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Luis Fabiano, Schütze des 1:0, spielt seit 2005 beim FC Sevilla © getty

Brasilien erreicht mit einer turbulenten Partie gegen die Elfenbeinküste die K.o.-Runde. Superstar Kaka fliegt vom Platz.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg - Brasilien steht vorzeitig im Achtelfinale. Doch der verdiente 3:1 (1:0)-Erfolg gegen die Elfenbeinküste in Johannesburg, der den Südamerikanern einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe G garantiert, hatte einen schalen Beigeschmack 252216(DIASHOW: Bilder des Spieltags).

Zum einen nahm Luis Fabiano, der schon das erste Tor erzielt hatte (25.), vor dem 2:0 den Arm zur Hilfe (50.). Dann sah Brasiliens Spielmacher Kaka nach dem dritten Treffer seiner Mannschaft durch Elano (62.) und dem ivorischen Ehrentreffer Didier Drogbas (79.) in einer hektischen Schlussphase die gelb-rote Karte (88.).

Vor 84.455 Zuschauern in Soccer City hatte Brasiliens Trainer Dunga exakt die Formation aufgeboten, die zum Auftakt Nordkorea mit 2:1 bezwungen hatte.

Sven-Göran Eriksson dagegen brachte auf Seiten der Elfenbeinküste seinen Topstar Drogba erstmals nach dessen Armbruch von Beginn an. Der Angreifer des FC Chelsea spielte mit einer Spezialmanschette. Für ihn flog Gervinho aus der ersten Elf (Der WM-Spielplan).

Viele Fehlpässe

Die Partie ließ sich gut an. Schon in der ersten Minute zog Robinho mit dem Ball auf und davon. Doch statt den mitgelaufenen Luis Fabiano anzuspielen, schoss Robinho aus 23 Metern knapp übers Tor.

Beide Mannschaften hatten anschließend aber Probleme, ins Spiel zu finden. Viele Fehlabspiele ließen keinen rechten Spielfluss aufkommen.

So entsprang die erste gefährliche Szene der Ivorer folgerichtig einer Standardsituation. Einen vom linken Flügel scharf aufs Tor gezogenen Freistoß von Emmanuel Eboue klärten Torhüter Julio Cesar, Maicon und Gilberto Silva mit vereinten Kräften (15.).

Brasiliens Spielmacher Kaka, im 4-4-1-1 als Spitze der Mittelfeldraute aufgeboten, sah zunächst gegen Yaya Toure keinen Stich (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Yaya Toure mit Spezialauftrag

Der defensive Mittelfeldmann vom FC Barcelona kümmerte sich um Kaka, wenn die Elfenbeinküste in der Rückwärtsbewegung von einem 4-1-2-3 zu einem 4-1-4-1 umschaltete.

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Ein einziges Mal hatte Toure seinen Gegenspieler in der ersten Halbzeit nicht im Blick. Das reichte Kaka, um den tödlichen Pass zum 1:0 zu spielen.

Halbrechts schickte er Luis Fabiano steil in den Strafraum. Die Grätsche von Kolo Toure ging ins Leere. Luis Fabiano drosch den Ball mit solcher Wucht unter die Latte, dass Torhüter Boubacar Barry chancenlos war, obwohl er im kurzen Eck stand (25.).

"Heilige Hand Gottes"

Die Afrikaner hatten an diesem Rückstand länger zu knabbern. Bis zum Seitenwechsel sorgte nur Aruna Dindane noch einmal für einen Hauch von Torgefahr. Sein Aufsetzer aus 22 Metern wurde aber eine sichere Beute von Cesar (38.).

Nach dem Seitenwechsel verpassten die Brasilianer der Elfenbeinküste bald den nächsten Nackenschlag. Luis Fabiano setzte zu einem Solo an, umspielte Kolo Toure, Didier Zokora und Siaka Tiene in spektakulärer Manier, ehe er aus zehn Metern mit links zum 2:0 vollstreckte (50.).

Kleiner, aber entscheidender Schönheitsfehler: Der Torschütze nahm bei seinem Alleingang den Arm zur Hilfe. Auf Anfrage von Schiedsrichter Stepane Lannoy aus Frankreich verneinte er allerdings, dass das Tor irregulär war.

"Es war vielleicht die heilige Hand Gottes im Spiel", erklärte der Stürmer später den Medien gegenüber: "Es war wirklich keine Absicht, der Ball kommt mir an den Arm, was soll ich machen?"

Der gegnerische Coach Sven-Göran Eriksson ärgerte sich: "Da hatte der Schiedsrichter die Augen zu. Das hätte nicht zählen dürfen."

Drogba verpasst das 1:2

Die Ivorer waren fast im Gegenzug nah dran am Anschlusstreffer. Doch Drogba setzte einen Kopfball aus sieben Metern rechts am Tor vorbei (54.).

Stattdessen legte Elano das 3:0 nach. Kaka, der sich nun immer wieder geschickt Yaya Toures Zugriff entzog, ließ am linken Flügel Kolo Toure stehen und passte in die Mitte. Dort schaltete Elano schneller als Tiene und schob ein (62.).

Der Torschütze von Galatasaray Istanbul durfte sich nicht lange darüber freuen. Nur fünf Minuten später musste er von Betreuern gestützt den Platz verlassen. Cheik Tiote war überhart eingestiegen (Die WM-Kader im Überblick).

Schwere Schienbeinprellung lautete die erste Diagnose.

Ein weiteres übles Foul leistete sich der eingewechselte Abdulkader Keita gegen Michael Bastos.

Romaric prüft Cesar

Die Elfenbeinküste gab sich trotz des deutlichen Rückstands noch nicht geschlagen. Zunächst brachte der eingewechselte Romaric Cesar mit einem Distanzschuss in Nöte (73.).

Dann machte Drogba doch noch sein Tor. Eine gefühlvolle Flanke von Yaya Toure verlängerte er mit dem Kopf aus acht Metern zum 3:1 in die Maschen (79.).

In der Schlussphase wurde es hektisch. Die Ruppigkeiten fanden ihren Höhepunkt in der gelb-roten Karte für Kaka, der - gerade verwarnt - den eingewechselten Kader Keita auflaufen ließ (88.). Am Ergebnis ändert sich jedoch nichts mehr.

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