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Didier Drogba gewann mit dem FC Chelsea in dieser Saison Meisterschaft und FA-Cup © getty

Der Star der Elfenbeinküste gönnt sich nach dem Ausscheiden eine Ehrenrunde. Demel hofft auf die nächste "goldene Generation".

Nelspruit - Didier Drogba ließ sich feiern, als habe er gerade den Titel gewonnen.

Dabei war es nur sein vielleicht letztes Spiel bei einer Weltmeisterschaft.

Die Elfenbeinküste war wie bei ihrem Debüt vor vier Jahren in Deutschland vorzeitig gescheitert, doch einer der größten Spieler, die Afrika je hervorgebracht hat, kostete seine Ehrenrunde nach dem nutzlosen 3:0 (2:0) gegen Nordkorea bis zum Äußersten aus - trotz des Ärgers über eine "unfaire Auslosung".

Abgekämpft und nur noch in Hose und Stutzen bekleidet, ließ Drogba noch einen letzten, langen Blick durch die schon fast leere Arena schweifen, dann stapfte er weit nach seinen Mitspielern in die Kabine.

Drogba ohne Glanz

Auf der Tribüne führten die beiden Zuschauer, die kurz zuvor die Schuhe des Ivorers aufgefangen hatten, derweil ein afrikanisches Tänzchen auf, als gehörten die Treter einem Heiligen.

Auch der ersten WM in Afrika hat Superstar Drogba nicht seinen Stempel aufdrücken können.

Dennoch war er eine Bereicherung: Trotz einer Spezialmanschette, die ihm nach einem Knochenbruch nahe des Ellbogens angelegt worden war, erzielte der Torschützenkönig der englischen Premier League ein Tor, stellte sich beim Sieg gegen Nordkorea in den Dienst der Mannschaft und verbreitete mit seiner Ein-Mann-Show nach dem Schlusspfiff wenigstens noch etwas Glanz.

Unfaire Gruppenauslosung

"Ich bin zwar enttäuscht, dass wir ausgeschieden sind", sagte Drogba und ergänzte frustriert: "Wir hatten den Ersten und Dritten der Weltrangliste in der Gruppe. Das war nicht fair. Aber ich bin auch stolz auf das, was wir geleistet haben".

Ob er die WM 2014 noch einmal in Angriff nehmen will, hat der Angreifer des FC Chelsea noch nicht entschieden.

"Das muss ich mir noch in Ruhe durch den Kopf gehen lassen", sagte er.

"Der Kerl ist unheimlich fit"

In vier Jahren in Brasilien wäre Drogba 36 Jahren alt.

Doch erstens "ist der Kerl unheimlich fit", wie Teamkollege Guy Demel vom Hamburger SV versicherte.

Und zweitens will Drogba vielleicht noch einmal wissen, wie weit er mit seinen Elefanten ohne Lospech und "Todesgruppe" kommen kann. (Der WM-Spielplan)

"Wenn wir einer anderen Gruppe gewesen wäre, hätten wir weiterkommen können", sagte er vorsichtig.

Nutzloser Sieg im entscheidenden Spiel

Wie bei der WM-Premiere 2006 in Deutschland, als die Gegner Argentinien, Niederlande und Serbien/Montenegro hießen, erwischten die Ivorer die augenscheinlich schwerste Vorrundengruppe.

Und wieder war ihr Sieg im abschließenden Spiel nutzlos, weil zeitgleich die beiden anderen Mannschaften unentschieden spielten.

Doch um Portugal einholen zu können, hätte Brasilien gewinnen und die Elfenbeinküste insgesamt neun Tore aufholen müssen.

"Da fragt man sich schon, ob die Auslosung fair ist", sagte Demel: "Wir waren stärker als 2006, aber wir hatten wieder zwei Favoriten in der Gruppe, und deshalb hat es wieder nicht gereicht."

Kommt die nächste "goldene Generation"?

Dies ist umso bitterer, da die erste Endrunde auf dem afrikanischen Kontinent nicht nur als große Chance galt, sondern auch als die letzte der viel gepriesenen "goldenen Generationen".

Es sei zwar sicher, dass viele der Spieler aus dem aktuellen Kader vor 2014 ihre Karriere beendeten, sagte Demel: "Aber das hier war nur die erste goldene Generation. Vielleicht kommt ja noch eine."

Eriksson glaubt an das Team

Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson, der sein knapp viermonatiges Projekt absprachegemäß schon wieder beenden wird, glaubt, "dass dieser Mannschaft eine große Zukunft bevorsteht. Das kann gar nicht anders sein."

Und auch Drogbas Klubkollege Salomon Kalou, der nach den frühen Toren von Yaya Toure (14.) und Romaric (20.) den Treffer zum Endstand erzielte (82.), hat die Geduld und Hoffnung nicht verloren:

"Man startet niemals ganz oben", sagte er, "aber wenn wir weiter so arbeiten, werden wir irgendwann ganz oben stehen."

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