vergrößernverkleinern
Die Nationalmannschaft Uruguays gewann den WM-Titel in den Jahren 1930 und 1950 © getty

Die "Celeste" unterliegt den Niederlanden nach großem Kampf. In der Heimat wird sie gefeiert. Das Ziel lautet nun Platz drei.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Als das Spiel im Green Point Stadium vorbei war, sanken Uruguays Spieler entkräftet zu Boden 259948(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Die stark ersatzgeschwächten Südamerikaner hatten den Niederlanden im WM-Halbfinale einen leidenschaftlichen Kampf geliefert.

Doch am Ende musste sich der zweimalige Weltmeister mit 2:3 geschlagen geben.

"Wir waren auf Augenhöhe mit Holland", erklärte der etatmäßige Kapitän Diego Lugano, der das Spiel verletzungsbedingt nur als Zuschauer erlebt hatte.

"Aber zwei wirklich schlechte Minuten in dieser WM haben uns um den Lohn gebracht", ergänzte Lugano in Bezug auf den Doppelschlag der Niederländer in der 70. und 73. Minute durch Wesley Sneijder und Arjen Robben (Der SPORT1-WM-Spielplaner).

Keine Klage über fehlendes Glück

Bei beiden Treffern hatte der Ball noch den Pfosten berührt, ehe er im Netz zappelte - ebenso beim ersten Treffer der Niederländer durch einen Sonntagsschuss von Giovanni van Bronckhorst (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Heute hatten wir bei den Gegentoren Pech, aber wir hatten bei dieser WM auch einige Male Glück, deshalb beklagen uns nicht", betonte Torwart Fernando Muslera auch in Bezug auf die mögliche Abseitsstellung von Robin van Persie bei Sneijders Tor.

"Wir waren so nah dran, aber es hat leider nicht gereicht", sagte Abwehrspieler Diego Godin. "Die Niederlage tut natürlich weh, aber wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben."

In der Heimat wie Sieger gefeiert

In der Heimat wurden die Spieler der "Celeste", die sich als Fünfter der Südamerika-Gruppe erst über die Playoffs gegen Costa Rica als letztes Team für die Endrunde qualifiziert hatte, wie Sieger gefeiert.

[image id="b923d91d-65ba-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

In Montevideos Stadtzentrum fieberten tausende Fans beim Public Viewing auf der Plaza Independencia mit.

Auch nach dem Aus ihrer Mannschaft herrschte eher Zufriedenheit über das Erreichte als Trauer über das Aus.

Forlan zwischen Stolz und Enttäuschung

"Wir haben ein unglaubliches Turnier gespielt. Niemand hätte erwartet, dass wir so weit kommen würden", sagte Diego Forlan.

Dennoch überwog beim blonden Torjäger, der zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen hatte, die Enttäuschung.

"Es war das wichtigste Spiel meiner Karriere. Ich habe mich über mein Tor gefreut, aber es ist schade, dass ich nicht mein volles Potenzial zeigen konnte", meinte Forlan.

Superstar muss verletzt raus

In der 84. Minute musste der 31-Jährige beim Stand von 1:3 wegen Sehnenproblemen im rechten Oberschenkel den Platz verlassen und fehlte seiner Mannschaft, als diese nach dem Anschlusstreffer in der Nachspielzeit auf den Ausgleich drängte.

Versteinert, mit leerem Blick, verfolgte der Starstürmer von Atletico Madrid die letzten Minuten von der Bank aus.

Doch seine Trauer wich bald dem Trotz.

"Ich möchte so nicht von der WM-Bühne abtreten", sagte Forlan, der als erster Uruguayer seit Carlos Borges bei der WM 1954 vier Treffer bei einer Endrunde erzielt hat und seine Bilanz im Spiel um Platz drei am Samstag noch verbessern kann.

"Jetzt wollen wir uns als Dritter verabschieden. Dafür werden wir alles geben und unsere Herzen auf dem Platz lassen", versprach Forlan, der glaubt, bis zum Samstag wieder fit zu sein.

Mittelfeldspieler Egidio Arevalo dachte schon an die WM 2014 in Brasilien, und sprach aus, was viele "Urus" dachten: "Die nächste WM wird unsere sein."

Besser als Brasilien und Argentinien

Den Urugayern bleibt in jedem Fall die Genugtuung, besser als die großen Nachbarn abgeschnitten zu haben (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Brasilien und Argentinien sind uns insgesamt immer noch Lichtjahre voraus, aber bei dieser WM waren wir besser als sie", betonte Lugano, der sich wünscht, weiter mit Trainer Oscar Tabarez zusammenarbeiten zu können.

"Er hat einen unglaublichen Job gemacht", sagte Lugano über den Coach, den alle ehrfürchtig "Maestro" nennen. "Wir alle würden unser Leben für ihn geben."

Tabarez wartet auf Signal des Verbands

Tabarez, der bereits von 1988 bis 1990 Nationaltrainer war und damals im Achtelfinale ausschied und seit 2006 wieder auf der Bank der "Celeste" sitzt, wartet auf ein Signal des Verbandes.

"Es müssen Bedingungen erfüllt werden, es hängt nicht von mir ab", sagte der Coach, der sich mit seiner Mannschaft auf einen großen Empfang in Montevideo freuen kann.

"Die Zeit wird die Spieler unsterblich machen", schrieb die Zeitung "El Observador".

"Wir gehören nicht zu den Fußball-Weltmächten", meinte Tabarez bescheiden, "aber wir haben den Leuten gezeigt, was mit Leidenschaft möglich ist."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel