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Im Oktober 2000 bestritt Mark van Bommel (M.) sein erstes A-Länderspiel für die Efltal © getty

Nach dem 2:0-Sieg über Dänemark vergleicht Bayern-Ass Mark van Bommel die Leistung mit vergangenen Auftritten des DFB-Teams.

Johannesburg - Deutschland das Zaubern und Scheitern überlassen, dafür selbst ohne Glanz und Gloria endlich den Titel holen:

Der zweimalige Vize-Weltmeister Niederlande hofft nach dem glanzlosen 2:0 (0:0)-Auftaktsieg gegen Dänemark bei der WM in Südafrika auf die Entdeckung erfolgreicher "deutscher Tugenden" (Der WM-Spielplan).

"Deutschland hat wie Holland gewonnen, dafür haben wir wie Deutschland gewonnen", sagte der frühere Hamburger Rafael van der Vaart nach dem glanzlosen und von Daniel Aggers Eigentor (46.) begünstigten Arbeitssieg.

Und Mark van Bommel, Kapitän des deutschen Meisters Bayern München, ergänzte mit einem verschmitzten Lächeln: "Deutschland ist für mich jetzt Turnierfavorit. Aber vielleicht geht es ihnen ja wie uns bei der EM."

"Auf dem Boden bleiben"

Bei der EURO 2008 hatte Oranje mit Zauber-Fußball gegen Italien (3:0) und Frankreich (4:1) ganz Europa verzückt und sich in die Rolle des Turnierfavoriten gespielt - scheiterte dann aber direkt im ersten K.o.-Spiel an Russland (1:3 nach Verlängerung).

"Für uns ist es gut, dass wir zum Auftakt gewonnen haben und doch mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben müssen", meinte van Bommel deshalb. "Wir haben nicht gut gespielt. Aber vielleicht ist das auch besser so", meinte van der Vaart.

Eigentor bringt Führung

Dies war allerdings eine vorsichtige Umschreibung für die Leistung der Niederländer, die gegen ganz schwache Dänen sogar Glück brauchten, um zum Sieg zu kommen.

Erst Aggers Eigentor brach nach einer furchtbar langweiligen ersten Halbzeit den Bann, Dirk Kuyt vom FC Liverpool staubte nach einem Pfostenschuss des eingewechselten Hamburgers Eljero Elia zum Endstand ab (85.) (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Elia versprüht Glanz

Der Flügelstürmer des HSV versprühte nach seiner Einwechslung (67.) als einziger etwas Glanz und schaffte das, was dem für ihn ausgewechselten van der Vaart nicht gelungen war: Den verletzten Bayern-Star Arjen Robben auf der linken Offensivseite vergessen lassen.

"Wir haben 2:0 gewonnen. Da kann man kaum sagen, dass wir Arjen vermisst haben", sagte Bondscoach Bert van Marwijk.

Robben-Rückkehr ungewiss

Eine baldige Rückkehr Robbens ins Team scheint trotz ausgestandenem Muskelfaserriss nicht bevorzustehen. "Es geht darum, ihn zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen", meinte van Marwijk (Die WM-Kader im Überblick).

Der Auftaktsieg und die Leistung Elias lassen ihm auch etwas Luft, ein Risiko muss er nicht eingehen. "Eljero hat super gespielt", meinte van der Vaart, der nun genau deshalb fürchten muss, endgültig aus dem Team zu rutschen.

"Mein Traum ist es, der ganzen Welt zu zeigen, was ich kann. Meine Aktionen gelingen immer. Ich mache mein Ding", sagte Elia im Überschwang - und bremste sich umgehend selbst: "Ich bin froh über die Zeit, die der Trainer mir gibt. Ich bin nur stolz, bei Oranje und bei der WM dabei zu sein."

Alle loben Elia

Seine Visitenkarte hat der 23-Jährige jedenfalls eindrucksvoll abgegeben. "In der zweiten Hälfte haben wir uns gesteigert, auch weil Elia kam", sagte Kapitän Giovanni van Bronckhorst nach seinem 100. Länderspiel.

Der Ex-Dortmunder van Marwijk meinte dasselbe, ohne Namen zu nennen: "Die erste Halbzeit war schlecht. Nach der Pause haben wir manchmal gezeigt, wozu wir in der Lage sind."

Das Bollwerk der biederen Dänen wurde aber nur mit Hilfe von deren ansonsten bestem Spieler durchbrochen. Simon Busk Poulsen bekam den Ball nach einer Flanke von Robin van Persie an den Kopf, von da prallte "Jabulani" an Agger und ins Tor.

"Fand es nicht witzig"

Poulsen fing noch auf dem Platz an zu lachen. "Ich fand's aber echt nicht witzig. Ich war nur so geschockt", sagte der Linksverteidiger:

"Ich habe den Ball erst gesehen, als ich ihn schon im Gesicht hatte. Und dann hat er auch noch unglücklich den Rücken von Daniel Agger getroffen, ist an den Pfosten und von da über die Linie geflogen. Das war wie ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf."

Mehr Pech kann man kaum haben. Die Niederländer würden wohl sagen: Das war "deutsches" Glück.

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