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Diego Maradona wurde 1986 als Spieler mit Argentinien Weltmeister © imago

Maradona ist ein Trainer, der keiner ist. Aber seine unkonventionelle Art hat ihren Einfluss auf die Erfolge seines Teams.

Von Martin Hoffmann

München - Pele hat eine klare Meinung. Diego Maradona sei "kein guter Trainer", befindet die brasilianische Legende im Interview mit "11 Freunde".

Das aus Peles Munde zu hören ist allerdings so wenig überraschend wie die Kritik eines Fischs am Angeln: Die beiden Fußball-Idole sind sich seit langem in Abneigung verbunden.

Aber Peles Worte treffen einen Nerv: Die ganze Fußball-Welt hat sich vor zwei Jahren gefragt, warum ausgerechnet Maradona zum Coach Argentiniens erkoren wurde.

Ein Mann, den selbst ein betont sachliches Organ wie der "kicker" zwischen "Genie, Wahnsinn und Witzfigur" wähnt. 28216(DIASHOW: Maradonas wildes Leben in Bildern)

Und die Fußball-Welt fragt sich noch mehr, wie es die "Albiceleste" mit diesem Trainer bis ins Viertelfinale gegen Deutschland (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) hat schaffen können. (DATENCENTER: WM-Viertelfinale)

"Ich sage Messi nicht, wo er zu spielen hat"

Sie hat es trotz Maradona getan, glaubt die Mehrheit weiterhin. Aber der Glaube unterschätzt womöglich den Beitrag, den Maradona auf seine ihm eigene Weise zum Erfolg leistet.

Offensichtlich ist Maradona nicht der Typ Taktik-Tüftler, wie es die meisten Trainer sind. Maradona bekennt auch offen, dass er seinen Spielern nicht groß sagt, was sie auf dem Platz zu tun haben.

Er habe etwa Lionel Messi gesagt, "dass mir niemand gesagt hat, wo ich spielen soll. Also sollte ich auch Messi nicht sagen, wo er zu spielen hat. Er ist erwachsen."

Und als ein Reporter ihn nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Mexiko zu seinen Plänen gegen Deutschland fragte, erwiderte Maradona auf die "unglaublich dumme Frage", der Journalist könne da schreiben, was er wolle. (Der SPORT1-WM-Spielplaner)

Ex-Kollegen als Einflüsterer

Spielstrategische Analysen müssen Maradona teils die Spieler liefern. So war es beim Sieg gegen Nigeria zu sehen, als Juan Sebastian Veron dem Coach am Spielfeldrand das Spiel zu erklären schien.

Dazu stimmt sich Maradona eng mit seinen Co-Trainer und Ex-Mitspielern Hector Henrique und Alejandro Mancuso ab. Maradona spricht daher auch stets in der "Wir"-Form, wenn er über Trainerentscheidungen redet.

Dazu hat Argentiniens Verband Maradona auch Teammanager Carlos Bilardo an die Seite gestellt, den versierten Strategen, der Maradona 1986 zum WM-Titel coachte.

Es heißt allerdings, dass Maradona und der promovierte Mediziner sich zerstritten hätten. Der alte Fuchs soll bei Maradonas Entscheidungsfindung außen vor sein.

Vertrauen auf Eingebungen

Der Coach behält sich das letzte Wort vor - und vertraut dabei immer wieder auch einfach auf seine Eingebungen. (Rodolfo Cardoso: "Maradona lebt Fußball")

Die sind bisweilen eigentümlich: In der WM-Quali probierte er über 100 Spieler aus. Den Verteidiger Ariel Garce soll er Gerüchten zufolge nominiert haben, weil er ihm im Traum erschienen war.

Bei der WM aber lag Maradona mit seinem Bauchgefühl oft richtig.

"Geh da raus und..."

Er nahm den häufig kritisierten Gabriel Heinze mit zum Turnier - der zahlte es mit dem Siegtor gegen Nigeria zurück. Heinze zeigte es allen, auch denen in der Heimat die mutmaßten, er würde nur spielen, weil sein Bruder Geschäftsbeziehungen mit Maradona pflege.

Gegen Griechenland brachte der gegen den Rat seines Stabs den gealterten Volkshelden Martin Palermo - und der erzielte das alles entscheidende 2:0.

Maradonas Anweisung vorher? "Ich habe gesagt: Geh da raus und mach das Spiel für mich klar."

Beseelt von Bewunderung

So einfach kann es gehen, wenn neben der dafür nötigen Klasse auch der Wille, für den Trainer zu spielen, da ist.

Pele meint über Maradona zwar: "Er hat eine sehr ausgefallene Lebensführung und das kommt bei einer Mannschaft nur sehr selten gut an."

Aber da liegt er offensichtlich falsch. Argentiniens Spieler sind beseelt von Bewunderung für ihren in der Heimat teils religiös verehrten Trainer.

"Es ist ein Traum für ihn zu spielen", sagt Lionel Messi. Der junge Javier Pastore vergleicht das Erlebnis, das Idol als Coach zu haben mit einem Trip nach Disneyland. Maradona, eine Sehnsuchtsfigur wie Micky Maus.

Mit Feuereifer gegen Kritiker

Nur, dass Argentiniens Micky Maus näher dran ist an den Vergnügungspark-Besuchern. Er umarmt sie nicht nur, er flachst mit ihnen, er singt mit ihnen - und verteidigt sie mit Feuereifer gegen jede Kritik von außen.

"Viele Spieler sollten wie Götter betrachtet werden", meinte Maradona einmal zu den Journalisten: "Aber sie wurden von der Presse geschlachtet. Entschuldigt euch bei diesen Spielern, die ihr massakriert habt."

Ein Spielertrainer, der nicht mehr spielen darf

Maradona leidet aufrichtig mit seinen Schützlingen, zu denen er kein Stück professionelle Distanz aufgebaut hat. Er ist ein Spielertrainer, der nicht mehr spielen darf.

Und Maradona bestreitet das nicht. "Natürlich wünsche ich mir, das Trikot anzuziehen und auf den Platz zu laufen", erklärte er nach dem Sieg gegen Mexiko. 256788(DIASHOW: Tops und Flops WM Achtelfinale)

Gegen Deutschland dürfte der Drang noch stärker sein.

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