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Erschreckende Szene: Der Ivorer Ismael Tiote foult den Brasilianer Elano hart © getty

Nach dem Erfolg der Selecao gegen die Elfenbeinküste beklagen sich die Trainer über den Referee. Bei Elano gibt es Entwarnung.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg - Er hatte Schiedsrichter Stephane Lannoy belogen.

Doch Brasiliens Angreifer verspürte nach dem 3:1-Erfolg seiner Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste und dem vorzeitigen Achtelfinaleinzug der Selecao nicht die Spur eines schlechten Gewissens 252216(DIASHOW: Bilder des Spieltags).

"Es stimmt schon, ich habe den Ball erst mit der Hand und dann mit der Schulter berührt", sagte der "Man of the Match" nach der Partie über seinen spektakulären, aber eben irregulären Treffer zum 2:0 (50.). (Der WM-Spielplan)

"Kann schon sein, dass das die Hand Gottes war. Aber ich habe es nicht absichtlich getan. Es war eines der schönsten Tore meiner Karriere."

Ein Lupfer über Kolo Toure, ein Haken um Didier Sokora und ein zweiter Lupfer über Siaka Tiene, dann ein unhaltbarer Linksschuss - der Treffer machte durchaus etwas her.

Glatte Lüge

Doch als Lannoy unmittelbar nach der Szene bei Fabiano nachfragte, behauptete der Angreifer vom FC Sevilla, er habe den Ball nicht mit der Hand, sondern der Brust gespielt.

Die Erkenntnis ist nicht neu, wird aber eben immer wieder belegt: Je mehr auf dem Spiel steht, desto weniger zählt Fair Play, das eigentlich die Grundlage des Sports sein sollte.

Wenig verlockende Alternative

Hätte Fabiano, der in der ersten Hälfte schon das 1:0 markiert hatte (26.), Lannoy sein Handspiel gestanden, wäre er wohl von Teamkollegen und heimischen Journalisten an den Pranger gestellt worden (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Es war im Johannesburger Soccer-City-Stadion keineswegs so, dass nur Fabiano den Fairnessgedanken hintangestellt hatte.

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Denn nach dem 3:0 durch Elano (62.) leisteten sich die Spieler der Elfenbeinküste einige rüde Tritte.

Elano übel getroffen

So musste Elano nach einem Einschreiten von Ismael Tiote vom Platz geführt werden (67.), dann litt Michael Bastos, als ihn der eingewechselte Kader Keita malträtierte (83.).

Beide Ivorer waren ihren Kontrahenten mit gestrecktem Bein und der Sohle voran auf das Schienbein gestiegen. Tiote hatte dafür nicht einmal Gelb gesehen.

"Es hat in diesem Spiel sehr viele Fouls gegeben", meinte Brasiliens Nationaltrainer Dunga.

"Wir alle, die wir schönen Fußball lieben, wünschen uns, dass dieser tolle Sport in kontrollierten Bahnen abläuft. Aber wenn der Schiedsrichter wie heute gewisse Fouls oder Nickeligkeiten durchgehen lässt, ist das nicht in Ordnung."

Immerhin: Elano brach sich nicht das Bein, sondern leidet "nur" an einer sehr schweren Prellung, so die Diagnose.

Am meisten erregte sich Dunga über die Gelb-Rote Karte für Kaka. Der Madrilene, der mit den Vorlagen zum ersten und dritten Treffer gerade ansteigende Form demonstriert hatte, musste auch dank der schauspielerischen Fähigkeiten Keitas vom Platz (88.).

Aus Kakas leichtem Schubser machte der Angreifer von Galatasaray einen schweren (84.).

Kurz darauf lief er gegen die Schulter des Brasilianers, wälzte sich dann am Boden und provozierte damit die zweite Verwarnung für Kaka.

"Kaka ist gefoult worden und erhält die Gelbe Karte", entrüstete sich Dunga. "Das heißt also, dass derjenige, der das Foul verübt, ungestraft davon kommt. Er kann es also vorsätzlich begehen. Da muss man Keita ja fast noch zu seiner gelungenen Aktion gratulieren."

Eriksson hält dagegen

Sven-Göran Eriksson, der nur den Ehrentreffer seine Mannschaft durch einen Kopfball Didier Drogbas (79.) bejubeln durfte, sah die Angelegenheit aus einer anderen Perspektive.

"Ich denke nicht, dass die Brasilianer einen Grund haben, sich zu beklagen", meinte der schwedische Nationalcoach der Ivorer.

"Sie haben das 2:0, das niemals hätte zählen dürfen, geschenkt bekommen. Es war ja nicht nur einmal Hand, sondern gleich doppelt."

Luis Fabiano sei ohnehin schon schwer zu stoppen. "Wenn er aber auch noch die Hände zur Hilfe nehmen darf", ergänzte Eriksson, "ist es fast unmöglich."

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