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Uruguays Team steht erstmals seit 1970 wieder im Halbfinale © getty

Die Niederländer träumen vom Titel, Uruguays Coach Tabarez will ihnen den Spaß verderben - und ärgert sich über Journalisten.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Bondscoach Bert van Marwijk gab sich entspannt, Uruguays Trainer Oscar Tabarez war genervt.

Während die Niederländer ihr Abschlusstraining vor dem WM-Halbfinale (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) im Athlone Stadium komplett offen für die Medien absolviert hatten, sollte Uruguays Übungseinheit im Township Phillippi eigentlich nach den ersten 15 Minuten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Doch die uruguayischen Journalisten hielten sich nicht an die Abmachung, filmten munter weiter und machten weiter Fotos.

"Sie haben sich nicht an die Regeln gehalten", stellte Tabarez fest und verweigerte entgegen seiner Gewohnheit die Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung am Vorabend des Spiels (Uruguays Wiederauferstehung).

Bangen um Kapitän Lugano

Es gilt jedoch als sicher, dass Mittelfeldspieler Nicolas Lodeiro wegen eines Bruchs im rechten Fuß ausfällt, der Einsatz von Kapitän Diego Lugano ist wegen einer Prellung und Bänderdehnung im Knie mehr als fraglich.

Immerhin nahm Abwehrspieler Diego Godin hat nach überstandener Oberschenkelprellung wieder das Training auf.

Je zwei Spieler gesperrt

Verzichten muss Tabarez in jedem Fall auf die gesperrten Spieler Luis Suarez und Jorge Fucile, bei der "Elftal" fehlen Nigel de Jong und Gregory van der Wiel, die beide Gelbsperren absitzen müssen.

Für van der Wiel rückt wahrscheinlich der Stuttgarter Khalid Boulahrouz ins Team. Der Hamburger Joris Mathijsen und auch Robin van Persie (FC Arsenal) sind einsatzbereit.

"Mathijsen hat noch ein paar Probleme mit dem Knie, aber das ist nichts Schlimmes. Er kann spielen", sagte van Marwijk.

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Van Persie hatte eine Verletzung am Arm, selbst aber bereits betont: "Ich würde auch mit gebrochenem Arm spielen, es ist schließlich ein WM-Halbfinale."

Nach langer Zeit wieder unter den Besten

Zum dritten Mal nach 1974 und 1978 kann ein Oranje-Team das Endspiel erreichen.

Uruguay wurde 1930 und 1950 Weltmeister und kam 1970 ins Halbfinale, als die Südamerikaner gegen den späteren Weltmeister Brasilien ausschieden.

Auch wenn beide Trainer noch nicht vom Finale sprechen wollten, fanden sie zu den möglichen Endspielgegner lobende Worte.

"Barcelonas und Spaniens Fußball ist der schönste, der momentan gespielt wird", sagte van Marwijk auf eine Frage, wie groß der Einfluss niederländischer Trainer wie Louis van Gaal oder Johann Cruyff auf den Fußball des FC Barcelona sei.

"Sicher, dass wir die WM gewinnen können"

Tabarez zeigte einem möglichen WM-Final-Gegner Deutschland großen Respekt. "Die Deutschen spielen erfrischend und beeindruckend - den schönsten Fußball, den wir hier bei der WM gesehen haben", sagte der Coach.

Nicht mit dem attraktiven Flügelspiel früherer Turniere, sondern mit effektivem Fußball sind die Niederländer ins Halbfinale eingezogen.

"Natürlich wollen wir alle guten Fußball spielen, aber es wird immer schwieriger", erklärte Routinier Giovanni van Bronckhorst.

"Aber wenn wir nicht ganz so toll spielen, wären wir trotzdem zufrieden, wenn wir ins Finale kommen", ergänzte der Oranje-Kapitän. Er sei "sicher, dass wir die WM gewinnen können".

Van Marwijk betonte: "Wir sind hier, um das größte Ziel zu erreichen. Nur dann ist die WM ein Erfolg, nur dann werden wir feiern und genießen können."

Uruguay hat Rüpel-Image abgelegt

Als Tabarez von einem englischen Journalisten auf das Handspiel von Luis Suarez im Viertelfinale gegen Ghana angesprochen wurde, verfinsterte sich das Gesicht des Trainers schlagartig.

"Das Thema wird überstrapaziert", entgegnete Tabarez: "Wir sind stolz darauf, dass wir im Halbfinale stehen und haben hier auch Spiele absolviert, in denen wir nicht einmal eine Gelbe Karte bekommen haben."

Die Uruguayer haben ihr Image als Rüpelmannschaft längst abgelegt - und gefallen sich in der Rolle des Underdogs.

"Wir sind hier auf einer Party, zu der wir keine Einladung hatten", meinte Tabarez über die Außenseiterrolle seiner Mannschaft.

"Ich denke aber, wir haben mittlerweile gezeigt, dass wir zu Recht so weit gekommen sind. Jetzt wollen wir die Party sprengen."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Uruguay: 1 Muslera - 16 Maxi Pereira, 6 Victorino, 3 Godin (2 Lugano), 22 Caceres - 15 Perez, 17 Arevalo, 5 Gargano, 11 Alvaro Pereira - 10 Forlan, 7 Cavani

Niederlande: 1 Stekelenburg - 12 Boulahrouz, 3 Heitinga, 4 Mathijsen, 5 van Bronckhorst - 6 van Bommel, 14 de Zeeuw - 11 Robben, 10 Sneijder, 7 Kuyt - 9 van Persie

Schiedsrichter: Irmatow (Usbekistan)

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