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Der Schweizer Hanspeter Latour (l.) trainierte von 2006 bis 2007 den 1. FC Köln © getty

Der Schweizer Experte und Trainer Hanspeter Latour freut sich über den Auftaktsieg gegen Spanien - und warnt vor Chile.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Durban - Bei der WM trifft man jeden Tag Menschen aus aller Welt.

Das bunte Treiben, die Verständigung in verschiedenen Sprachen - das ist es, was so ein Turnier neben dem Fußball ausmacht (GAMES: Das WM-Tippspiel).

In den Medienzentren und Mixed-Zonen der Stadien sieht man aber auch immer wieder vertraute Gesichter.

Hanspeter Latour zum Beispiel. Der ehemalige Trainer des 1. FC Köln kommentiert und analysiert in Südafrika die Spiele für den Schweizer Radiosender "DRS 3".

Und er ist durchaus zufrieden. Denn die Schweizer können gegen Chile (Mo., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen.

Latour beglückwünscht Spieler

Bereits beim überraschenden 1:0-Sieg der Schweiz gegen Spanien fieberte Latour mit seinen Landsleuten mit.

"Das ist ein Achtungserfolg, 0:0 in der Pause gegen Spanien, das ist bereits ein Achtungserfolg", rief er in der Halbzeit mit bebender Stimme ins Mikro.

Nach der Partie stand er mit einem zufriedenen Lächeln bei den Spielern, schüttelte einigen die Hand und beglückwünschte sie zu ihrem Sieg.

"Ich glaube schon, dass dieses Ergebnis Geschichte schreibt", sagte er mit glänzenden Augen zu SPORT1: "Spanien war der große Favorit und ist als Europameister zur WM gekommen. Die Schweizer hatten vorher noch nie gegen sie gewonnen."

"Sieg nicht unverdient"

Für die taktische Marschroute von Trainer Ottmar Hitzfeld fand der Coach, der zuletzt von 2007 bis 2009 den Schweizer Traditionsverein Grasshopper-Club Zürich trainierte, lobende Worte.

"Hitzfeld hat immer wieder betont, dass man einen klaren Plan haben muss, wenn man als Schweizer eine Chance gegen Spanien haben will", erklärte Latour.

Notfalls mit neun Mann verteidigen und versuchen, einige Nadelstiche zu setzen. Das sei Hitzfelds Plan gewesen.

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"Die Mannschaft hat diesen Plan umgesetzt", meinte Latour: "Der Sieg war glücklich, aber nicht unverdient."

Mit "breiter Brust" gegen Chile

Im zweiten Gruppenspiel gegen Chile hat die Schweiz jetzt schon das Achtelfinale im Blickfeld.

(SERVICE: Der WM-Rechner)

"Man hat im Vorfeld immer gesagt, das Spiel gegen Chile wird das entscheidende. Jetzt geht man mit drei Punkten und breiter Brust in die Partie", meinte der 63-Jährige, schickte aber zugleich eine Warnung hinterer:

"Chile ist stark. Es wird ein schwieriges und ganz anderes Spiel. Die Schweiz muss viel mehr machen als gegen Spanien, also aufgepasst!"

Auch Hitzfeld warnt

Auch Hitzfeld lässt keine Gelegenheit aus, seine Spieler nach dem Sensationssieg gegen Europameister Spanien wieder auf den Boden zurückzuholen.

"Wir müssen kühlen Kopf bewahren. Das nächste Spiel wird mental viel schwieriger für uns als das gegen Spanien", sagte der 61-Jährige.

Latour glaubt an die Mannschaft

Latour zumindest ist überzeugt, dass die junge Mannschaft mit Bundesligaprofis wie Tranquillo Barnetta oder Eren Derdiyok mit der Situation umgehen kann und sich auch von der Stimmung im Stadion mit tausenden heißblütigen chilenischen Fans nicht beeindrucken lassen wird.

"Die Jungs haben ein selbstbewusstes Auftreten und sind solche Kulissen gewohnt, eben auch aus der Bundesliga", meinte der ehemalige Torhüter:

"Das tut unserer Nationalmannschaft natürlich enorm gut."

Mit den bisherigen Spielen in Südafrika zeigte sich der Radio-Experte zufrieden: "Bisher hat die WM das gebracht, was man erwarten durfte. Vielleicht sogar ein bisschen mehr."

Sollte den Schweizern gegen Chile ein erneuter Coup gelingen, wird das zufriedene Lächeln von Hanspeter Latour noch ein bisschen breiter werden.

Ändert Hitzfeld seine Strategie?

"Pokerface" Hitzfeld brütet derweil über der Strategie für das Duell mit den "spielstarken und schnellen" Südamerikanern.

Die Schweizer Medien spekulieren bereits mit einer Veränderung in der Startformation, obwohl die große Mehrheit der Leser des Boulevardblatts "Blick" bei einer Umfrage für die erfolgreiche Spanien-Elf votiert hat.

Hitzfeld selbst hatte für Diskussionsstoff gesorgt, indem er den zuvor angeschlagenen Kapitän und Rekordtorschützen Alexander Frei (40 Länderspieltore) sowie Valon Behrami beim Trainingsspiel in die Stammformation stellte.

Barnetta und Derdiyok ließ Hitzfeld dafür in der B-Elf spielen.

Chile schottet sich ab

Indessen bereiten sich die Chilenen akribisch und von der Außenwelt völlig abgeschottet auf das zweite Gruppenspiel vor.

Ein geplanter Ausflug von Coach Marcelo Bielsa aus dem WM-Quartier endete nach sechs Minuten, weil sich eine Horde einheimischer Fotografen und Journalisten an seine Fersen geheftet hatte.

Arturo Vidal, Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen, ist optimistisch: "Die Schweizer sind kompliziert zu spielen, aber wenn wir an unsere Leistung gegen Honduras anknüpfen, ist alles möglich."

Trainer Bielsa wird jedoch personelle Änderungen vornehmen müssen.

Auf Ronaldos Spuren

Der gegen Honduras vermisste Torjäger Humberto Suazo dürfte sein WM-Debüt in Südafrika geben und neben dem 21 Jahre alten "Shooting-Star" Alexis Sanchez stürmen.

Über den Youngster sagte der Schweizer Gökhan Inler, Teamkollege von Sanchez bei Udinese Calcio:

"Er ist ein Riesentalent. Er kann so gut wie Cristiano Ronaldo werden." (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Sein erstes von bisher elf Länderspieltoren erzielte Sanchez übrigens gegen die Schweiz.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Chile: Bravo - Isla, Medel, Ponce, Jara - Carmona, Vidal - Fernandez - Sanchez, Suazo, Beausejour

Schweiz: Benaglio - Lichtsteiner, Senderos, Grichting, Ziegler - Barnetta, Inler, Huggel, Fernandes - Derdiyok - Nkufo

Schiedsrichter:Khalil Al Ghandi (Saudi-Arabien)

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