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Spaniens Herzstück: Die Strategen Xavi (l.) und Andres Iniesta © imago

Der Europameister ist nicht mehr ganz so dominant wie vor zwei Jahren. SPORT1 vergleicht Spaniens Team mit dem von 2008.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt/Durban - Mit dem Erreichen des Halbfinales gegen Deutschland will sich die "Seleccion" nicht zufrieden geben.

"Wir sind nicht hierher gekommen um Vierter zu werden", sagt Kapitän Iker Casillas - obwohl damit immerhin die bislang beste Platzierung bei der WM 1950 eingestellt würde.

Schon der Einzug ins WM-Finale würde den Gewinn der Europameisterschaft vor zwei Jahren daher in den Schatten stellen, findet Casillas:

"Wir wollen ins Endspiel. Das ist unser Ziel. Und deshalb ist das Spiel gegen Deutschland das wichtigste in der Geschichte des spanischen Fußballs."

Die Rolle des Favoriten überlassen die Spanier im Halbfinale (ab 20 Uhr im LIVE-Ticker) gerne dem DFB-Team (DATENCENTER: WM-Spielplan).

"Deutschland ist die stärkste Mannschaft der WM"

"Von mir aus können wir gerne Außenseiter sein", sagt Cesc Fabregas, der wegen eines im Training erlittenen Schlags auf die Wade allerdings auszufallen droht.

"Wer England 4:1 und Argentinien 4:0 schlägt, der muss schon irgendetwas haben", meint Casillas, und Torjäger David Villa ergänzt: "Deutschland ist die stärkste Mannschaft der WM. Aber wir glauben an uns und haben die Mittel, um sie zu schlagen."

Nicht mehr so dominant

Zwar ist das Spiel der Spanier immer noch von viel Ballbesitz und schnellen Kurzpässen geprägt, aber nicht mehr so dominant wie vor zwei Jahren.

Von der Startelf des EM-Endspiels gehört der Großteil zur aktuellen Stammformation, einige sind aber nur noch Ersatz, und einer ist sogar nicht mehr im Kader.

SPORT1 vergleicht Spaniens aktuelle Mannschaft mit den Europameistern von 2008.

TOR:

Casillas ist immer noch einer der besten Torhüter der Welt. Seinen Leistungen, vor allem im letzten Gruppenspiel gegen Chile und im Viertelfinale gegen Paraguay haben es die Spanier zu verdanken, dass sie trotz ihres enormen Potenzials nicht schon ausgeschieden sind 259105(DIASHOW: SPORT1-Elf WM-Viertelfinale).

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Pepe Reina war bereits in Österreich und der Schweiz die Nummer zwei, und in Victor Valdes sitzt noch ein Keeper auf der Bank, der mit dem FC Barcelona schon alles gewonnen hat, was man auf Vereinsebene als Spieler erreichen kann.

ABWEHR:

Von der Viererkette, die beim EM-Gewinn spielte, ist nur Carlos Marchena nicht mehr in der Stammelf. Der Routinier vom FC Valencia musste dem jungen Gerad Pique weichen.

Der Barca-Verteidiger, Spitzname "Piiquenbauer", harmoniert prächtig mit Carles Puyol und schaltet sich auch immer wieder in die Offensive ein.

Das machen auch Rechtsverteidiger Sergio Ramos und Joan Capdevila, sein Pendant auf der linken Seite. Capdevila wird häufig unterschätzt, hat aber bisher eine sehr gute WM gespielt. Ramos konnte bisher vor allem in der Vorwärtsbewegung an seine Super-EM anknüpfen.

MITTELFELD:

Xavi und Andres Iniesta sind wie vor zwei Jahren die kreativen Köpfe im Team. Beide bestechen durch geniale Pässe und mannschaftsdienliches Spiel.

Zwar traf Iniesta gegen Chile, aber im Abschluss sind beide häufig zu zaghaft - ein Grund dafür, dass Spaniens Offensive bislang so extrem von David Villas Toren abhängig ist.

Im Finale der EM stand Cesc Fabregas zwar in der Startelf, doch kam er nicht an Xavi vorbei und war häufig nur Ersatz.

Auch in Südafrika hat er nur die Rolle des Einwechselspielers. Der Arsenal-Kapitän stellt sich aber ohne Murren in den Dienst der Mannschaft.

David Silva läuft seiner EM-Form hinterher. Im Auftaktspiel gegen die Schweiz wurde er ausgewechselt und hat es seitdem nicht mehr in die Mannschaft geschafft.

Spaniens Medien rechnen aber mit einem Einsatz Silvas anstelle von Torres gegen Deutschland, um dadurch im Mittelfeld ein Übergewicht zu schaffen.

Jesus Navas deutete an, dass er auf der rechten Seite eine sehr gute Alternative ist, aber nach dem 2:0 gegen Honduras bekam auch der Flügelspieler vom FC Sevilla keine Einsatzzeit mehr.

Im defensiven Mittelfeld ist Sergio Busquets gesetzt. Der Barca-Profi erfüllt zumeist unauffällig, aber sehr effektiv seine Aufgaben zusammen mit Xabi Alonso.

Marcos Senna, der bei der EM noch überragte, steht nicht einmal mehr im Kader. Er musste der Jugend weichen - etwa in Form des 21-jährigen Javi Martinez von Athletic Bilbao.

STURM:

David Villa ist der alles überragende Spieler im Angriff des Europameisters. 259139(DIASHOW: Tops und Flops WM-Viertelfinale)

Fünf von sechs Treffern erzielte der EM-Torschützenkönig, der auch bei der WM schon wieder die Rangliste anführt. Er wäre der erste Spieler seit Gerd Müller (1970 und 1972), der sowohl bei EM als auch WM bester Schütze wäre.

Fernando Torres reiste angeschlagen nach Südafrika und ist immer noch weit von seiner Bestform entfernt. Dem EM-Held von 2008, der im Finale gegen Deutschland den Siegtreffer erzielte, droht nun sogar die Bank.

"Niemand hat eine Einsatzgarantie", betonte Trainer Vicente del Bosque, der aber nur einen Stürmer hat, der körperlich ähnlich stark ist wie Torres und es mit Deutschlands robuster Innenverteidigung aufnehmen kann: Fernando Llorente.

Der Angreifer von Athletic Bilbao ist athletisch und kopfballstark. Gegen Portugal war seine Einwechslung ein Schlüsselfaktor.

Barcelonas Pedro und Valencias Juan Mata sind eher der Abteilung wendig und dribbelstark zuzuordnen.

FAZIT:

Spaniens Stammformation hat sich gegenüber 2008 nicht wesentlich verändert. Nur wenige der Stars haben aber ihre Form von damals abrufen können. Im Kader stehen viele junge Spieler, die ins Team drängen.

Die Abwehr steht sicher, im Mittelfeld gibt es reichlich Qualität, nur in der Offensive fehlt es gegenüber der EM an Effektivität - mit Ausnahme von Villa.

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