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Wieder nichts: Portugals Abwehr hat in den letzten 26 Spielen 23-mal zu Null gespielt © getty

Das heiß ersehnte Spiel zwischen Brasilien und Portugal war eine große Enttäuschung. Zwei Wolfsburger freuen sich trotzdem.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Durban - Alles war angerichtet für ein großes Fußballfest:

Sonnenschein, leicht bekleidete Fans, mitreißende Stimmung vor dem Anpfiff im Moses-Mabhida-Stadion gleich neben dem Indischen Ozean.

Doch am Ende wurde es nur ein müder Kick.

Dem Spiel zwischen Brasilien und Portugal hatten Fans und Fachleute entgegengefiebert - sie alle wurden enttäuscht.

Das 0:0 zwischen dem Rekordweltmeister und dem ewigen Geheimfavoriten brachte zwar Brasilien den Gruppensieg und Portugal den Einzug ins Achtelfinale und somit zwei Gewinner, doch die Verlierer waren die Fans im Stadion und die etlichen Millionen TV-Zuschauer in aller Welt.

"Beide Mannschaften haben defensiv gespielt waren darauf aus, den Ball in den eigenen Reihen zu halten", analysierte Brasiliens Kapitän Lucio die von ruppigen Zweikämpfen geprägte und niveauarme Partie. (Der WM-Spielplan)

"Aber ich bin zufrieden, denn wir haben uns den ersten Platz gesichert", ergänzte der ehemalige Bayern-Profi, der mit Inter Mailand die Champions League gewann.

"Keiner wollte einen Fehler machen"

"Brasilien und Portugal sind zwei sehr gute Mannschaften. Keiner wollte einen Fehler machen, denn in diesem Turnier bist du mit einem Fehler draußen", erklärte Portugals Hugo Almeida die Strategie beider Teams.

Als Gruppensieger trifft Brasilien nun auf Chile, das trotz einer 1:2-Niederlage gegen Spanien als Zweiter der Gruppe H das Achtelfinale erreichte.

Portugal trifft in der Runde der Letzten 16 auf Spanien. "Natürlich würden wir lieber gegen Chile oder die Schweiz spielen", sagte Almeida im Gespräch mit SPORT1.

Queiroz: Stärke ist die Defensive

"Aber wir sind im Achtelfinale, das ist das Wichtigste. Jetzt sind wir glücklich", meinte der Stürmer von Werder Bremen, der die Partie trotz seines Treffers beim 7:0 gegen Nordkorea nur von der Ersatzbank aus erlebte.

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Portugals Trainer Carlos Queiroz hatte seine Mannschaft eben nicht aufs Tore schießen, sondern eher auf das Verhindern von Gegentreffern ausgerichtet.

"Gegen eine Mannschaft wie Brasilien mit fantastischen Spielern muss man seine Stärken zur Geltung bringen. Und das ist bei uns die Defensive", betonte Queiroz.

Dunga "ist nicht glücklich"

"Portugal hat hinten drin gestanden und auf Konter gehofft", sagte Brasiliens Torhüter Julio Cesar, der allerdings einen entspannten Nachmittag verbrachte.

Sein Gegenüber Eduardo lenkte einen Schuss von Nilmar an den Pfosten, einanderes Mal hatte er Glück, dass Luis Fabiano einen Kopfball knapp neben das Tor setzte.

"Wir haben angegriffen, Portugal wollte nicht und hat verteidigt", meinte Brasiliens Coach Carlos Dunga, der dem 0:0 nichts abgewinnen konnte. "Wir sind nicht glücklich, den wir wollen immer gewinnen", sagte der Weltmeister von 1994.

Erster WM-Einsatz für Josue und Grafite

Glücklich waren auf Seiten der Brasilianer aber die beiden Wolfsburger Profis Josue und Grafite.

Josue ersetzte ab der 43.Minute Felipe Melo, der sich am Sprunggelenk verletzte, Grafite kam ab der 85. Minute ebenfalls zu seinem ersten WM-Einsatz für die "Selecao".

"Ich bin stolz darauf", meinte Grafite nach seinem Kurzeinsatz zu SPORT1. "Bei einer WM zu spielen, ist für jeden Spieler etwas Besonderes und für mich ein wichtiger Schritt in meiner Karriere."

Josue war "sehr zufrieden" und freute sich ebenso wie Grafite über den Gruppensieg.

Lucio fordert Konzentration

Im Achtelfinale wartet nun Chile, das nach zwei Siegen gegen Honduras und die Schweiz von Spanien seine Grenzen aufgezeigt bekam.

Unterschätzen werden die Brasilianer, die in der WM-Qualifikation vor Chile den ersten Platz belegten, den Gegner aber nicht. "Wichtig ist, dass wir konzentriert bleiben", forderte Lucio.

Die Portugiesen gehen trotz ihrer mäßigen Vorstellung optimistisch in ihr Achtelfinale gegen Spanien. "Wir sind voller Selbstvertrauen", tönte Cristiano Ronaldo, der gegen Brasilien wie der Rest seiner Mannschaft zumeist unauffällig blieb.

Portugal mit starker Defensive

Die Zuversicht wird der Portugiesen wird auch durch eine eindrucksvolle Bilanz genährt. In ihren vergangenen 26 Spielen blieben sie stolze 23 Mal ohne Gegentreffer.

"Statistik hat keine Bedeutung", warnte Trainer Queiroz, "wir können uns in der Runde der letzten 16 nicht auf unseren Ruf verlassen."

Ihrem Ruf wurden in Durban beide nicht gerecht. Lucios Forderung für das Achtelfinale traf deshalb auf Brasilianer und Portugiesen zu: "In einem K.o.-Spiel muss man auch Tore machen, das ist klar."

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