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Ottmar Hitzfeld (l.) löste 2008 Köbi Kuhn als Schweizer Coach ab © imago

Gentleman Hitzfeld ist so erbost wie selten. Die Rote Karte für Behrami nach einer "Tätlichkeit" an Vidal sorgt für Entsetzen.

Port Elizabeth - Ottmar Hitzfeld hätte den saudi-arabischen Skandal-Schiri am liebsten sofort in die Wüste geschickt.

Derart erbost hat man den Gentleman selten gesehen.

Doch nicht nur der ansonsten stets souveräne Schweizer "Nati"-Coach sieht nach dem Platzverweis für Valon Behrami rot (252919die Bilder).

Der Buhmann einer ganzen Nation heißt Khalil Al Ghamdi.

Er wird für die 0:1 (0: 0)-Niederlage gegen Chile und die verpasste gute Ausgangsposition zum Einzug ins Achtelfinale der WM in Südafrika verantwortlich gemacht.

"Schiri, du Kamel", titelte das Schweizer Boulevardblatt "Blick" am Dienstag in Riesenlettern auf Seite eins.

Darunter stand die Frage: "Müssen wir nach dem heroischen 1:0 gegen Europameister Spanien nun wegen dieser Pfeife das Achtelfinale vergessen?"

Jene Szene, als der Leverkusener Bundesliga-Profi Arturo Vidal von Behramis Arm getroffen plötzlich zu Boden fiel und der 39-Jahre alte Referee aus Dschidda - der zudem neun Gelbe Karte zeigte - sofort den roten Karton zückte, brachte die eidgenössischen Fußballer auf die Palme (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Behrami klagt

"Ich habe nur versucht, den Ball abzudecken. Ich habe Vidal zwar mit der Hand berührt, aber er hält sich das Gesicht und fällt um, als hätte ihn der Blitz getroffen", klagte Behrami.

Dessen WM-Comeback in Port Elizabeth dauerte folglich nur 31 Minuten, nachdem der Mittelfeldspieler von West Ham United im Auftaktspiel wegen einer Muskelverletzung passen musste.

"Der Schiri hat meinen WM-Traum zerstört", legte Behrami nach.

Bei der Mannschaft habe er sich nach dem Spiel entschuldigt, aber der Trainer habe ihm gesagt, er brauche das nicht zu tun.

Denn für Hitzfeld war die Ursache allen Übels klar: "Vidal lässt sich theatralisch fallen und wälzt sich am Boden. Das war unfair. Das war nicht einmal eine Gelbe Karte. Mit elf gegen elf hätten wir eine gute Chance gehabt".

Selbst Tranquillo Barnetta ließ kein gutes Haar an seinem Leverkusener Teamkollegen: "Das war unnötige Schauspielerei. Aber das kenne ich ja schon von Leverkusen, da macht er das auch gerne."

Nach einer halben Stunde schon warf ein sichtlich überforderter Schiri aus Saudi-Arabien, der bei seinen letzten drei internationalen Einsätzen vor der WM fünfmal Rot und 18-mal Gelb zeigte, Hitzfelds Strategie über den Haufen.

"Die einen sollten auf dem Fußballplatz pfeifen, die anderen lieber am Strand", giftete der Bundesliga-Meistercoach.

Man könne schließlich froh sein, so Hitzfeld, nicht mit 0:2 oder 0:3 verloren zu haben.

Noch alles offen

Denn besonders in der Schlussphase habe man dem großen Aufwand im Spiel gegen dribbelstarke, wendige und schnelle Chilenen Tribut zollen müssen.

So blieb es bei einem zu allem Überfluss abseitsverdächtigen Gegentreffer des eingewechselten Mark Gonzalez (75.), der den Schweizern dennoch alle Möglichkeiten lässt (Der WM-Spielplan).

Am Ende blieb nur der Trost eines Weltrekords für WM-Spiele ohne Gegentor.

Die Schweizer verbesserten mit 559 Minuten die Bestmarke von Titelverteidiger Italien, der zwischen dem 17. Juni 1986 und 3. Juli 1990 550 Minuten lang keinen Gegentreffer kassiert hatte.

Hitzfeld denkt positiv

"Ich bin ein positiv denkender Mensch", sagte Hitzfeld. Man müsse jetzt schnell die Enttäuschung überwinden, analysieren und schnell regenerieren.

"Wenn wir gegen Honduras gewinnen, dann bin ich davon überzeugt, dass wir uns qualifizieren werden. Und das muss auch schnellstens in die Köpfe der Spieler, die gegen Chile alles gegeben haben, aber leider nicht belohnt wurden."

Hitzfeld rechnet am letzten Spieltag der Gruppe H mit einer Niederlage der Chilenen gegen Spanien.

Folglich könnte die Entscheidung unter drei Mannschaften mit jeweils sechs Punkten fallen.

Seine "Nati" benötigt folglich einen Sieg mit zwei Toren Differenz, um sicher weiterzukommen.

In diesem Fall müssten die Südamerikaner ihre Koffer packen auch wenn Chiles Trainer Marcelo Bielsa nach dem Sieg über die Schweiz resümierte:

"Es schien, als wären wir die ganze Zeit in Ballbesitz gewesen. Ich hoffe, dass unsere zwei Siege zum Einzug ins Achtelfinale reichen."

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