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Kapitän Fabio Cannavaro holte 2006 mit Italien den Weltmeistertitel © getty

Nach dem Remis im Auftaktspiel finden Trainer und Spieler des Weltmeisters mehr Defizite bei Gegner Paraguay als bei sich selbst.

Von Mathias Frohnapfel

München/Kapstadt - Die Welt ist ungerecht, fand Marcello Lippi.

"Sie haben bei ihrem einzigen Angriff getroffen", schimpfte Italiens Nationaltrainer nach dem 1:1 gegen Paraguay (Der WM-Spielplan).

"Wir hätten einen Sieg absolut verdient gehabt", meinte Lippi trotz einer durchaus ernüchternden Leistung seiner Azzurri im WM-Auftaktspiel.

Ohne den verletzten Mittelfeldgestalter Andrea Pirlo bestand das Spiel des Weltmeisters lange Zeit vor allem aus hohen Flanken, erst die Führung Paraguays rüttelte die Italiener wach.

Lippi zufrieden

"Wir müssen solche Partien gewinnen und uns im Abschluss verbessern", forderte Lippi nach dem Match in Kapstadt.

Gänzlich unzufrieden wirkte der italienische Cheftrainer dennoch nicht, schließlich hatte sich aus seiner Sicht die "Nazionale" in punkto Spielaufbau und Athletik gesteigert.

"Außerdem war der Platz durch den Regen rutschig", ergänzte er.

Seinem Team bescheinigte er eine "gute Partie", Paraguay hätte fast nur verteidigt.

Paraguays Coach: "Es war viel Aufregung dabei"

Paraguays Trainer Gerardo Martino hielt dem entgegen: "Man muss sich die spielerische Qualität der gegnerischen Mannschaft vor Augen führen."

Und er fügte an: "Im ersten Spiel bei einer WM ist viel Aufregung dabei, viel Druck und viel Nervosität im Spiel. Das Ergebnis ist für uns in Ordnung."

Doch auch Italiens Mittelfeldmann Daniel de Rossi erkannte eine klare Überlegenheit seines Teams und warf dem Gegner Passivität vor:

"Wir hatten fast immer den Ball, aber es ist eben nicht leicht gegen Teams, die nur davon träumen den Weltmeister zu schlagen."

"Vor der Tür warten zwei Siege auf uns"

Der Profi des AS Rom sah bei der Führung von Antolin Alcazar nur zu und räumte diesen Fehler nachträglich ein. "Ich habe es aber wiedergutgemacht", meinte de Rossi, dem der Ausgleich gelang.

Und selbstbewusst fügte er mit Blick auf die kommenden Begegnungen gegen Neuseeland und die Slowakei hinzu: "Vor der Tür warten zwei Siege auf uns." (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Dabei hoffen die Italiener auch auf die Rückkehr von Gianluigi Buffon.

Buffon angeschlagen

Der viermalige Welttorhüter wurde im Paraguay-Spiel in der Halbzeit wegen Ischiasbeschwerden ausgetauscht. Federico Marchetti (Cagliari) ersetzte Buffon.

"Ich hoffe, in zwei Tagen wieder fit zu sein", sagte Italiens Keeper am späten Montagabend. Es sei allerdings unmöglich vorauszusagen, wann der Nationaltorwart wieder fit sei, hieß es in einer Mitteilung des WM-Titelverteidigers am Dienstag.

Die Schmerzen hatte er bereits beim Aufwärmen vor der Partie in Kapstadt gespürt. "Ich dachte erst, es sei etwas Schlimmeres, aber es war wohl nur der Ischiasnerv", meinte Buffon.

Pirlo wohl fit

Bis zum zweiten Gruppenspiel am Sonntag gegen Neuseeland will auch Kapitän Pirlo wieder fit sein.

Er ist einer von neun Spielern aus dem Weltmeisterteam von 2006, die Lippi quasi in Nibelungentreue auch 2010 in den WM-Kader berufen hat (Die WM-Kader im Überblick).

Ist das neugebildete Team genauso hungrig ist wie die Elf von vor vier Jahren? Diese Frage wird Italien durch das komplette Turnier begleiten.

Und die Skeptiker werden nach dem insgesamt mauen Auftakt nicht weniger werden.

Cabrini ist gespannt

Lippi ist jetzt als Heißmacher gefragt. "Es ist eine seiner Stärken, dass er das Team motivieren kann. Das hat er immer gekonnt und damit große Ergebnisse erzielt", sagte Antonio Cabrini bereits vor dem Turnier zu SPORT1.

Der Weltmeister von 1982 wartet jetzt genauso wie die italienische Öffentlichkeit gespannt darauf, ob der Ex-Trainer von Juventus Turin diesen Ruf bestätigen kann.

Lippi unternahm nach der Paraguay-Partie alles dafür zu zeigen, wie sehr er an seiner neuen Mannschaft hängt.

"Was für ein Mist"

"Italien ist mit dem Herz, dem Kopf und den Beinen bei der Sache", sagte er voller Pathos. "Vielleicht haben jetzt auch die anderen verstanden, dass wir da sind."

Nur in einem Moment der Pressekonferenz holten Lippi wieder die Debatten aus der Heimat ein.

Radio Padania, das von der separatistischen Partei Lega Nord betrieben wird, kommentierte die erste WM-Begegnung der Italiener auf eigene Weise:

Der Sender schlug sich klar auf die Seite Paraguays.

"Was für ein Mist. Das interessiert mich nicht", antwortete Lippi darauf angesprochen. Noch eine Ungerechtigkeit, die Italiens Coach übel aufstößt.

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