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Alexander Frei über die "Nati": "Wir haben eine gute Basis" © getty

Auch unter Ottmar Hitzfeld versagt die "Nati" im entscheidenden Moment. Kapitän Frei sieht für die Zukunft eine gute Basis.

Bloemfontein - Nach der größten Enttäuschung seiner glorreichen Trainerlaufbahn fand Analytiker Ottmar Hitzfeld schnell den Grund für das Scheitern: Den Schweizern flatterten in der Stunde der Entscheidung wieder die Nerven.

"Es fehlt die Standhaftigkeit, in kritischen Situationen nervenstark zu sein", befand der zweimalige Champions-League-Sieger nach dem bitteren Vorrunden-Aus der Eidgenossen bei der WM in Südafrika. (Der WM-Spielplan)

Das blamable 0:0 gegen den Fußball-Zwerg Honduras hatte erneut bewiesen: Wenn es um alles oder nichts geht, halten die Schweizer Fußballer dem Druck nicht stand. 255059(Die Bilder des Spiels)

"Man hat gespürt, dass die Hypothek zu hoch war für die Mannschaft, sie hat ihre Nervosität nie ablegen können", sagte Hitzfeld.

Hitzfelds persönliche Niederlage

Schon vor vier Jahren bei der WM in Deutschland waren die Eidgenossen an ihren Nerven gescheitert: Im Achtelfinale schied die "Nati" im Elfmeterschießen gegen die Ukraine aus und schaffte als erste das Kunststück, nicht einen einzigen Elfer zu verwandeln.

Bei der Heim-EM 2008 war schon nach zwei Spielen alles vorbei, der Erwartungsdruck im eigenen Land zu groß. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Dieses mentale Problem hat auch einer der erfolgreichsten Trainer der Welt nicht lösen können - was Hitzfeld nach der peinlichen Nullnummer von Bloemfontein auch als persönliche Niederlage empfand.

"Ein Sieg für die Ewigkeit"

"Es ist auch für mich eine große Enttäuschung", sagte der 61-Jährige, der als Klubtrainer neun nationale Meistertitel und fünf Pokalsiege feierte.

Die Enttäuschung war umso größer, weil die WM mit einem historischen Triumph begonnen hatte.

Der 1:0-Sieg gegen Europameister Spanien blieb am Ende das Positivste, das Hitzfeld aus Südafrika mitnehmen konnte.

"Das bleibt ein Sieg für die Ewigkeit", sagte er, "da haben wir Großartiges geleistet, dieses Spiel bleibt in bester Erinnerung."

Probleme in der Offensive

Und Hitzfeld wäre nicht Hitzfeld, wenn er nicht sofort nach dem Scheitern seinen nervenschwachen Spielern neuen Mut für die Zukunft machen würde.

"Wir brauchen mehr Offensivkraft", forderte der Trainer nach nur einem Tor in drei WM-Spielen, sah sie aber bereits im Anmarsch: Der verletzte Marco Streller und Kapitän Alexander Frei, der wegen fehlender Spielpraxis insgesamt nur 62 WM-Minuten zum Einsatz kam, stehen in der EM-Qualifikation wieder zur Verfügung. (Die WM-Kader im Überblick)

"Da ist mir nicht bange", sagte Hitzfeld, zudem seien junge Spieler wie der 18-jährige Xherdan Shaqiri, der in den letzten zwölf Minuten WM-Luft schnuppern durfte, "ein Versprechen für die Zukunft".

Frei sieht Potenzial

Damit tröstete sich auch Frei. "Wir haben eine gute Basis, das Fundament steht", sagte der ehemalige Dortmunder Bundesliga-Profi, "ich bin überzeugt, dass die Schweiz irgendwann einmal nicht nur ins Achtelfinale, sondern auch ein bisschen weiterkommen wird."

Der 30-Jährige, der gegen Honduras erst in den letzten 20 Minuten eingreifen durfte, will auf jeden Fall noch zur EM 2012 in Polen und der Ukraine.

Auch eine weitere WM hat er noch nicht ganz abgeschrieben: "Man soll nie nie sagen. Wenn ich die Zeit, die ich in Verletzungen vergeudet habe, zurückbekomme auf meine alten Tage, dann spiele ich auch noch mit 35."

Honduras ist zufrieden

Als Erfolg verbuchten die Honduraner die Nullnummer vor 28.042 Zuschauern, obwohl sie bei mehreren Konterchancen in der zweiten Halbzeit sogar ihren ersten WM-Sieg vor Augen hatten.

"Wir sind natürlich weit von der Spitze entfernt, allein von der Infrastruktur her", sagte Torhüter Noel Valladares und ergänzte: "Niemand von uns hat je zuvor an einer WM teilgenommen."

Beim einzigen WM-Start der Mittelamerikaner 1982 waren 16 der aktuellen 23 WM-Spieler noch gar nicht geboren. "Aber wir werden von diesen Erfahrungen profitieren."

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