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Keeper Richard Kingson (l.) versucht Asamoah Gyan zu trösten © getty

Das dramatische Viertelfinal-Aus gegen Uruguay betrübt nicht nur die Ghanaer. Die Hand-Abwehr von Suarez erhitzt die Gemüter.

Johannesburg - Die Vuvuzelas verklangen. Im Soccer-City-Stadion von Johannesburg, in den Straßen von Accra, vor Millionen Fernsehgeräten.

Als Uruguays Sebastian Abreu den entscheidenden Elfmeter um 23.15 Uhr lässig in Ghanas Tor chippte, fiel Afrika für einen Moment in Schockstarre.

Mit den "Black Stars" hatte sich auch das letzte von sechs afrikanischen Teams aus der ersten WM auf dem Kontinent verabschiedet.

Nach einem Viertelfinal-Drama mit mehreren Akten und einem bitteren 2:4 im Elfmeterschießen zum Abschluss256737 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Ein paar Zentimeter und ein wenig Nervenstärke

"Wenn das Spiel ein gutes Ende genommen hätte, wäre es ein Märchen gewesen. Wir hatten es nicht verdient, auszuscheiden", stammelte Ghanas serbischer Trainer Milovan Rajevac nach der Pleite:

"Das war eine historische Chance."

Zum ersten WM-Halbfinaleinzug einer afrikanischen Mannschaft fehlten nur ein paar Zentimeter und ein wenig Nervenstärke.

Hätte Uruguays Stürmer Luis Suarez den Kopfball von Dominic Adiyiah in der 120. Minute nicht mit beiden Händen von der eigenen Torlinie geschlagen.

Es regiert der Konjunktiv

Hätte der eigentlich sichere Schütze Asamoah Gyan den anschließenden Strafstoß nicht mit aller Wucht an die Latte gedonnert.

Hätten John Mensah und Adiyiah im Elfer-Drama nicht das große Zittern bekommen.

An diesem Abend regierte bei Ghana der Konjunktiv, der dummerweise der Modus der Verlierer ist.

Die "Celeste" zog zum ersten Mal seit 40 Jahren in die WM-Vorschlussrunde ein. Ghana versank in einem Tränenmeer.

"Das war ein Drama wie im Film. Ich war danach sehr traurig. Der Fußball war sehr grausam zu uns", sagte Ghanas früherer Kapitän Anthony Baffoe am Morgen nach dem Aus.

Die Träume von Kevin-Prince Boateng und Co. waren geplatzt (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Schiri im Kreuzfeuer

Gyan war untröstlich. Zweimal hatte der Stürmer im Turnierverlauf schon vom Punkt aus getroffen. In der letzten Szene der Verlängerung hätte der 24-Jährige unsterblich werden können.

Dann der Fehlschuss. Dass er es im Elfmeterschießen wenige Minuten später besser machte, war wertlos.

"Das ist Teil des Spiels. Ich bin mental stark und werde zurückschlagen", sagte der Pechvogel und schimpfte anschließend kräftig in Richtung Schiedsrichter Olegario Benquerenca.

"Der Kopfball von Adiyiah war schon hinter der Linie. Wäre es unser Tag gewesen, hätte der Schiedsrichter es gesehen und auf Tor entschieden", sagte Gyan.

"Das war kein Elfmeter. Es war ein Tor"

Abwehrspieler John Pantsil ergänzte mit zitternder Stimme: "Das war kein Elfmeter. Es war ein Tor."

Beide irrten sich. Der Ball war nicht drin.

"Betrug! Afrika wurde bestohlen", titelte dennoch das südafrikanische Magazin "Argus" - was in Uruguay anders empfunden wurde.

In Ghana bestimmte nicht das Handspiel, sondern der Frust über die Niederlage die Schlagzeilen.

"Uruguay beendet den Traum der Stars. Bei einer herzzerreißenden Erfahrung waren die Ghanaer ritterliche Verlierer", schrieb der "Daily Graphic".

Der "Daily Guide" meinte: "Die Sterne brechen Herzen."

Damit schien die Zeitung auch die Gefühlslage von Coach Rajevac zu beschreiben, dessen Zukunft offen ist. (Der SPORT1-WM-Spielplaner)

"Ein Desaster für den ganzen Kontinent"

Afrikas Fußball-Legenden brachten sich derweil schon einmal in Position.

"Afrika muss endlich seinen eigenen Weg gehen", sagte der ehemalige Weltfußballer George Weah aus Liberia:

"Wir brauchen Trainer aus Afrika und müssen auch unsere ehemaligen Stars mit einbinden."

Der in Ghana bis heute verehrte Ex-Bundesliga-Profi Abedi Pele meinte: "Unser Aus ist ein Desaster für den ganzen Kontinent."

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