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Nigeria nimmt zum vierten Mal an der Endrunde einer Weltmeisterschaft teil © getty

Nach dem unglücklichen Ausscheiden wird der Coach heftig kritisiert. Kanu wird als Nachfolger gehandelt. Südkorea feiert.

Durban - An der Stätte der Schmach folgte die Abrechnung der Enttäuschten:

Im Lager der Nigerianer begann das schon übliche Hauen und Stechen, nachdem die Super-Adler durch ein 2:2 (1:1) gegen Südkorea in Durban als drittes afrikanisches Team bei der WM in der Vorrunde ausgeschieden waren (Der WM-Spielplan) .

Zielscheibe war nach der Pleiten-WM mit Niederlagen zuvor gegen Griechenland (1:2) und Argentinien (0:1) bei den Super Eagles traditionell der Trainer - in Südafrika Lars Lagerbäck.

Trainer als Sündenbock

"Es war ein Fehler, Lagerbäck zum Nationaltrainer zu machen", sagte Peter Odemwingie, der gegen Südkorea nicht eingesetzt wurde.

"Ich habe ihm gesagt, dass er mir und den anderen Spielern mehr Respekt hätte erweisen müssen. Wenn man auf die Resultate guckt, darf er auf keinen Fall Nationaltrainer bleiben."

Der Stürmer von Lokomotive Moskau hatte in der Halbzeitpause des Spiels gegen Griechenland für einen Eklat gesorgt und sich verbal mit dem Schweden angelegt, weil dieser ihn auswechselte.

Ein Treffer fehlt

Der 28-Jährige musste zuschauen, wie seine Kollegen vor 61.874 Zuschauern über das Unentschieden durch Tore von Kalu Uche (12.) und Aiyegbeni Yakubu (69., Foulelfmeter) bei Gegentreffern durch Lee Jung-Soo (38.) und Park Chu-Young (49.) nicht hinauskamen (GAMES: Das WM-Tippspiel) .

Ein Treffer mehr hätte das Achtelfinale bedeutet.

Entsprechend enttäuscht war auch Bundesliga-Legionär Obafemi Martins.

"Ich weiß nicht, warum ich nicht mehr spielen durfte. Lagerbäck hat mir nie eine Chance gegeben zu zeigen, was ich kann", erklärte der Stürmer vom VfL Wolfsburg, der gegen Argentinien und Südkorea nur eingewechselt wurde.

Nur Obasi zeigt Verständnis

Der gute Hoffenheimer Chinedu Obasi zeigte immerhin etwas Verständnis: "Es ist schwer, etwas in drei Monaten zu bewegen", sagte der Stürmer.

Lagerbäck, neun Jahre Nationalcoach in Schweden, hatte Ende Februar das Amt des entlassenen Shuaibu Amodu übernommen.

"Es war ein Privileg, Trainer Nigerias zu sein und in vielerlei Hinsicht eine fantastische Reise",sagte der 61-Jährige.

"Was meine Zukunft angeht, muss ich erst mit dem Verband sprechen. Ich werde die WM nun analysieren und, wenn gewünscht, einen Bericht anfertigen."

Ob man den haben möchte, darf angezweifelt werden. Es stehen im August Präsidentenwahlen im Verband (NFF) an (Die WM-Kader im Überblick) .

Boss Alhaji Sani Lulu steht massiv in der Kritik, weil er angeblich Gelder nicht sachgemäß eingesetzt hat. Eine alte nigerianische Krankheit.

Kanu wird gehandelt

In Südafrika, so die Vorwürfe, sei auf Verbands-Kosten eine Entourage von rund 90 Personen, darunter Familienmitglieder, mit allem Zipp und Zapp am Start gewesen.

Da kann nur die Präsentation eines namhaften neuen Nationaltrainers einen Stimmungsumschwung bringen.

Ein Kandidat könnte Veteran Nwankwu Kanu sein. "Ich werde erstmal die WM verarbeiten, und danach können Sie mich fragen", meinte er.

Der 33-Jährige hatte gegen Südkorea seinen ersten WM-Einsatz - als Olympiasieger von 1996! Kanu ließ die Retourkutsche durch die Blume folgen: "Amodu, Lagerbäcks Vorgänger, war ein guter Trainer. Mit ihm haben wir auch Spiele gewonnen."

Ganz Südkorea feiert

Während die Westafrikaner ihren Frust rausließen, strömten im fernen Südkorea rund eine halbe Million Menschen in den frühen Morgenstunden auf die Straßen und feierten den erstmaligen Einzug eines südkoreanischen Teams in die zweite Runde einer WM auf fremden Boden.

Für die Spieler des WM-Vierten von 2002 gab es Prämien von bis zu 140.000 Euro pro Nase, für Nationaltrainer Huh Jung-Moo gar 220..000.

"Meine Spieler haben höhere Ziele, sie wollen das Halbfinale erreichen", Huh. Und Bundesligaprofi Du-Ri Cha meinte: "Wir werden jetzt jedes Spiel genießen."

Die Taeguk Warriors feierten nach dem Nigeria-Spiel schon mal vor einem Häufchen Fans im Moses-Mabhida-Stadion überschwänglich den historischen Erfolg.

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