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Ist seit Oktober 2008 Trainer der Argentinier: Diego Maradona © getty

Das Aus gegen Deutschland trifft Argentiniens Trainer hart. Seine Zukunft lässt Maradona offen. Ein Gespräch mit der Familie ruft.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Kapstadt - Seine Worte klangen nach Abschied, in seiner Stimme klang große Melancholie mit.

"Das ist ein Tiefschlag und der schwierigste Moment meiner Trainerlaufbahn", sagte Diego Maradona nach dem vernichtenden 0:4 im Viertelfinale gegen Deutschland 258536(DIASHOW: Bilder des Spiels).

"Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die einen praktischen und direkten Fußball gespielt hat und ihre Chancen eiskalt genutzt hat", suchte Argentiniens Coach nach Erklärungen

"Wir hatten zu wenig Ideen und Kreativität und waren vielleicht nicht ganz so frisch."

Er fühle sich, als habe er "einen Fausthieb von Muhammad Ali" abbekommen und habe "keine Kraft mehr", meinte Argentiniens sichtbar leidende Fußball-Legende.

"Wir brauchen einen neuen Anfang"

Wie es für ihn weitergehen würde, vermochte er nach Argentiniens höchster WM-Pleite seit 1974 nicht zu sagen.

"Ich weiß nicht, was morgen mit mir passiert. Wer auch dafür sorgen wird - wir brauchen einen neuen Anfang. Ich möchte, dass der argentinische Fußball wieder zur vollen Blüte gelangt", erklärte der Weltmeister von 1986 und ergänzte:

"Ich glaube, dass der Fußball in Argentinien eine große Zukunft hat."

Er selber wolle "erstmal mit meiner Familie sprechen", und sich danach überlegen, ob er weiter der Coach der "Albiceleste" bleiben wolle.

Seinen engsten Vertrauten soll Maradona bereits kurz nach dem Spiel angedeutet haben, dass er seinen bis zur Copa America 2011 laufenden Vertrag kündigen wird.

Der Traum ist zuende

Gespräche mit den Spielern habe er noch nicht geführt, er sei "aber stolz, mich vor diese Mannschaft zu stellen". 256716(DIASHOW: Der Trainer Maradona)

Man müsse das Turnier in Südafrika "möglichst professionell beurteilen und weitermachen, aber es bringt jetzt nichts mehr, über einzelne Szenen zu reden. Jetzt sind wir alle zu enttäuscht". (GAMES: Das WM-Tippspiel)

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Und weiter: "Der Traum ist nun zu Ende, aber wir haben eine wichtige Wegstrecke für Argentiniens Fußball zurückgelegt. Wir spielen einen Fußball, der die Menschen begeistert und haben uns nichts vorzuwerfen."

Zumindest gegen die grandiose DFB-Auswahl war davon allerdings so gut wie nichts zu sehen.

Diego nimmt Messi in Schutz

Die großen Erwartungen der Fans, die seit 1990 kein WM-Halbfinale ihres Teams mehr erleben durften, konnte Maradonas Mannschaft nicht erfüllen (Der WM-Spielplan).

Vor allem Lionel Messi blieb hinter seinen Möglichkeiten zurück. Der Superstar des FC Barcelona und Torschützenkönig der spanischen Liga verabschiedete sich ohne einen eigenen Treffer aus dem Turnier.

"Er war bei der WM der Dreh- und Angelpunkt meines Teams", erklärte Maradona, der Messi hinter den Spitzen aufgeboten hatte und keine Kritik an dessen Einstellung aufkommen lassen wollte.

"Wenn ich ihn enttäuscht in der Kabine sehe, tut das weh. Und wenn er mir sagt, dass er stolz ist, für Argentinien zu spielen, dann ist das so", sagte Maradona.

"Wer etwas anderes behauptet, der irrt sich."

Die Mannschaft ist sprachlos

Messi ging nach dem Spiel, wie der Großteil der Mannschaft, wortlos durch die Katakomben des Green-Point-Stadions.

Nur Stürmer Carlos Tevez, Abwehrspieler Gabriel Heinze und Kapitän Javier Mascherano wollten ihren Frust mit Worten bekämpfen.

"Es tut mir in der Seele weh, dass wir nicht erreicht haben, wovon wir und die Fans geträumt haben", sagte Mascherano, der die Suche nach den Gründen für das Ausscheiden anderen überlassen wollte.

"Jeder wird eine andere Analyse haben", meinte der Mittelfeldspieler.

Es riecht nach Trennung

Der Kapitän wollte auch nicht über die Zukunft des Trainers sprechen, denn das sei Sache von Maradona selbst und den Verantwortlichen des Verbands AFA.

Er wolle Maradona vielmehr dafür danken, dass er die Mannschaft in Südafrika als Kapitän führen durfte.

"Ich bin ihm sehr dankbar dafür, wie er sich mir und der ganzen Mannschaft gegenüber verhalten hat", sagte Mascherano.

Worte, die auch nach Abschied klangen.

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