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Antonio Conte wurde als Spieler mit Italien Vizewelt- und -europameister © getty

Juve-Legende Antonio Conte glaubt trotz aller Schwierigkeiten an Italiens Team. Bei SPORT1 erklärt er die Gründe.

Von Mathias Frohnapfel

München - Vom Stolz eines Weltmeisters ist derzeit in Italiens Nationalteam wenig zu spüren. Zu dürftig waren die Vorstellungen gegen Paraguay und Neuseeland. Sowohl gegen die Südamerikaner als auch den Weltranglisten 78. gab es ein mageres 1:1.

Entsprechend skeptisch geben sich die Italiener vorm Gruppenfinale gegen die Slowakei (Do., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER), das unbedingt gewonnen werden muss, damit der Achtelfinaleinzug sicher klappt (SERVICE: Der WM-Tabellenrechner)

Stürmer Vincenzo Iaquinta spricht von der "Angst auszuscheiden", sein Teamkollege Claudio Marchisio befürchtet "subito nach Hause" geschickt zu werden.

Antonio Conte bleibt dennoch zuversichtlich, auch weil er um den beinahe schon typischen italienischen Stotterstart in eine WM weiß.

Im SPORT1-Interview spricht der Vizeweltmeister von 1994 und frühere Juve-Kapitän über die Suche der Squadra Azzurra nach einem treffsicheren Stürmer und die Hoffnung auf bessere Möglichkeiten im Spiel gegen die Slowakei.(DATENCENTER: Die Gruppe F)

Aktuell arbeitet Conte als Trainer des Serie-A-Absteigers Siena.

SPORT1: Herr Conte, Italien hat in der Offensive bisher massive Probleme. Warum schaffen es die Azzurri während dieser WM nicht, mit dem Mittelfeld den Gegner ausreichend unter Druck zu setzen?

Antonio Conte: Natürlich spielt die Abwesenheit von Andrea Pirlo eine große Rolle, auch wenn Riccardo Montolivo gut gespielt hat. Es fehlen einfach Leute, die im Eins-gegen-Eins stark sind, mal einen Gegner ausspielen können.

SPORT1: Früher hatte Italien immer Stürmer, die kaltschnäuzig ihre Treffer gemacht haben. Aktuell scheint solch ein Typ nicht da zu sein.

Conte: Iaquinta und Gilardino nehmen viel am Spiel teil, arbeiten als Stürmer eine Menge, doch im Moment haben sie keine besonders gute Phase. Ich wünsche mir aber, dass Italien sich noch steigert. Das war ja schon bei einigen Turnieren so, dass die Mannschaft erst nach und nach gewachsen ist.

SPORT1: Wie sehr schmerzt eigentlich noch das Remis gegen den Underdog Neuseeland?

Conte: Es war für Italien gegen Neuseeland bestimmt keine leichte Aufgabe, vor allem wenn du schon nach fünf Minuten hinten liegst. Und Neuseeland hat seinerseits auch sehr wenig in der Offensive investiert. Allerdings hätte auch Italien etwas mehr machen können, die technischen Unterschiede sind ja vorhanden.

SPORT1: Jetzt muss gegen die Slowakei ein Sieg her, um sicher ins Achtelfinale einzuziehen. Droht dem Weltmeister das Ausscheiden?

Conte: Ich sehe die Situation nicht so dramatisch wie Sie. Unter Umständen kann ja Italien auch ein Remis reichen. Ich denke nicht, dass Neuseeland gegen Paraguay gewinnt. Außerdem wird die Slowakei angreifen müssen, da sie sonst draußen sind, das öffnet Italien Räume.

SPORT1: Fehlt aus Ihrer Sicht nicht der Biss, der Italien 2006 bis zum Titel geführt hat?

Conte: Ich sehe das nicht so. Die Spieler können sich nichts vorwerfen, was ihren Einsatz anbetrifft.

SPORT1: Mangelt es dem Team - auch nach dem Ausfall von Torhüter Gianluigi Buffon ? also eher an einem Leader?

Conte: Montolivo macht das schon ganz gut. Insgesamt haben ja alle großen Teams bei dieser WM Probleme, wenn man mal von Argentinien und Brasilien absieht. England ist zum Beispiel kaum wiederzuerkennen.

SPORT1: In Italiens Kader stehen sechs Spieler von Juventus, die eine sehr mäßige Saison hinter sich haben. Beeinflusst die Spieler das nicht?

Conte: Ich denke, dass Verein und Nationalmannschaft zwei verschiedene paar Schuhe sind. Sobald man in der Nationalmannschaft ist, spielen die anderen Dinge keine Rolle mehr. Ich bin im Jahr 2000 zur EM gefahren, nachdem wir mit Juve die Meisterschaft am letzten Spieltag hergegeben haben, und wir sind bei der EM bis ins Finale gekommen.

SPORT1: Kann Trainer Marcello Lippi das Ruder noch einmal rumreißen?

Conte: Ich schätze Lippi, er schafft es gewöhnlich, ein gutes Gruppengefühl herzustellen. Wenn Italien weiterkommt, wird die Mannschaft ein sehr schwerer Gegner für alle Teams sein.

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