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Enttäuscht, aber auch Stolz nach dem Sieg über Serbien: Tim Cahill © getty

Nach dem Ausscheiden überwiegt im Lager der Australier noch die Enttäuschung. Doch mancher sieht auch Positives.

Nelspruit - Nach einer Ehrenrunde mit Tränen und dem bitteren "Heldentod" schmerzte das Deutschland-Trauma umso mehr.

Mit dem 2:1 (0:0) gegen Serbien verabschiedeten sich die tapferen Australier erhobenen Hauptes von der WM in Südafrika

Doch es war der traurigste Sieg ihrer Länderspiel-Geschichte. (Der WM-Spielplan)

Die schwache Tordifferenz verhinderte den zweiten Achtelfinal-Einzug in Folge.

Die vier Gegentreffer bei der ernüchternden Auftaktniederlage gegen Deutschland waren letztlich genau drei zu viel.

Deutschland-Spiel kostet Traum

"Von 25 Spielen seit Qualifikationsbeginn haben wir ein ganz schlechtes gemacht. Doch das hat uns letztlich unseren Traum gekostet", sagte Trainer Pim Verbeek.

Auch der deutschstämmige Keeper Mark Schwarzer dachte nach dem Schlusspfiff umgehend an das 0:4-Debakel zehn Tage zuvor.

"Das war kein normales Spiel damals. Das waren nicht wir. So schlecht wie dort haben wir noch nie gespielt", sagte der 37-Jährige immer noch fassungslos.

"Deutschland hätte eben auch gegen Ghana drei Tore mehr schießen müssen", sagte Dario Vidosic vom MSV Duisburg, der ohne Einsatz geblieben war.

"Ich fahre jetzt in Urlaub und werde kein WM-Spiel mehr schauen", sagte er enttäuscht.

Optimismus und Stolz bei Cahill

Einzig Tim Cahill wollte sich die Laune nicht verderben lassen. Der Mittelfeldspieler vom FC Everton hatte gegen Deutschland Rot gesehen, gegen Ghana pausieren müssen und gegen die Serben den Führungstreffer geköpft (69.).

"Irgendwie ist das einer der schönsten Tage meines Lebens", sagte er und ließ auf der Pressekonferenz neben der Auszeichnung als "Man of the match" auch noch den zu Werbezwecken ausgestellten Ball als Trophäe mitgehen.

Man sei gar nicht mit der Devise ins Spiel gegangen, vier Tore zu erzielen, ergänzte Cahill zum allgemeinen Erstaunen. Zu aussichtslos schien das Unterfangen.

"Aber wir waren Vorbilder für die Kinder, deshalb bin ich stolz und sehe das Positive."

Selbst Nachfragen zum Deutschland-Spiel kommentierte Cahill ohne Gram: "Sie waren einfach zu gut für uns. Deutschland ist eines der besten Teams der Welt und einer der Favoriten auf den Titel."

Kampfgeist nicht belohnt

Nach frühen Roten Karten in den ersten beiden Begegnungen hatten die Socceroos großen Kampfgeist gezeigt, deshalb hatte Pim Verbeek nach seinem letzten Spiel auf der australischen Bank auch "gemischte Gefühle".

Der Niederländer wird Technischer Direktor des marokkanischen Fußball-Verbandes.

Wenigstens könne man stolz und erhobenen Hauptes nach Hause fliegen, versicherte der langjährige Bundesliga-Profi Joshua Kennedy.

"Die Socceroos haben einen tapferen, aber erfolglosen Kampf geführt und sind den Heldentod gestorben", schrieb die Tageszeitung "The Australian".

Umbruch im Team

Verbeeks Nachfolger - favorisiert wird offenbar Kameruns Nationaltrainer Paul Le Guen - muss jedoch möglicherweise einen Neuaufbau starten.

"Auch wenn es noch keiner offiziell verkündet hat: Es gibt ein paar, die nicht mehr weiterspielen werden", verriet Kennedy und sieht große Probleme:

"Wir haben uns zweimal in Folge für die WM qualifiziert, deshalb muss man sagen, dass das wohl die beste australische Generation aller Zeiten war. Und es wird schwer, sie zu ersetzen."

Cahill (30), Harry Kewell (31) und Kapitän Lucas Neill (32) erklärten nach dem Spiel jedoch, bis zur WM 2014 weitermachen zu wollen. "Solange ich meinem Land helfen kann, werde ich da sein", sagte Neill.

"Ich bin stolzer Australier. Mich kann nur eine Verletzung stoppen", meinte Cahill.

Da war er wieder, der australische Geist, den die Socceroos nach dem bitteren Auftakt gegen Deutschland in Südafrika an den Tag legten.

Auch wenn er letztlich nicht belohnt wurde.

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