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Der Schweizer Eren Derdiyok wechselte 2009 vom FC Basel zu Bayer Leverkusen © getty

Im SPORT1-Interview spricht Eren Derdiyok über den historischen Sieg gegen Spanien und Ottmar Hitzfelds Anteil am Erfolg.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Durban - Mit dem Sieg über Europameister Spanien hat die Schweiz am Mittwoch die erste große Überraschung der WM gesorgt. 250362(die Bilder)

Mit einem weiteren Erfolg gegen Chile kann die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld schon den Einzug ins Achtelfinale perfekt machen. (Der WM-Spielplan)

"Wenn wir das gewinnen, sind wir durch", sagt Eren Derdiyok, der das Siegtror gegen Spanien vorbereitete und einen eigenen Treffer nur knapp verpasste, als er den Pfosten traf.

"Wir haben jetzt eine super Ausgangslage und das müssen wir ausnutzen", fordert der Stürmer von Bayer Leverkusen.

Im SPORT1-Interview spricht Derdiyok über den historischen Sieg gegen Spanien, die schwierige Zeit vor der WM und Hitzfelds Anteil am Erfolg.

SPORT1: Herr Derdiyok, was bedeutet der Sieg gegen Spanien für Sie und die Schweizer Mannschaft?

Eren Derdiyok: Wir sind überglücklich und stolz. Die Schweiz hat ja zum ersten Mal überhaupt gegen Spanien gewonnen. Wir waren Außenseiter und hatten nichts zu verlieren.

SPORT1: Was war der Schlüssel zum Erfolg gegen den Europameister?

Derdiyok: Wir hatten uns optimal vorbereitet. Wir wussten, dass Spanien Favorit war. Hätten wir verloren, hätte keiner etwas gesagt. Wir haben es geschafft, weil wir als ein Team aufgetreten sind. Nur so können wir bestehen, und das ist uns gegen Spanien gelungen.

SPORT1: Was war das taktische Konzept, das Ihnen Ottmar Hitzfeld verordnet hat?

Derdiyok: Wir haben ab der Mittellinie gepresst, haben gut am Mann gestanden. Hätten wir vorne gepresst, hätten sie uns wahrscheinlich auseinandergenommen und wir hätten keine Chance gehabt.

SPORT1: Die Spanier waren überlegen, aber die Schweizer haben Ihre Chancen genutzt.

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Derdiyok: Wir wussten, dass wir effizient sein mussten. Aus zwei Chancen haben wir ein Tor erzielt, und das war das Entscheidende.

SPORT1: Sie haben das Tor vorbereitet und hatten Pech bei Ihrem Pfostenschuss. Wäre ein Treffer gegen Spanien in Ihrer Karriere ein vorläufiger Höhepunkt gewesen?

Derdiyok: Das kann man so sagen. Ich habe Gelson Fernandes vor dem Tor gehört und versucht, den Ball zu ihm zu chippen. Ich hätte auch gerne selbst ein Tor erzielt, aber die Aktion ist etwas unglücklich gelaufen.

SPORT1: Was genau hat Sie geärgert?

Derdiyok: Ich habe es super gemacht, der Abschluss war eigentlich auch optimal, denn Casillas hat auf die andere Ecke spekuliert. Der Ball ging leider an den Pfosten, da kann man nichts machen. Ich hätte mir mehr vorgeworfen, wenn das Spiel 0:0 ausgegangen wäre.

SPORT1: Wie schwierig werden nun die beiden übrigen Spiele gegen Chile oder Honduras? (Fredi Bobic tippt den zweiten Spieltag)

Derdiyok: Das schwerste Spiel bei einem Turnier ist immer das erste. Das hat man bei den Spaniern gesehen. Hätten wir gegen die das zweite oder dritte Spiel gehabt, wäre es vielleicht ganz anders gelaufen.

SPORT1: Worauf müssen Sie gegen Chile besonders achten?

Derdiyok: Chile ist eine spielerisch starke Mannschaft. Da müssen wir kompakt stehen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales?

Derdiyok: Wir haben jetzt eine super Ausgangslage und das müssen wir ausnutzen. Wenn wir gegen Chile punkten, stoßen wir die Tür zum Achtelfinale weit auf. Das nächste Spiel ist aus meiner Sicht entscheidend. Es ist ein Finalspiel. Wenn wir das gewinnen, sind wir durch.

SPORT1: Glauben Sie, dass Spanien seiner Favoritenrolle trotz der Niederlage noch gerecht werden kann?

Derdiyok: Ich bin überzeugt, dass die Spanier es noch schaffen. Wenn sie ausscheiden würden, wäre das bitter.

SPORT1: Wenn Sie den Start der WM-Qualifikation mit der Niederlage gegen Luxemburg zurückdenken, erscheint Ihnen der Sieg gegen Spanien dann nicht wie ein Märchen?

Derdiyok: Das kann man schon so sagen. Wir haben auch in der WM-Vorbereitung nicht so gut gespielt und standen schon unter Druck. Ich denke, wir haben aber beweisen, dass wir als Einheit Erfolg haben können.

SPORT1: Wie wichtig ist es dabei, einen so erfahrenen Trainer wie Ottmar Hitzfeld zu haben?

Derdiyok: Das sieht man ja. Wenn wir gegen Spanien gewinnen, spricht das für ihn. Er hat die Mannschaft aufgestellt und uns Sachen auf den Platz mitgegeben. Wir haben es umgesetzt, und es hat zum Erfolg geführt. Mit dem Trainer haben wir einen enorm starken Rückhalt.

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