Gruppenphase überstehen. Doch der Trainer-Fuchs weiß um die Schwere der Aufgabe.

Argentinien habe "eine ganze Reihe von Weltklassespielern", betonte er: "Nicht nur Messi, auch die anderen Spieler stehen bei großen Vereinen unter Vertrag und sind Ausnahmekönner."

"Milito will sich zeigen"

Für seine Mannschaft sei es gegen die spielerisch überlegenen Südamerikaner vor allem wichtig, "nicht so viele Freistöße" wie zuletzt zu kassieren (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Rehhagel glaubt nicht, dass Argentinien nach den beiden Siegen gegen Nigeria (1:0) und Südkorea (4:1) mit angezogener Handbremse spielen wird.

Selbst wenn Diego Maradona ein paar seiner Stars schonen sollte und die bisherige "zweite Garde" einsetzen sollte, sei das Team des zweimaligen Weltmeisters noch immer bärenstark.

"Ein Spieler wie Diego Milito, der im Champions-League-Finale beide Tore für Inter Mailand gegen Bayern München geschossen hat, will doch auch zeigen, was er kann", erklärt Rehhagel.

Verbleib eher unwahrscheinlich

Unabhängig vom Ausgang des Spiels und der WM erscheint es eher unwahrscheinlich, dass Rehhagel griechischer Nationaltrainer bleibt.

Der Sender "Skai" hatte zuletzt berichtet, der Deutsche werde nach dem Turnier vom Portugiesen Fernando Santos abgelöst.

Rehhagel selbst schweigt zu seiner Zukunft.

Sollte ihm gegen Argentinien tatsächlich der nächste große Coup gelingen, wäre "König Otto" zumindest eins sicher: In Griechenland würden sie ihn wieder auf Händen tragen.

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