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Giovanni van Bronckhorst erzielte die Führung für die Niederlande © getty

Der erste Finalist steht fest: Die Niederlande tut sich zwar gegen Uruguay lange schwer. Doch auf ihre Stars Sneijder und Robben ist Verlass.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Die Niederlande stehen durch ein am Schluss etwas glückliches, aber insgesamt verdientes 3:2 (1:1) im Halbfinale gegen Uruguay zum dritten Mal nach 1974 und 1978 im Endspiel einer WM.

Vor 62.479 Zuschauern im wieder nicht voll besetzten Green Point Stadium erzielten Giovanni van Bronckhorst (18.), Wesley Sneijder (70.) und Arjen Robben (73.) die Tore für das Oranje-Team, Diego Forlan hatte in der 41. Minute für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt.

Maximiliano Pereiras Anschlusstreffer in der Nachspielzeit kam zu spät, auch wenn die "Urus" noch mal mächtig auf den Ausgleich drückten.

259948(DIASHOW: Bilder des Spiels)

"Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt wie in den letzten Minuten", sagte der ehemalige Hamburger Rafel van der Vaart.

Van Marwijk: "Das ist unglaublich"

"Am Ende wurde es nochmal eng", gab auch Trainer Bert van Marwijk zu, dann ergänzte er: "Das letzte Endspiel liegt 32 Jahre zurück, das ist unglaublich, was wir erreicht haben."

Es war der sechste Sieg im sechsten WM-Spiel und im Jahr 2010 der zehnte Erfolg in Folge für die seit nunmehr 25 Spielen ungeschlagenen "Elftal".

"Wir mussten heute kämpfen, es war ein schwieriges Spiel. Das Wichtigste ist aber, dass wir gewonnen haben. Es gibt nichts Größeres als ein WM-Finale, das ist gewaltig, fantastisch", sagte Sneijder.

Bondscoach Bert van Marwijk musste auf Nigel de Jong und Gregory van der Wiel (Gelbsperren) verzichten. Demy de Zeeuw und Stuttgarts Khalid Boulahrouz standen dafür in der Startelf.

Uruguays Trainer Oscar Tabarez musste ohne "Handballer" Luis Suarez und den ebenfalls gesperrten Jorge Fucile in die Partie gehen.

Für Suarez spielte Edinson Cavani im Angriff neben Diego Forlan, der den verletzten Abwehrchef Diego Lugano als Kapitän ersetzte. Zudem fehlte Mittelfeldspieler Nicolas Lodeiro wegen eines Fußbruchs.

Kuyt zielt zu hoch

Schon nach vier Minuten ergab sich die erste Chance für die "Elftal": Nach einer Flanke von Sneijder konnte Uruguays Torwart Fernando Muslera den Ball nicht abfangen, Dirk Kuyt jagte die Kugel aber aus 14 Metern über die Latte.

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In der 13. Minute schoss Sneijder aus aussichtsreicher Position aufs Tor, doch van Persie blockte den Ball unfreiweillig mit dem Oberschenkel ab.

(Der SPORT1-WM-Spielplaner).

Van Bronckhorst erzielt ein Traumtor

Oranje drängte weiter, und wurde fünf Minuten später belohnt: Van Bronckhorst wurde auf der linken Seite fast 25 Meter vor dem Tor angespielt, legte sich den Ball kurz vor und jagte ihn in Richtung Kreuzeck.

Muslera streckte sich vergebens, die Kugel knallte an den rechten Innenpfosten und zappelte im Netz.

Uruguay wirkte vom Rückstand geschockt und verlor etwas die Ordnung.

Die Angriffsbemühungen der "Celeste" wirkten ungestüm, in der 27. Minute versuchte Verteidiger Martin Caceres am Strafraum einen Fallrückzieher, traf aber de Zeeuw im Gesicht.

Van Persie enttäuscht erneut

Kurz darauf rettete Caceres im eigenen Starfraum vor dem einschussbereiten Robben (31.).

Glück hatten die Niederländer in der 32. Minute, als van Bronckhorst im Strafraum gegen Cavani den Arm ausstreckte und den Angreifer von US Palermo am Hals traf.

Der usbekische Schiedsrichter Rawschan Irmatow verweigerte den Uruguyaern aber einen möglichen, wenn auch nicht klaren Strafstoß.

Die Niederländer hatten zwar auch weiter mehr Spielanteile, waren in ihren Offensivaktionen aber nicht zwingend, van Persie war als zentraler Angreifer erneut eine Enttäuschung.

Stekelenburg lässt Forlan-Schuss durch

Anders Uruguays Starstürmer Diego Forlan. Nach einem Zuspiel aus der eigenen Hälfte zog der Kapitän aus 28 Metern ab und die Kugel schlug mittig unter der Latte ein.

Obwohl der Ball 98 km/h schnell war, hätte Torwart Maarten Stekelenburg, an dem angeblich Bayern München interessiert ist, ihn abwehren müssen. Für Forlan war es das vierte WM-Tor.

Mit dem aus Uruguays Sicht nicht einmal mehr unverdienten 1:1 ging es in die Kabine.

Van der Vaart kommt zur Pause

Van Marwijk verstärkte die Offensive, brachte zur zweiten Halbzeit Rafael van der Vaart für de Zeeuw. Oranje erwischte wieder den besseren Start, aber die erste Chance hatte Uruguay.

Nach einem verunglückten Rückpass von Boulahrouz lief Stekelenburg aus dem Tor und klärte vor Cavani, und hatte bei seiner Rettungsaktion Glück, dass Pereira den abprallenden Ball nicht verwerten konnte. Van Bronckhorst klärte mit dem Kopf.

In der 67. Minute musste Stekelenburg sein ganzes Können aufbieten, um einen scharf getretenen Forlan-Freistoß aus 26 Metern abzuwehren.

Glücklicher Treffer für Sneijder

Im Gegenzug hatte Robben das 2:1 auf dem Fuß. Van der Vaarts Flachschuss aus 16 Metern wehrte Muslera nach vorn ab, doch Robben setzte den Abpraller über das Tor. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Mehr Glück hatte Sneijder in der 70. Minute. Seinen Flachschuss vom linken Strafraumeck fälschte Pereira unhaltbar ab, der Ball schlug neben dem rechten Innenpfosten ein.

Allerdings irritierte van Persie, der im passiven Abseits stand, den Torwart. Doch der Treffer zählte trotzdem. Es war Sneijders fünftes Tor im WM-Turnier.

Der Torjubel war kaum verklungen, da sorgte Robben in der 73. Minute mit seinem zweiten Turniertreffer nach einer Flanke von Kuyt mit einem Kopfball aus elf Metern für das 3:1.

Anschluss kommt zu spät

Die Uruguayer bäumten sich noch einmal mit letzter Kraft auf, Tabarez brachte Sebastian Fernandez für Forlan.

In der zweiten Minute der Nachspielzeit verkürzte Pereira mit einem Schlenzer aus 15 Metern zum 3:2.

Die "Celeste" warf alles nach vorn, hatte noch fast die Chance zum Ausgleich, aber es reichte nicht mehr.

Wie zuletzt 1970 kam für den zweimaligen Weltmeister das Aus im Halbfinale. Unzufrieden waren die Südamerikaner dennoch nicht.

"Wir hatten es verdient, im Halbfinale zu sein. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler und darauf, was wir erreicht haben", sagte Tabarez: "Aber die Niederlage ist gerecht, wir akzeptieren sie."

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