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A la Panenka: Abreu verwandelt den Elfmeter wie einst Panenka 1976 gegen Deutschland © getty

In einem dramatischen Spiel vergibt Gyan die Chance zur Entscheidung. Im Elfmeterschießen behalten die Südamerikaner die Nerven.

Johannesburg - Afrika weint: Der zweimalige Weltmeister Uruguay hat den Traum des Schwarzen Kontinents zerstört und sich selbst eine historische Chance eröffnet.

Mit einem 4:2 im Elfmeterschießen gegen Ghana warf die Celeste die letzte afrikanische Mannschaft aus dem WM-Turnier und steht erstmals seit 40 Jahren wieder im Halbfinale einer Endrunde (Der SPORT1-WM-Spielplaner).

Dominic Adiyiah stürzte mit seinem entscheidenden Fehlschuss im Elfmeterschießen ganz Afrika in tiefe Trauer, danach traf Sebastian Abreu sicher.

"So ist Fußball", sagte Ghanas serbischer Trainer Milovan Rajevac mit versteinerter Miene, während seine Spieler in Tränen versanken.

Hand auf der Linie

Zuvor hatten die Uruguayer in der letzten Szene vor dem Elfmeterschießen noch Glück gehabt, als Asamoah Gyan einen Handelfmeter für Ghana nur an die Latte schoss (120.+1).

Nach 120 Minuten hatte es damit 1:1 (1:1, 0:1) gestanden. Für seine Handabwehr auf der Linie sah Luis Suarez die Rote Karte.

"Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich. Ich freue mich für die Jungs. Der Sieg hat viel Nerven gekostet, aber Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben", sagte Uruguays Trainer Oscar Tabarez angesichts der aufwühlenden Minuten unmittelbar vor und nach dem Elfmeterschießen.

Forlan gleicht aus

Für den Weltmeister von 1930 und 1950 hatte zuvor Torjäger Diego Forlan (55.) den Ausgleich erzielt.

Sulley Muntari war vor 84. 017 Zuschauern im Stadion Soccer City von Johannesburg der Torschütze zur Führung der Ghanaer (45.+2) gewesen.

"Ich bin total sprachlos, wir müssen uns jetzt für Dienstag erholen", sagte Forlan.

Nächster Gegner Holland

Uruguay trifft am Dienstag in Kapstadt auf die Niederlande. Oranje hatte Rekordweltmeister Brasilien mit 2:1 (0:1) gestoppt. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Afrika bleibt die Runde der letzten Vier versperrt: Vor Ghana hatten nur Kamerun (1990) und Senegal (2002) das Viertelfinale einer WM erreicht.

Uruguay steht unterdessen vor seinem besten Resultat seit 1970: Damals hatten die Südamerikaner nach einem 0:1 gegen Deutschland im "kleinen Finale" Rang vier belegt.

Unter den Augen von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und bei ohrenbetäubendem Vuvuzela-Getröte brachte Ghana zunächst nicht viel zustande.

Die Black Stars wirkten nervös, Kevin Boateng mühte sich im Mittelfeld vergeblich, das Spiel zu ordnen.

Der zweimalige Weltmeister Uruguay, bei denen Trainer Oscar Tabarez Mauricio Victorino für den verletzten Diego Godin und Alvaro Fernandez für Alvaro Pereira in die Anfangsformation gestellt hatte, erwischte den besser Start.

Einen Schuss von Luis Suarez und einen Eckball von Diego Forlan, den Mensah noch abfälschte, parierte Ghanas Torwart Richard Kingson reaktionsschnell (11./18.).

Probleme hatte der Schlussmann bei einem 40-Meter-Schuss von Forlan (14.).

Ghana begann das erste Viertelfinale seiner WM-Geschichte mit sämtlichen Wackelkandidaten: Die zuletzt angeschlagenen Hans Sarpei von Bayer Leverkusen, Kevin Boateng sowie Kapitän John Mensah waren rechtzeitig für das Spiel im Soccer-City-Stadion von Johannesburg einsatzbereit.

Kingson glänzt

Somit fehlten nur die gesperrten Jonathan Mensah und Andre Ayew. Für sie kamen Isaac Vorsah von 1899 Hoffenheim und das Enfant terrible Muntari zum Einsatz.

Uruguay konnte seine anfängliche Überlegenheit nicht nutzen, auch nicht bei einem 15-Meter-Schuss von Torjäger Suarez: Kingson lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte (26.).

Ghana wurde ein bisschen mutiger und besaß selbst Chancen zur Führung: Ein Kopfball von Vorsah und ein Schuss von Gyan strichen jeweils nur um Zentimeter am Tor vorbei (30./31.).

Der "Prince" puscht

Boateng, der die Chance von Gyan mit einem schönen Pass eingeleitet hatte, puschte das Publikum anschließend zusätzlich mit Gesten auf, auch seine Mitspieler riss er mit.

Ghana kam besser ins Spiel, der gebürtige Berliner trug mit starken Pässen seinen großen Teil dazu bei. In der zweiten Minute der Nachspielzeit schlug es plötzlich hinter Uruguays Torwart Fernando Muslera ein: "Bad Boy" Muntari hatte aus über 30 Metern getroffen.

Nach der Pause wirkten die Südamerikaner entschlossener, sie profitierten beim 1:1 allerdings von einem Patzer von Kingson, der Forlans Freistoß aus 20 Metern passieren ließ.

Danach war Uruguay zunächst dem Siegtreffer näher als Ghana, ehe sich bei beiden Mannschaft zunehmend ein Kräfteverschleiß bemerkbar machte und Gyan den Handelfmeter in der Schlussminute verschoss.

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