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Marcelo Lippi war zuletzt Coach bei Guangzhou Evergrande in China
Marcello Lippi blieb mit Italien bei der WM sieglos © getty

Ex-Trainer Lippi soll finanziell bluten, Alt-Star Cannavaro greift die Klubs an und der Verbandsboss steht unter Beschuss.

Rom - "Schande, Schande", schallte es den blamierten und entthronten italienischen Weltmeistern nach ihrer Landung auf dem römischen Flughafen Fiumicino entgegen.

Und die Stars der Squadra Azzurra gaben sich auch noch mimosenhaft und beschwerten sich über die Berichterstattung, als sie nach dem WM-Desaster in Südafrika in der Heimat die Gazetten aufschlugen.

Die Medien überzogen die überalterte und saturierte "Squadra Azzurra" mit Hohn und Spott.

Elf blaue Särge

Die Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" hatte nach der 2:3-Pleite gegen die Slowakei, die das i-Tüpfelchen auf der peinlichen Vorstellung der erfolgsverwöhnten Italiener am Kap bedeutete, allerdings wirklich die Grenze des guten Geschmacks überschritten.

Die Gazette druckte nach dem ersten WM-Aus für den viermaligen Weltmeister ohne Sieg eine Karikatur mit elf blauen Särgen.

Das WM-Desaster in Südafrika hat auch die italienische Politik in Aufruhr versetzt. Italiens Europaminister Andrea Ronchi forderte den Rücktritt des Verbandspräsidenten Giancarlo Abete.

"Invasion ausländischer Spieler"

"Vom ethischen Standpunkt wäre es Abetes Pflicht, zurückzutreten. Er verhält sich aber wie ein Politiker zweiter Klasse, der seine Schuld zugibt, aber am Sessel kleben bleibt. Der Fußballverband muss seine Fehler in Bezug auf die Invasion ausländischer Spieler schlechter Qualität in Italien einsehen", sagte Ronchi.

Abete, seit 2007 im Amt, denkt aber nicht daran, seinen Posten aufzugeben. Ronchis Regierungskollege, Minister Roberto Calderoli, forderte den scheidenden Nationalcoach Marcello Lippi auf, auf sein Trainergehalt zu verzichten. (Der WM-Spielplan)

"Lippi hat die volle Verantwortung für die peinlichen Leistungen der Azzurri in Südafrika übernommen, daher sollte er auch auf sein Geld verzichten", sagte Calderoli.

Buffon macht sich Sorgen

Schwarz sieht Italiens Star-Torwart Gianluigi Buffon, der nach dem Abschied von Fabio Cannavaro wohl zum Kapitän aufrücken wird.

"In der heutigen Lage wäre es ein Wunder, wenn wir die Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 schaffen würden", sagte der 32-Jährige von Juventus Turin, der sich wegen eines Bandscheibenvorfalls in den nächsten Tagen operieren lassen wird.

Der neue italienische Chefcoach Cesare Prandelli wird am kommenden Donnerstag vorgestellt.

"Er wird auf neue Spieler setzen müssen, darunter Mario Balotelli von Inter Mailand und Antonio Cassano von Sampdoria Genua, die Lippi vom Kader ausgeschlossen hatte, weil sie in ihren Klubs Probleme mit Trainern und Teamkollegen hatten", sagte der Vizepräsident des italienischen Verbandes, Demetrio Albertini.

Prandelli soll es richten

Verbands-Präsident Abete versuchte, den Blick nach vorne zu richten.

"Prandelli ist ein korrekter Coach. Wir haben ihn wegen seiner Fähigkeiten und seines Talents gewählt, mit jungen Spielern zusammenzuarbeiten. Er wird einen Vierjahresvertrag unterzeichnen", sagte Abete.

Prandelli muss eine neue Mannschaft aufbauen, nachdem die "Squadra Azzurra" in Südafrika deutlich über ihren Zenit hinaus war.

Coach Lippi hatte immer noch auf die Recken von 2006 gebaut und damit Schiffbruch erlitten.

Cannavaro gibt Klubs die Schuld

"Man muss das Blatt wenden, und der einzige Weg ist, jungen Spielern Platz zu machen. Die Klubs müssen begreifen, dass diese Niederlage auch ihre Schuld ist. Wir haben die Champions League gewonnen, aber ohne italienische Spieler", sagte Innenverteidiger Cannavaro, bei der WM ein Schatten seiner selbst.

Allerdings machte er den Tifosi nicht viel Hoffnung: "Besondere Talente gibt es zurzeit in Italien nicht. Ich sehe keinen neuen Totti oder Del Piero."

Die "Gazzetta dello Sport" warnte vor den schweren finanziellen Auswirkungen des vorzeitigen WM-K.o. für den italienischen Fußball. Man müsse mit fehlenden Einnahmen von 20 Millionen Euro rechnen, was hauptsächlich auf rückläufige Sponsorenverträge zurückzuführen sei.

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