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Matchwinner gegen Deutschland: Spaniens Carles Puyol © imago

Nach dem ersten WM-Finaleinzug der "Roja" befindet sich ganz Spanien im Freudentaumel. Del Bosques Taktik geht voll auf.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Durban/Kapstadt - Königin Sofia beglückwünschte die Spieler in der Kabine, Ministerpräsident Zapatero gehörte zu den ersten Gratulanten.

In der Heimat feierten die Menschen ausgelassen, fast 14 Millionen Zuschauer erlebten den Triumph der "Roja" vor den Bildschirmen.

Ein ganzes Land steht Kopf nach dem 1:0-Sieg im WM-Halbfinale gegen Deutschland. 260484(DIASHOW: Bilder des Spiels)

"Ich bin Spanier, Spanier, Spanier" und "Viva Espana - es lebe Spanien" hallte es durch die Straßen Madrids.

"Ticket in die Ewigkeit"

"Spanien zieht die Welt in seinen Bann. Das Land hat ein Ticket in die Ewigkeit gelöst. Die Roja hat wie noch nie gespielt und wie nie zuvor gewonnen", schrieb die Tageszeitung "El Mundo".

"Visca Espana", titelte die Sportzeitung "as" - und das Konkurrenzblatt "Marca" jubilierte: "Jetzt trennt uns nur noch Holland vom ganz großen Ruhm."

"Wir stehen im Endspiel, weil wir es uns verdient haben", sagte Torjäger David Villa und ergänzte: "Jetzt wollen wir es auch zu Ende bringen und das Finale gewinnen." Denn: Zum ersten Mal in der Geschichte des spanischen Fußballs steht die "Seleccion" im Endspiel.

Del Bosque erklärt seinen Schachzug

"Das ist eine enorme Freude für uns alle. Für die Spieler, das Team der Betreuer und für all die Fans, die uns immer großartig unterstützt haben", meinte Trainer Vicente del Bosque, der seine Mannschaft gegen das DFB-Team perfekt eingestellt hatte.

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Del Bosque hatte den schwächelnden Starstürmer Fernando Torres, der im EM-Finale vor zwei Jahren noch den Siegtreffer gegen Deutschland erzielt hatte, zunächst auf der Bank gelassen und stattdessen Pedro vom FC Barcelona von Beginn an ins Team genommen.

Lahm-Vorstöße verhindern

"Wir wollten die Deutschen auf ihrer rechten Abwehrseite unter Druck setzen und so die gefährlichen Vorstöße von Philipp Lahm verhindern", erklärte der Coach seinen taktischen Schachzug.

"Wir haben unser Spiel durchgebracht und ich bin stolz auf die ganze Mannschaft, von der Nummer eins bis zur Nummer 23", hob Del Bosque den Erfolg des Kollektivs hervor.

Puyol wie ein Stier

Dass ausgerechnet ein Abwehrspieler den Siegtreffer erzielte, passte ins Bild.

Die Wucht, mit der Carles Puyol den Ball in der 73. Minute nach einer Ecke mit dem Kopf ins Tor rammte, unterstrich den bedingungslosen Willen der Iberer, nach dem Gewinn des Europameistertitels auch den WM-Pokal nach Hause zu bringen.

"Puyol ist der Stier von San Fermin", schrieb "Marca" in Anspielung auf das weltberühmte Fest in Pamplona zu Ehren des Heiligen Firmin und ergänzte: "Danke, Carles!"

Tintenfisch Paul hat Recht

Auch im Ausland zeigte man sich von der Kraft der Spanier beeindruckt: "King Carles", titelte die englische "Sun".

"Wie die Pferde", schrieb die argentinische Sporzteitung "Ole", und erinnerte an die "hellseherischen" Fähigkeit des Tintenfischs Paul, der im Sea Life Aquarium in Oberhausen die Schale mit Leckerbissen bevorzug, die mit der spanischen Flagge beklebt war: "Die Krake hatte Recht."

In Frankreich zeigte man sich auch deshalb wenig überrascht: "Spanien, wie vorausgesagt", titelte "L'Equipe".

Steigerung nach schwachem Start

Nachdem die Spanier in Durban mit einer Niederlage gestartet waren, steigerten sie sich im Verlauf des Turniers, ohne jedoch zu überzeugen.

Gegen die DFB-Auswahl fand die "Roja" aber am Ort ihrer Auftaktpleite zu ihrer wahren Stärke zurück, dominierte die Partie und ging als verdienter Sieger vom Platz.

"Das 0:1 im ersten Spiel gegen die Schweiz war ein harter Schlag für uns", meinte Del Bosque. "Aber jetzt sind wir glücklich und wollen schauen, ob wir nicht noch mehr erreichen können."

Auch Aragones glaubt an Titel

Del Bosques Vorgänger Luis Aragones, erklärte als Experte für "Al Jazeera", es sei "gut für den Fußball, das Spanien gewonnen hat."

Den Niederlanden, die am Sonntag in Johannesburg der Finalgegner sind (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER), prophezeite Aragones eine fast unlösbare Aufgabe: "Es wird sehr schwierig, diese Spanier zu schlagen."

Eins steht bereits vor dem Finale fest: Es wird eine Mannschaft Weltmeister, die noch nie zuvor den Titel gewonnen hat.

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