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Eigentlich sieht der Schuss völlig harmlos aus. Englands Torhüter Robert Green konzentriert sich und will den Ball locker fangen
Robert Green (r.) spielt in der Premier League für West Ham United © getty

Ein kapitaler Fehlgriff von Keeper Robert Green hat die "Three Lions" gegen die USA den guten Start in die WM gekostet.

Rustenburg - Ein Blackout von Torhüter Robert Green hat England zum Auftakt der WM in Südafrika den Sieg gekostet.

Der international "grüne" Schlussmann von West Ham United ließ in der 40. Minute einen harmlosen Flachschuss von Clint Dempsey an den ausgebreiteten Handschuhen vorbei zum Endstand von 1:1 (1:1) ins Tor kullern. 248623(DIASHOW: Robert Greens Patzer)

David Beckham, verletzter Superstar der "Three Lions" und als Maskottchen auf der Bank dabei, registrierte es mit versteinerter Miene.

Die USA hatten England bereits 1950 in Brasilien die WM-vermasselt - damals gewann der krasse Außenseiter sogar 1:0.

"Unglücklicherweise haben wir ein unglückliches Tor bekommen, das war ein bisschen ein Schock", sagte Englands Kapitän Steven Gerrard, der den Weltmeister von 1966 bereits nach 3:33 Minuten in Führung gebracht hatte.

"Danach haben wir natürlich erwartet, dass wir gewinnen", fügte der Mittelfeldspieler vom FC Liverpool hinzu. Dem Unglücksraben Green wollte er freilich zunächst keinen Vorwurf machen: "Wir müssen uns jetzt alle hinter ihn stellen. Vielleicht hält er beim nächsten Mal den entscheidenden Ball."

Howard überzeugt

Wie entscheidend ein Torhüter sein kann, zeigte sich anschließend auch in der zweiten Halbzeit:

Tim Howard, US-Nationaltorhüter in Diensten des englischen Erstligisten FC Everton, war der große Rückhalt seiner Mannschaft beim der vergeblichen Hatz der Engländer nach dem Siegtor - dem freilich die Amerikaner in der zweiten Halbzeit sogar näher waren.

"Nach dem 1:1 hatten wir gute Chancen zu gewinnen", erkannte Trainer Bob Bradley, tatsächlich schossen die USA siebenmal aufs Tor, England nur dreimal. (Der WM-Spielplan)

Beim bislang schnellsten Treffer des WM-Turniers in Südafrika war Howard chancenlos gewesen.

Biden übermittelt Obamas Grüße

US-Vizepräsident Joe Biden hatte das US-Team vor dem Spiel in der Kabine besucht und ihm beste Wünsche von Präsident Barack Obama bestellt - doch es half nichts:

In der 4. Minute spielte sich Emile Heskey an der Strafraumgrenze frei und passte auf Kapitän Steven Gerrard, der schneller als der Frankfurter Ricardo Clark war und alleine vor Howard vollstreckte.(Die WM-Kader im Überblick)

Mit der Führung im Rücken schaltete England aber prompt einen Gang zurück. Clint Dempsey nutzte das per Kopf zur ersten Chance, scheiterte aber am 30 Jahre alten Green, der den Vorzug vor David James erhalten hatte.

Altidore trifft den Pfosten

Die frechen Amerikaner, bei neben Clark auch Trainer-Sohn Michael Bradley (Borussia Mönchengladbach) und Steven Cherundolo (Hannover 96) in der Anfangself standen, kamen mehrfach zu guten Chancen, ehe Dempsey aus gut 25 Metern einfach mal abzog.

Der englische Torwart patzt ja gerne mal - Green reihte sich als Alternative zu James, der seinerseits den Spitznamen "Calamity" (Schlamassel) trägt, nahtlos in die Reihe der englischen Torhüter wie David Seaman ein.

Seit dem Abdanken von Peter Shilton, der nach der WM 1990 seine Karriere beendet hatte, wartet England auf einen Keeper von Weltklasse-Format.

Wenigstens verhinderte Green in der 65. Minute reaktionsschnell das mögliche 1:2 gegen Jozy Altidore - er lenkte den Ball an den Pfosten.

Rooney über weite Strecken abgemeldet

In der abwechslungsreichen Begegnung vor 38.646 Zuschauern im Royal Bafokeng Stadium hatte zuvor Howard seine Mannschaft vor einem Rückstand bewahrt, als er einen 16-Meter-Schuss von Heskey parierte (52).

Von Heskeys Sturmkollege Wayne Rooney, auf dem die Hoffnungen der Engländer auf einen zweiten WM-Titel ruhen, war dagegen so gut wie nichts zu sehen. Allein beim Führungstreffer hatte der Torjäger die Vorarbeit geleistet.(GAMES: Das WM-Tippspiel)

Englands Trainer Fabio Capello flüchtete sich in Zweckoptimismus: "Alles ist gut, nur das Ergebnis nicht. Wir hatten unsere Chancen, aber wir hoffen, dass sie das nächste Mal reingehen. Das kommende Spiel wird besser sein."

Verkehrschaos bei der Anreise

Vor dem ersten WM-Spiel in Rustenburg war es auf der Anfahrt und rund um das Stadion zu teils chaotischen Szenen gekommen. Die Organisatoren waren mit dem Zuschaueraufkommen für das Spiel völlig überfordert.

Bereits auf der Anfahrt über Pretoria standen die anreisenden Besucher in zum Teil kilometerlangen Staus, weil die Mautstellen auf der Autobahn jedes Fahrzeug einzeln abfertigten.

Auch rund um das Stadium herrschte heilloses Durcheinander. Einweiser und Ordner waren nicht in der Lage, die anreisenden Zuschauer zu Parkplätzen oder Eingängen zu dirigieren.

Das Stadion liegt etwa 12 km außerhalb der Stadt und ist nur über eine einzige Zufahrtsstraße zu erreichen.

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