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Joel Matip (r.) im Zweikampf mit dem Japaner Daisuke Matsui © getty

Der Einsatz von Matip und Choupo-Moting sorgt für heftigen Unmut. Der Trainer und Superstar Eto'o nehmen die beiden in Schutz.

Bloemfontein - Nach dem Fehlstart der "unzähmbaren Löwen" bei der ersten Fußball-WM auf dem eigenen Kontinent geriet Kameruns Trainer Paul Le Guen sofort ins Kreuzfeuer der Kritik - wegen zweier Deutscher.

Der Franzose hatte in Bloemfontein den Nürnberger Eric-Maxim Choupo-Moting und den Schalker Joel Matip anstelle arrivierter Kräfte ins Auftaktspiel geschickt.

Angeblich haben die beiden im Training mehr Einsatz gezeigt als die Konkurrenz - trotzdem sorgte ihre Aufstellung bei Kameruns Journalisten für Unmut.

"Es sind zwei gute, sehr interessante Spieler. Sie sind wichtig für die Gegenwart und die Zukunft Kameruns", sagte Le Guen nach dem 0:1 (0:1) gegen Japan in der Gruppe E und löste damit lauten Widerspruch unter den in Afrika traditionell nicht sehr distanzierten Medienvertretern aus.

Choupo-Moting ist nicht Milito

Auf besonderes Unverständnis stißeß, dass der 21 Jahre alte Choupo-Moting in seinem dritten Länderspiel als Mittelstürmer sogar Superstar Samuel Eto'o auf den rechten Flügel verdrängte.

"Ich habe Eto'o auf diese Position gestellt, ich übernehme die Verantwortung", erklärte Le Guen.

Beim Triple-Sieger Inter Mailand spielt Eto'o zwar in gleicher Rolle, dort aber habe er aber einen Hochkaräter wie Diego Milito vor sich, "bei uns nicht", insistierte ein Journalist.

In Gefahr geriet das japanische Tor nach dem Treffer durch Keisuke Honda (39.) in der Tat erst in der Schlussphase, als Eto'o nach der Auswechselung des gebürtigen Hamburgers Choupo-Moting in die Sturmmitte rückte.

Matip statt Arsenal-Star

Noch mehr Kopfschütteln erntete Le Guen mit der Maßnahme, den 18 Jahre alten Matip auf der Sechser-Position dem England-Legionär Alexandre Song vom FC Arsenal vorzuziehen.

"Ich bin glücklich, wie Matip gespielt hat", sagte der Coach über den gebürtigen Bochumer, für den der erste Einsatz von Beginn an nicht überraschend kam. "Es war schon in den letzten Tagen abzusehen", sagte Matip, "ich habe meist im A-Team gespielt."

Für die defensiv solide Leistung des Schalkers, der wie seine Mittelfeldkollegen aber keine offensiven Akzente setzte, gab es Lob von Le Guen: "Er ist ein defensiver Mittelfeldspieler. Diese Rolle hat er ausgefüllt."

Immerhin brachte es der Abiturient, der erst sein fünftes Länderspiel für das Land seines Vaters bestritt, in 65 Spielminuten auf respektable 37 Pässe mit einer Erfolgsquote von 78 Prozent.

Lob von Eto'o

Der Schalker, den Trainer Felix Magath im November 2009 aus der A-Jugend direkt in die Bundesliga-Mannschaft geholt hatte, war mit seinem WM-Debüt dagegen nicht zufrieden.

"Wir haben kein probates Mittel gefunden und es zu oft mit langen Bällen versucht", sagte Matip und blickte auf das schon entscheidende zweite Vorrundenspiel am Samstag (ab 20 Uhr im LIVE-Ticker) in Pretoria gegen Dänemark: "Da müssen wir mutiger spielen." (Der WM-Spielplan)

Lob für Choupo-Mouting und Matip gab es nicht nur vom Trainer, sondern sogar vom Star des Teams. "Unsere jungen Spieler haben gute Sachen gemacht", sagte Eto'o, mit 29 Jahren nach Torhüter Hamidou Soulemanou (36) der älteste der "Löwen".

Eto'o, der sich intern für den Einsatz von Matip und Choupo-Moting stark gemacht haben soll, warnte allerdings: "Wir dürfen uns jetzt keinen Fehler mehr erlauben." (GAMES: Das WM-Tippspiel)

"Was müssen Sie noch kriegen?"

Das gilt wohl auch für Le Guen. Dem Franzosen schlug nach der unerwarteten Auftaktpleite nicht nur fachliche Kritik entgegen.

"Sie bekommen vom kamerunischen Staat viel Geld und jede Menge Sonderleistungen. Was müssen Sie noch kriegen, damit wir endlich siegen?", fragte ein aufgebrachter Journalist (Die WM-Kader im Überblick).

Le Guen, der im Juli 2009 den Deutschen Otto Pfister abgelöst und die "Löwen" zur WM geführt hatte, blieb ruhig: "Ich habe nichts verlangt. Ich habe nur meinen Vertrag ausgehandelt. Ich bedauere, dass die Mannschaft nicht so gespielt hat, wie sie es kann."

Japans Coach entspannt

Weitaus entspannter kann Japans Coach Takeshi Okada die nächste Partie am Samstag (ab 13 Uhr im LIVE-Ticker) in Durban gegen die Niederlande angehen.

"Unser Schlüssel zum Erfolg war die Abwehr. Sie hat sehr gut gearbeitet", meinte der ehemalige Verteidiger, der Matchwinner Honda als einzigen Stürmer aufgeboten hatte: "Jetzt müssen wir aber auch aggressiver nach vorne arbeiten und den nächsten Schritt machen."

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