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Der niederländische Bondscoach Bert van Marwijk (l.) gratuliert Wesley Sneijder © getty

Der Einzug der Niederländer ins Halbfinale der WM löst in der Heimat einen "Oranje-Wahnsinn" aus. Doch der Trainer warnt vor Uruguay.

Johannesburg - Die Spieler feierten ausgelassen, die niederländischen Medien überschlugen sich und schrieben vom "Wunder von Port Elizabeth":

Nur Bondscoach Bert van Marwijk wollte nach dem Ende des Brasilien-Syndroms von ausgelassener Party-Stimmung nichts wissen.

Der Trainer war in Gedanken schon beim Halbfinal-Gegner Uruguay.

"Das nächste Spiel ist ein ganz gefährliches. Die Spieler von Uruguay sind große Kämpfer und Überlebenskünstler", sagte der ehemalige Dortmund-Coach am Samstag in Johannesburg.

"Oranje-Wahnsinn" in der Heimat

Der 2:1-Erfolg im Viertelfinale gegen Brasilien tags zuvor erfüllte zwar auch den nüchternen van Marwijk mit Stolz, doch die WM-Mission des Trainers soll gegen die "Urus" noch längst nicht zu Ende sein.

"Natürlich ist das im Moment ein tolles Gefühl. Aber ich spreche ja schon seit zwei Jahren davon", sagte van Marwijk.

"Sicher ist es schön, wenn man die Brasilianer im Viertelfinale schlägt, aber es kommt immer noch ein nächster Gegner - und der heißt Uruguay. Wir wollen den WM-Titel gewinnen, also müssen wir hochkonzentriert bleiben."

Während van Marwijk versuchte, die Euphorie vor dem Halbfinale am Dienstag in Kapstadt ein wenig zu bremsen, entbrannte in der Heimat der Oranje-Wahnsinn.

Van Marwijk formt einen Titelkandidaten

Die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" titelte nach dem Coup gegen den Rekordweltmeister: "Das Wunder von Port Elizabeth. Oranjehelden legen Brasilien über die Knie."

"De Volkskrant" schrieb: "Dies ist die WM von Oranje, die WM der Niederlande."

Der zunächst auch in der Heimat umstrittene van Marwijk hat seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren aus einer Ansammlung hervorragender Fußballer eine Mannschaft geformt, die um den WM-Titel mitspielen kann.

Mit seinem Schwiegersohn Mark van Bommel, der neben Kapitän Giovanni van Bronckhorst der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz ist, hat er den Stars Wesley Sneijder, Arjen Robben und Robin van Persie trotz kleinerer Eifersüchteleien das Teamgeist-Gen eingepflanzt.

Doppel-Torschütze Sneijder

Besonders Torschütze Sneijder überzeugte gegen Brasilien.

Joris Mathijsen, der trotz Knieverletzung am Dienstag wohl wieder einsatzbereit ist,meinte: "Dass er ein Tor mit dem Kopf macht, das passiert nie wieder."

Sneijder war aber dagegen am Samstag zunächst überhaupt nicht zum Spaßen zumute.

Der 26-Jährige ärgerte sich tierisch darüber, dass der Weltverband FIFA den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich gegen den Rekordweltmeister als Eigentor von Felipe Melo wertete.

Dabei hatte der Pechvogel der Brasilianer den Freistoß von Sneijder nur leicht mit dem Hinterkopf touchiert, ehe er im Tor der Selecao einschlug.

"Wie viele Tore habe ich gegen Brasilien erzielt? Natürlich zwei! Für mich ist klar, dass ich bei diesem Turnier vier Treffer und nicht drei auf dem Konto habe. Das sollte auch die FIFA anerkennen", sagte Sneijder,

Der Protest war erfolgreich: Am Nachmittag wertete die FIFA den Treffer für Sneijder.

Kuyt: "Wir wollen alles!"

Entsprechend gestärkt träumt die "Elftal" nun vom ersten WM-Titel der Geschichte. "In dieser Gruppe steckt so viel. Wir wollen mehr. Wir wollen alles", sagte Flügelflitzer Kuyt vom FC Liverpool.

"Ich habe vom ersten Tag an gesagt, wir haben eine Mission: Weltmeister werden. Es gibt einen Unterschied, ob man etwas will, oder etwas wirklich will", sagte van Marwijk, der sich bis zuletzt oft missverstanden fühlte:

"Ich bin oft ausgelacht worden, aber mit dem Sieg gegen Brasilien haben wir einen wichtigen Schritt in Richtung Erfüllung unserer Mission gemacht."

Portugal-Trauma abgelegt

Mit dem Sieg gegen den fünfmaligen Weltmeister Brasilien legte das Team auch ihr Portugal-Trauma der WM 2006 ab. Beim 0:1 im Achtelfinale brach damals das Chaos auf dem Platz aus.

16 Gelbe Karten und vier Platzverweise zerstörten das Spiel der Niederlande. "

Bei der WM in Südafrika konnte jeder sehen, wie sehr sich das Team im Vergleich zu damals weiterentwickelt hat. Damals ist alles außer Kontrolle geraten", sagte Kuyt:

"Mittlerweile ist die Mannschaft mental aber so stark, dass wir uns vom Auftreten des Gegners nicht mehr durcheinanderbringen lassen. Und am Dienstag gegen Uruguay werden wir wieder so spielen, als wäre es die letzte Partie unseres Lebens."

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