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Fabio Cannavaro (M.) führte Italien 2006 als Kapitän zum WM-Titel © getty

Nach dem blamablen WM-Aus geht Italiens Presse auf den gestürzten Titelverteidiger los. Die Slowakei kann ihr Glück kaum fassen.

Johannesburg - Als das größte WM-Desaster in Italiens Fußball-Geschichte perfekt war, verschwand Trainer Marcello Lippi mit hängendem Kopf direkt in die Kabine.

Seine Spieler versanken noch auf dem Platz förmlich in einem Meer von Tränen:

Italien ist bei der WM in Südafrika nach einem blamablen 2:3 (0:1) gegen die Slowakei zum zweiten Mal - nach 1950 - als Titelverteidiger nach der Gruppenphase ausgeschieden. Gleiches war bisher nur Brasilien 1966 und Frankreich 2002 passiert.

Neben der Chaos-Truppe aus Frankreich ist die "Squadra Azzurra" damit die größte Lachnummer dieses Turniers. (Der WM-Spielplan)

Lippi übernimmt die Verantwortung

"Ich übernehme die volle Verantwortung. Offensichtlich habe ich die Mannschaft nicht gut genug trainiert", sagte Lippi nach seinem letzten Spiel als Trainer der Italiener:

"Wir müssen nach Hause fahren. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Das ist sehr traurig, sehr bitter. Aber wir müssen das vorzeitige Aus jetzt akzeptieren."

"Italien war noch nie so katastrophal"

In der Akzeptanzphase sind die heimischen Medien allerdings noch nicht angekommen. Unmittelbar nach Spielschluss rechneten die großen italienischen Sportzeitungen in ihren Online-Ausgaben mit der "Squadra Azzurra" ab.

"Eine katastrophale Leistung der Mannschaft Lippis", hatte die "Gazzetta dello Sport" gesehen und schlussfolgerte, dass das Team "den Einzug ins Achtelfinale keinesfalls verdient gehabt hätte".

Einen klaren Verantwortlichen hatte "Tuttosport" ausgemacht: "Es ist alles Lippis Schuld, der alte und müde Spieler ohne Motivation eingesetzt hat. Für Italien ist es eine furchtbare Blamage", schrieb das Blatt und behauptete: "Italien war noch nie so katastrophal."

Abgang der alten Garde

Der viermalige Champion blieb bei der 17. WM-Teilnahme erstmals ohne Sieg und schied auch noch als Tabellenletzter der Gruppe F aus. "Eine Schande!", schrieb der "Corriere dello Sport".

Auf Lippi-Nachfolger Cesare Prandelli wartet mit Blick auf die EURO 2012 in Polen und der Ukraine nun reichlich Aufbauarbeit.

Verzichten muss der neue Nationaltrainer dabei auf Kapitän Fabio Cannavaro und Gennaro Gattuso, die bereits vor dem WM-Aus ihren Rücktritt angekündigt hatten.

Slowaken müssen Flug umbuchen

Die willensstarken Slowaken erreichten als WM-Debütant nach großem Kampf erstmals das Achtelfinale. "Nach der Geburt meines Sohnes ist das der beste Tag in meinem Leben. Das ist so unglaublich", sagte Trainer Vladimir Weiss.

Der Ex-Nürnberger und Matchwinner Robert Vittek erklärte: "Das ist unfassbar für die Slowakei. Wir hatten unseren Rückflug von der WM eigentlich für Samstag gebucht. Jetzt müssen wir umbuchen."

Vittek trifft doppelt

Ankaragücü-Angreifer Vittek brachte die Osteuropäer vor 53.412 Zuschauern im Ellis Park in Johannesburg mit einem Doppelpack (25. /73.) auf die Siegerstraße. Kamil Kopunek (89.) hatte acht Minuten nach dem zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer durch Antonio Di Natale das 3:1 erzielt.

Der zweite Treffer der Italiener durch Fabio Quagliarella (90.+2) sorgte zwar noch einmal für Spannung, zum Ausgleich reichte es für die Azzurri am Ende aber nicht mehr.

Schiedsrichter verweigert Ausgleich Anerkennung

Italiens Quagliarella heulte anschließend wie ein Schlosshund und musste von Cannavaro getröstet werden. "Unglücksrabe" Quagliarella war in der 85. Minute der Treffer zum vermeintlichen 2:2 aberkannt worden, Webb entschied zu Unrecht auf Abseits.

Ein glückliches Weiterkommen hätte die traurige Wahrheit für Italien aber wohl ohnehin nur verschoben:

Der Glanz des Weltmeisters von 2006 ist endgültig verblasst.

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