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Yasuhito Endo (r.) schoss Japan per Freistoß 2:0 in Führung © getty

Nach dem Erreichen des Achtelfinals wollen Japans Spieler mehr. Bei den Dänen beginnt der Umbruch direkt nach dem Vorrundenaus.

Rustenburg - Der japanische WM-Fluch ist bezwungen, die Deutschen können kommen:

Als die "Blauen Samurai" endlich zum ersten Mal außerhalb des eigenen Landes das Achtelfinale einer Fußball-WM erreicht hatten, träumte Kapitän Makoto Hasebe bereits von einem Duell mit seiner Wahlheimat. (Der WM-Spielplan)

"Wir können weit kommen. Ich hoffe, dass wir im Halbfinale auf Deutschland treffen", sagte der Wolfsburger - und humpelte in die Nacht von Rustenburg.

Zuversichtlich gegen Paraguay

Hasebe hatte sich beim nie gefährdeten 3:1 (2:0)-Triumph gegen enttäuschende Dänen am Oberschenkel verletzt. "Ich habe einen Schlag abbekommen, es ist aber nichts Schlimmes", sagte er - und lächelte.

Die Freude über den Sieg ließ ihn seine Schmerzen vergessen und nach vorne schauen. "Gegen Paraguay wird es nun echt schwierig, trotzdem haben wir eine sehr große Chance, da wir nicht auf den ganz großen Namen treffen. Wir können dieses Spiel gewinnen", sagte er.

Zwar hat Paraguay eine überzeugende Vorrunde gespielt und als Sieger der Italien-Gruppe F die K.o.-Runde erreicht. Die Samurai aber, hinter den Niederlanden Zweiter der Gruppe E, fürchten nichts und niemanden mehr.

"Unsere Mannschaft ist die beste japanische seit langem. Es ist unglaublich, was wir hier für einen Zusammenhalt und Teamgeist haben. Das hilft uns gegen jeden Gegner", sagte Hasebe.

"Wir glauben an unsere Stärken"

Auch Trainer Takeshi Okada betonte: "Meine Spieler sind keine Feiglinge. Sie haben Stärken, die andere nicht haben. 23 Spieler und der Stab sind eine Einheit, das macht uns stark."

Mit dem Einzug ins Achtelfinale sei "unser Ziel noch nicht erreicht", betonte der Coach.

Wo es noch hingehen soll, machte Abwehrspieler Tulio deutlich: "Wir glauben an unsere Stärke, an unsere Kraft - und daran, dass wir das Halbfinale erreichen können."

Honda ist weniger glücklich

Dieser Glaube hat vor allem einen Namen: Keisuke Honda.

Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler vom ZSKA Moskau brachte die Japaner mit seinem Freistoßtor im Royal-Bafokeng-Stadion in Führung (17.), wenn auch mit unfreiwilliger Unterstützung des dänischen Torhüters Thomas Sörensen.

Schon den 1:0-Sieg gegen Kamerun hatte er erzielt. Nach seiner neuerlichen Heldentat war er aber nicht ganz zufrieden.

"Das ist ein großer Sieg für Japan, aber ich bin weniger glücklich als ich erwartet hatte - keine Ahnung warum. Vielleicht deshalb, weil wir hier noch nicht fertig sind. Wir wollen mehr und noch höher hinaus", sagte Honda.

Die Hoffnung auf etwas Großes nährten weitere Tore von Yasuhito Endo (30.) und Shinji Okazaki (87. ), der Däne Jon Dahl Tomasson hatte zwischenzeitlich per Nachschuss beim zuvor vergebenen Elfmeter verkürzt (81.).

Fans springen von der Brücke

In der Heimat löste der erste Achtelfinal-Einzug nach der Heim-WM 2002 Begeisterung aus. In den Städten feierten Tausende Fans, viele sprangen, wie bei großen Siegen üblich, von Brücken in Flüsse.

Premierminister Naoto Kan grüßte aus Kanada vom G-20-Gipfel: "Ich gratuliere aus tiefstem Herzen für die bemerkenswerte Leistung. Das ganze Land hat daraus Energie und Stolz gezogen."

Klar, dass auch Kan für das Spiel am Dienstag in Pretoria gegen Paraguay auf mehr hofft.

Youngster besiegen Routiniers

Trainer Okada hatte seine Mannschaft vor der WM umgebaut und mit Erfolg auf junge Spieler gesetzt.

Sein dänischer Kollege Morten Olsen baute auf Routiniers - und scheiterte.

Ob er seinen Vertrag bis 2012 erfüllt, ist offen. "Lassen Sie mich erstmal Urlaub machen", sagte er nach dem "kollektiven Harakiri", wie die Zeitung "Politiken" resümierte.

Jörgensen geht, Tomasson bleibt

Die Alt-Stars Jesper Grönkjaer und Martin Jörgensen erklärten direkt nach der Niederlage ihren Abschied.

Andere Routiniers wie Angreifer Jon Dahl Tomasson (34), der nach 1116 Minuten seine Torflaute beendete, sowie der Torhüter Thomas Sörensen (34) und der Außenstürmer Dennis Rommedahl (31) wollen weitermachen.

Die Zukunft aber sind Spieler wie Nicklas Bendtner und Christian Eriksen.

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