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Sind sich uneins: Ex-Kapitän John Terry (l.) und Coach Fabio Capello © getty

Dem Italiener droht bei einem vorzeitigen WM-Aus die Entlassung. Und Englands Terry beruft eigenmächtig eine Krisensitzung ein.

Rustenburg - Teammanager Fabio Capello resigniert und steht vor dem Aus, Schattenkapitän John Terry übernimmt das Kommando:

Die englische Nationalmannschaft hat offenbar jeglichen Teamspirit verloren und scheint am drohenden Vorrunden-K. o. bei der WM in Südafrika zu zerbrechen.

"Es fühlt sich an, als wären die letzten zwei Jahre Zeitverschwendung gewesen. Ich habe keine Ahnung, wie oder warum die Spieler an diesem Punkt ankommen konnten", sagte Capello nach einer lautstarken Krisensitzung.

Und das genau zwei Tage vor dem "Finale" in der Gruppe C gegen Tabellenführer Slowenien (Mi., ab 16 Uhr im ).

Druck lähmt die Stars

Offenbar kommen die Three Lions einmal mehr bei einem großen Turnier mit dem Druck nicht zurecht (desolate Nullnummer gegen Algerien).

Die körperliche und psychische Verfassung von Wayne Rooney, Steven Gerrard und ihren Teamkollegen ist derart schlecht, dass die Fans im Fußball-Mutterland die Hoffnung auf den ersten WM-Titel seit 44 Jahren längst aufgegeben haben. (Der WM-Spielplan).

Und auch Capello kann sich mittlerweile kaum noch vorstellen, dass bei seinem Team noch rechtzeitig der Knoten platzt.

"Das Problem könnte der Druck sein. Er lähmt die Beine und den Geist. Man spürt, dass die Mannschaft unheimlich unter Druck steht", sagte der 64-Jährige, dem vor allem das fehlende Spieltempo seiner Mannschaft nicht nachvollziehen kann:

"Die ganze Mannschaft ist bei dieser WM viel zu langsam. Es gibt keine Tempowechsel. Ich erkenne das Team einfach nicht wieder."

Klinsmann als Nachfolger?

Mit seinen deutlichen Worten distanzierte sich Capello, der im Falle eines Scheiterns aller Voraussicht nach entlassen wird, von seiner Mannschaft, die sich ohnehin bereits selbstständig gemacht hat.

Als mögliche Nachfolger von Capello sind englischen Medienberichten zufolge der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Fulhams Roy Hodgson und Tottenhams Harry Redknapp im Gespräch.

Terry ergreift die Initiative

In der Krisensitzung soll der Italiener angeblich die von vielen Spielern geforderte Aussprache verweigert haben.

An die Spitze der Capello-Kritiker bei den "Three Lions" hat sich Abwehrchef John Terry gestellt.

"Meuterei: Terry greift nach der Rolle als Spielertrainer", titelte die Boulevard-Zeitung "Daily Mail".

Zuvor hatte der im Februar nach einer Sex-Affäre als Kapitän abgesetzte Innenverteidiger ein Treffen von neun unzufriedenen Spielern nach dem 0:0 gegen Algerien ausgeplaudert.

Die Fraktion, zu der auch Kapitän Steven Gerrard, Wayne Rooney und Frank Lampard gehören sollen, fordert Änderungen bei Taktik und Aufstellung.

So soll England gegen Slowenien mit einem 4-5-1-System und Rooney als einziger Spitze spielen.

"Wir sollten miteinander ehrlich sein"

"Vielleicht fliegt nach diesem Abend jemand aus dem Team. Aber wo ist das Problem?", sagte Terry.

"Wenn einige Spieler unzufrieden sind und wir einen Streit mit dem Teammanager haben, dann sollte man ehrlich miteinander sein und sprechen. Wir sind alle erfahrene Spieler und mussten uns die Probleme endlich von der Seele reden."

Und weiter wird der Chelsea-Star zitiert: "Wenn das Capello sauer macht, dann sage ich: 'Na und!' Denn ich bin hier, um für England den WM-Titel zu gewinnen. Und ich spreche für die ganze Mannschaft und die Fans in England, die sich große Erfolge wünschen."

Rooney und Gerrard verärgert

Dass Terry in mehreren Presserunden die Autorität des Trainers öffentlich infrage stellte, soll vielen Teamkollegen jedoch missfallen haben.

"Er hat aus dem Nähkästchen geplaudert", sagten Rooney und Gerrard unisono:

Der Alleingang von Terry sorgte teamintern für große Unruhe, weil er kurz nach der Krisensitzung die Presse über die Probleme zwischen Mannschaft und Trainer informierte. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Verband wendet sich ab

Unterdessen hat sich englische Verband FA offenbar auf die Seite der Spieler geschlagen und bereitet die Entlassung von Capello vor.

Sollte Capello nach einem Ausscheiden in der Vorrunde wider Erwarten nicht zurücktreten, gilt als sicher, dass der Verband den Vertrag kündigen wird - verbunden mit einer Abfindung von geschätzten 13,8 Millionen Euro.

Nach den mageren Unentschieden gegen die USA und Algerien müssen die Engländer ihr letztes Gruppenspiel gegen Slowenien gewinnen, um sicher ins Achtelfinale einzuziehen.

Dort könnte die deutsche Mannschaft der Gegner sein. (Der WM-Spielplan)

Umso pikanter und auch unverständlich die FIFA-Ansetzung für Englands Partie gegen Slowenien: Der deutsche Referee Wolfgang Stark leitet die Partie.

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