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Sebastian Eguren hebt Luis Suarez auf seine Schultern, auch Diego Forlan ist happy © getty

Die Parade von "Aushilfs-Keeper" Suarez gegen Ghana stürzt die Uruguayer in einen Freudentaumel. Betrug sehen sie in der Aktion nicht.

Johannesburg - Für Afrika war es ein Schurkenstück, die Hand des Teufels.

Ganz Uruguay dagegen feiert die Neuinterpretation des WM-Klassikers "Die Hand Gottes" durch Luis Suarez.

Nach dem Viertelfinal-Drama von Johannesburg startete in Montevideo ein riesengroßes Fest in Himmelblau, "Aushilfs-Torhüter" Suarez stieg zum Nationalheld auf.

"Das war die Parade der WM. Jetzt habe ich die Hand Gottes", sagte der Torjäger von Ajax Amsterdam, der in der 120. Minute wie ein Torhüter auf der Linie das 2:1 für Ghana verhindert hatte256737 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Er flog vom Platz, wird das Halbfinale gegen seine Wahlheimat Niederlande verpassen - und war doch überglücklich.

Entsetzen, Hoffnung, Freude

Soccer City, Freitagabend, 23.01 Uhr: Rote Karte. Suarez schreit, weint, Entsetzen spiegelt sich in seinen Augen wider.

Er reißt an seiner Hose, beißt in das Trikot, er ist dem Wahnsinn nahe. 23.03 Uhr: Asamoah Gyan verschießt den Handelfmeter. Suarez springt, schreit, hofft, jubelt.

23.15 Uhr: Uruguay gewinnt das Nervenspiel 4:2 im Elfmeterschießen, Suarez flippt aus vor Freude. Uruguay ist erstmals seit 1970 im Halbfinale.

"Ein Volk spielt verrückt"

"Uruguay, Geschichte, Wahnsinn! Ein ganzes Volk spielt verrückt", titelte die Tageszeitung "El Pais" aus Montevideo am Samstagmorgen.

Auf der Straße des 18. Juli und am zentralen Platz der Unabhängigkeit nahm die Nacht kein Ende.

"Viele Leute, die nun feiern, haben so etwas noch nie erlebt. Es gab viele frustrierende Jahre. Nach 40 Jahren hoffe ich, dass sie jetzt drei oder vier Tage lang feiern", sagte Trainer Oscar Tabarez.

Historische Dimensionen

Der "Tag, der Uruguay für immer verändert" (noch einmal "El Pais"), hatte für ihn historische Dimensionen.

"Die einzigen, die mehr als dieses Team erreicht haben, sind unsere Weltmeister von 1930 und 1950", erklärte Tabarez.

"Sie sind längst in die Geschichte eingegangen und unsere Idole. Aber dann kommen wir. Unglaublich!"

"Wir haben ganz sicher nicht betrogen"

Die Diskussion um Luis Suarez war eine Diskussion der Verlierer. Für Uruguay ist klar: Der Stürmer mit den gigantischen Reflexen war der Retter.

"Das war der absolute Wahnsinn. Wir haben gelitten. Bei jedem Elfmeter dachte ich, ich würde gleich ohnmächtig werden. Luis hat das Spiel für uns gewonnen", sagte Diego Forlan.

Von der unfairen Natur der Heldentat wollte Tabarez nichts wissen:

"Wir haben ganz sicher nicht betrogen. Es gab eine Rote Karte und den Elfmeter. Ihn Betrüger zu nennen, ist dumm. Wir können nichts dafür, dass Ghana anschließend im Elfmeterschießen nicht alle Schüsse verwandelt hat."

Abreus Kaltschnäuzigkeit

Dies schaffte auch die "Celeste" nicht, dank zweier Paraden des "echten" Torhüters Fernando Muslera und der Kaltschnäuzigkeit von Sebastian Abreu reichte es aber, um eine ganze Nation vom dritten WM-Stern träumen zu lassen.

"Manche nennen es verrückt. Ich dagegen nenne es Klasse", sagte Tabarez, nachdem Abreu den letzten Elfmeter lässig ins Tor der Black Stars gechippt hatte.

"So schieße ich halt. Ich bin mir bei der Ausführung sicher. Das Team unterstützt mich und gibt mir das Selbstvertrauen dafür", meinte Abreu.

Psychologen bemüht

Beim wieder einmal überragenden Forlan klang das aber ein wenig anders: "Mein Gott! Ich habe ihm hinterhergebrüllt, es zu lassen, nicht zu lupfen, sondern das Ding einfach reinzuhauen."

In Uruguay heißt Abreu übrigens "el loco" - der Verrückte.

Die heimischen Medien überschlugen sich.

Psychologen der großen Universitäten wurden bemüht, die sogleich analysierten, Uruguay habe seinen Stolz zurück.

Man sei jetzt wieder wer am Rio de la Plata, das sei bitter nötig gewesen nach der Wirtschaftskrise von 2002. Flaggen und Trikots sind ausverkauft.

Suarez als Top-Informant

Nun aber geht es gegen die Niederlande, eine ganz schwierige Aufgabe (Der SPORT1-WM-Spielplaner).

Wie gut ist es da, einen Experten im Team zu haben: Luis Suarez von Ajax Amsterdam, Torschützenkönig der Ehrendivision.

"Ich werde dem Trainer über alle Stärken und Schwächen berichten", sagte der 23-Jährige.

Nur den Retter geben, das kann er diesmal nicht (GAMES: Das WM-Tippspiel). Er wird auf der Tribüne sitzen.

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