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Kevin-Prince Boateng begann seinen Karriere beim Berliner Klub Reinickendorfer Fückse © getty

Ghanas neuer Star verpasst sich vor dem Duell gegen Deutschland einen Maulkorb. Derweil hofft auf Australien auf die Afrikaner.

Rustenburg - Der Prince aus Wedding auf dem Weg zum König von Ghana:

Kevin Boateng ist bei der WM in Südafrika vor dem "Endspiel" gegen Deutschland zum großen Hoffnungsträger der ghanaischen Nationalmannschaft aufgestiegen.

Der gebürtige Berliner versteht auf dem Platz zwar kein Wort, spielen und tanzen kann er jedoch schon wie ein echter Ghanaer.

"Kevin ist ein herausragender Spieler. Ghana hat viel Freude an ihm. Gegen Serbien und Australien war er fantastisch", sagte Ghanas Coach Milovan Rajevac nach dem 1:1 gegen Australien.

"Kein Grund, wütend zu sein"

Vor dem direkten Duell mit seinem Halbbruder Jerome am Mittwoch vor 90.000 Zuschauern im Soccer-City-Stadion von Johannesburg muss der unzähmbare und auf dem Platz stets äußerst provokante Boateng bei Rajevac aber nochmal auf die Couch.

"Wir werden ihn psychologisch auf dieses Spiel vorbereiten. Es gibt aber ohnehin keinen Grund für Deutschland, wütend auf ihn zu sein", sagte der Serbe Rajevac.

"Er hat das Foul gegen Michael Ballack ohne Absicht begangen. Das war eine große Geschichte, aber ihm gegenüber war es nicht korrekt."

Der Mittelfeldspieler war nach seinem bösen Tritt gegen den DFB-Kapitän im FA-Cup-Finale zwischen Portsmouth und dem FC Chelsea in Deutschland zum Buhmann geworden. (Die WM-Kader im Überblick)

Boateng verpasst sich Maulkorb

Boateng hatte mit einem Foul für Ballacks WM-Aus gesorgt (SPORT1.de-Tabellenrechner).

Damit er vor dem "Finale" um den Achtelfinal-Einzug durch unbedachte Aussagen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießt, hat sich Boateng vor dem Showdown einen Maulkorb verpasst.

"Ich habe kein Interview-Verbot auferlegt bekommen. Ich habe einfach nichts zu sagen", sagte der 23-Jährige.

"Sind froh, ihn zu haben"

Boateng war sowohl beim Sieg gegen die Serben (1:0) als auch beim Duell mit Australien neben dem starken und bislang zweimal per Elfmeter erfolgreichen Angreifer Asamoah Gyan bester Spieler der Black Stars.

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw zeigte er vor allem gegen die "Aussies" seine Klasse (Der WM-Spielplan).

Die Auftritte von Boateng im zentralen Mittelfeld der Ghanaer waren bislang geprägt von Dominanz und Durchschlagskraft, wie sie in seiner Zeit bei Hertha BSC Berlin und Borussia Dortmund nur selten zu sehen waren.

Nach nur zwei WM-Spielen für Ghana ist Boateng bereits Dreh- und Angelpunkt im Team von Rajevac.

"Wir sind froh, dass wir ihn in der Mannschaft haben. Er ist ganz schnell ein wichtiger Teil des Teams geworden", sagte Stoßstürmer Gyan.

"Deutsche Achse"

Gemeinsam mit Isaac Vorsah und Prince Tagoe (beide Hoffenheim) sowie Hans Sarpei (Bayer Leverkusen) bildet der Neu-Ghanaer Boateng beim WM-Achtelfinalisten von 2006 die deutsche Achse (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Natürlich werde ich mit ihnen vor dem Spiel gegen Deutschland sprechen, denn sie haben ja schon oft gegen sie gespielt", sagte Rajevac, der gegen die DFB-Auswahl in der Innenverteidigung vor allem auf die Rückkehr Vorsah (Knieprobleme) hofft:

"Es wäre wichtig, wenn er gegen Deutschland spielen kann."

Yeboah: "Wir gewinnen 2:0"

Das sieht auch der ehemalige Bundesliga-Star Anthony Yeboah so.

Der Ex-Torjäger glaubt, dass die WM-Endrunde in Südafrika für die deutsche Nationalmannschaft nach dem Duell mit seinen ghanaischen Landsleuten beendet sein wird.

"Wir haben die deutsche Mentalität in unserem Team. Das wird uns sehr helfen",, sagte Yeboah. "Wir gewinnen 2:0 gegen Deutschland."

"Haut die Deutschen weg!"

Darauf hoffen auch die Australier noch. "Ich bitte Ghana: Haut die Deutschen weg!", sagte Dario Vidosic vom MSV Duisburg nach dem Remis in Unterzahl gegen die "Black Stars".

Wütend waren die "Socceroos" vor allem über die Rote Karte gegen Harry Kewell.

"Es kotzt mich an. Der Typ hat meine WM getötet", schimpfte der Übeltäter auf Schiedsrichter Roberto Rossetti.

Ein Sieg Ghanas gegen Deutschland ist nun die letzte Chance - in diesem Fall käme Australien mit einem Sieg gegen Serbien sicher ins Achtelfinale.

"Darauf hoffen wir", sagte Nationaltrainer Pim Verbeek: "Niemand sollte uns abschreiben. Vielleicht macht Deutschland ja auch fünf Tore, dann reicht uns ein 1:0. Das ist eine interessante Konstellation."

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