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Ottmar Hitzfeld (mit SPORT1-Redakteur Martin Volkmar, r.) ist seit 2008 Schweizer Nationalcoach © getty

Ottmar Hitzfeld spricht über die WM-Chancen mit der Schweiz, Auftaktgegner Spanien und die deutsche Gala gegen Australien.

Von Martin Volkmar

München/Durban - Bange machen gilt nicht für Ottmar Hitzfeld.

Dabei sind die Vorzeichen für die vom Ex-Coach des FC Bayern trainierten Schweizer alles andere als optimal.

Seit fünf Spielen wartet das Nationalteam bereits auf einen Sieg und nun geht es zum WM-Auftakt am Mittwoch ausgerechnet gegen den Top-Favoriten Spanien (Mi., ab 15.30 Uhr im LIVE-Ticker).

Zudem muss Hitzfeld gegen den Europameister ohne seine angeschlagenen Stammkräfte Alexander Frei und Valon Behrami auskommen.

Trotzdem sieht der 61-Jährige seine Mannschaft nicht chancenlos und hat auch Hoffnung auf ein gutes Turnier, in dem die Schweiz erstmals seit 1954 wieder das WM-Viertelfinale erreichen will.

Im Interview mit SPORT1 spricht Ottmar Hitzfeld über seine erste Weltmeisterschaft, die Aussichten, die Vergabe an Südafrika und den Auftakt der deutschen Mannschaft.

SPORT1: Wie bewerten Sie das erste Spiel der deutschen Mannschaft und die Aussichten fürs zweite Gruppenspiel gegen Serbien?

Ottmar Hitzfeld: Das war natürlich ein Start nach Maß für die DFB-Auswahl und Beweis dafür, dass Jogi Löw seine Mannschaft sowohl taktisch wie auch physisch hervorragend vorbereitet hatte. Nun ist der erste große Druck weg und das Team für die weiteren Gruppenspiele in jeder Beziehung gut aufgestellt.

SPORT1: Mittwoch startet die Schweiz gegen Spanien ins Turnier. Wie sehen Sie die Chancen?

Hitzfeld: Wir sind natürlich Außenseiter, denn Spanien hat eine Jahrhundertmannschaft. Sie sind auf allen Positionen Weltklasse und daher für mich der Top-Favorit auf den WM-Titel, noch vor Brasilien. Allerdings steht man als Favorit im ersten Spiel immer unter Druck. Von daher haben wir schon Hoffnungen, dass wir etwas erreichen können. (Die WM-Kader im Überblick)

SPORT1: Geht mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft für Sie ein beruflicher Traum in Erfüllung?

Hitzfeld: Natürlich ist das ein Traum, sich mit den besten Mannschaften der Welt messen zu können. Nach Südafrika zu fliegen, war ein großes Ziel von mir. Und jetzt will ich alles daran setzen, dass wir die Schweiz in Südafrika würdig repräsentieren.

SPORT1: Hatten Sie nach dem schweren Start mit der Niederlage gegen Luxemburg Zweifel, ob dieses Ziel zu erreichen ist?

Hitzfeld: Nach der Niederlage gegen Luxemburg hatte ich zumindest noch die Hoffnung, dass wir die Playoffs der Gruppenzweiten erreichen. Aber dann schlugen wir Lettland sowie Griechenland und hatten wieder alle Möglichkeiten.

SPORT1: Dennoch ist es für ein Land wie die Schweiz keine Selbstverständlichkeit bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, oder?

Hitzfeld: Durchaus nicht. Aber im Schweizer Verband und im Nachwuchsbereich wird großartige Arbeit geleistet. Das sieht man auch an den Erfolgen der Jugendnationalmannschaften wie dem Weltmeistertitel der U17. Und nun ist die Schweiz zum vierten Mal in Folge bei einem Großereignis vertreten.

SPORT1: Die Erwartungshaltung ist durch diese Erfolge gestiegen. Spüren Sie da einen gewissen Druck?

Hitzfeld: Natürlich sind die Erwartungen in der Schweiz hoch. Man hat schon erwartet, dass die Nationalmannschaft an der WM teilnimmt. Und natürlich rechnet man nun mit der Qualifikation für das Achtelfinale. Dennoch kann man den Druck nicht mir der Arbeit bei Bayern München vergleichen. Da hat man 50, 60 Spiele im Jahr, als Nationaltrainer hat man rund einen Viertel davon.

SPORT1: Ist Ihre Zielsetzung für die WM auch das Achtelfinale? (Der WM-Spielplan)

Hitzfeld: Das ist das große Ziel, ja. Wobei wir mit Spanien einen schweren Auftaktgegner haben. Chile ist auch in der Weltrangliste vor uns platziert, nur gegen Honduras sind wir Favorit. Es ist also kein Selbstläufer. Aber wenn man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, will man natürlich auch ins Achtelfinale - mindestens.

SPORT1: Und danach? (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Hitzfeld: Dann setzen wir uns neue Ziele. Erstmal wollen wir ins Achtelfinale, da bin ich sehr optimistisch. Dann hätten wir Brasilien, die Elfenbeinküste oder Portugal als Gegner. Da können wir nur über uns hinauswachsen. Schließlich ist es unser Ziel, bei der WM zum Favoritenschreck zu werden.

SPORT1: Die Weltmeisterschaft findet zum ersten Mal in Afrika statt, was unter anderem wegen der Sicherheitsbedenken zu Kritik geführt hat - unter anderem von Uli Hoeneß. Was ist ihre Meinung?

Hitzfeld: Ich bin da anderer Meinung als Uli Hoeneß. Ich habe es schon immer für eine gute Entscheidung der FIFA gehalten. Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine WM in Afrika. Ich war schon beim Confed Cup vor einem Jahr in Südafrika und habe mich sehr wohl gefühlt. Man muss sich eben als Besucher an die speziellen Regeln halten, die in so einem Land gelten. Dann steht einem Fußball-Fest nichts im Wege.

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