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Dunga wird wohl der neue Trainer der Selecao werden
Carlos Dunga wurde als Kapitän der Brasilianer 1994 Weltmeister © getty

Bittere Rückkehr für die Selecao: Noch am Sonntagabend muss der Trainer gehen. Mehrere mögliche Nachfolger werden gehandelt.

Port Elizabeth/Rio de Janeiro - Brasiliens gefallene Stars wurden am Flughafen übel beschimpft, "Pechvogel" Felipe Melo benötigte sogar Bodyguards, und Keeper Julio Cesar heulte hemmungslos an der Schulter seiner Mutter:

Bei der Ankunft der Selecao am Sonntag in Rio de Janeiro spielten sich nach dem bitteren WM-Aus gegen die Niederlande (1:2) tumultartige Szenen ab.

Wenige Stunden nach der Rückkehr zog zudem der Verband CBF die Konsequenzen und entließ Nationaltrainer Carlos Dunga.

Ein Nachfolger soll bis Ende des Monats feststehen.

Spieler suchen schnell das Weite

Angeführt vom völlig verbitterten Kapitän Lucio bahnten sich die Brasilianer wortlos den Weg zu ihren Familien und verschwanden so schnell es ging zu ihren Autos.

Die Weltstars Kaka und Robinho flogen unterdessen weiter in Richtung Sao Paolo.

Um Ausschreitungen der aufgebrachten Fans zu verhindern, ließ die Polizei die Spieler erst gar nicht ins Flughafen-Gebäude, sondern gab die Heimfahrt vom Außengelände frei.

Hoffen auf "Jogo Bonito"

Während zahlreiche Profis wie Inter-Torwart Cesar ihren Tränen nach der Ankunft freien Lauf ließen, hatte Verbands-Präsident Ricardo Teixeira nach dem fatalen K.o. gegen die "europäischen Brasilianer" aus den Niederlanden die Sehnsucht nach dem schönen Spiel, dem "Jogo Bonito", gepackt.

"Wir müssen es in vier Jahren besser machen und den Titel holen. Denn wir haben bei der Heim-WM 2014 eine große Verantwortung gegenüber unseren Fans. Brasilien hat eine Siegermentalität, das soll die Selecao der Welt auf dem Platz wieder zeigen", sagte Teixeira unmittelbar vor der Abreise der Brasilianer im Teamhotel Proteas Marine in Port Elizabeth.

Wer wird Dungas Nachfolger?

Zugleich entbrannte die Diskussion über die Nachfolge von Dunga, nachdem Topkandidat Luiz Felipe Scolari frühestens 2012 zur Verfügung steht.

"Meine Gedanken gehören erst einmal nur Palmeiras", sagte der 61-Jährige, der in Kürze beim Erstligisten aus Sao Paulo einen bis Dezember 2012 datierten Job antritt.

Anschließend könnte sich der Weltmeister-Coach von 2002 aber durchaus vorstellen, den fünfmaligen Champion erneut zu übernehmen:

"Natürlich, nach dem Ende des Vertrages, würde ich mich freuen, wenn ich meine Karriere bei einer WM ausklingen lassen könnte."

Angekündigter Abschied

Dunga hatte nach dem 1:2 gegen die Niederlande bereits seinen Abschied angekündigt.

"Man wusste vom Beginn meiner Arbeit an, dass es vier Jahre sein werden", sagte der Weltmeister-Kapitän von 1994, der 2006 seinen Job beim Rekord-Weltmeister angetreten hatte.

Dunga wird sich nach der Schmach von Südafrika zunächst um seinen schwer erkrankten Vater Eldeceu kümmern.

Auch Leonardo ein Kandidat

Als Nachfolger wird neben dem zunächst nicht zur Verfügung stehenden Scolari auch der zuletzt beim AC Mailand erfolglos tätige Leonardo gehandelt.

Wahrscheinlicher ist jedoch die Variante, dass der frühere Leverkusener und Münchner Bundesligastar Jorginho den Zuschlag erhält - und zwar als Platzhalter für Scolari.

Allerdings liegt auch auf Dungas Co-Trainer der Schatten des WM-Misserfolgs.

Lange "Abschussliste"

Auf den neuen Trainer wartet mit Blick auf die WM 2014 im eigenen Land reichlich Arbeit. Neben dem 32 Jahre alten Kapitän Lucio werden eine ganze Reihe älterer Nationalspieler bis dahin keine Rolle mehr spielen.

Auf der "Abschussliste" stehen Juan, Gilberto Silva, Gilberto, Kleberson, Grafite und Josue.

Kaka, Julio Cesar, Robinho und Maicon sollen zunächst den Stamm bilden.

Aus der Bundesliga könnten Carlos Eduardo, Renato Augusto, Breno und Rafinha eine Chance erhalten. 65-Millionen-Mann Kaka vom spanischen Rekordmeister Real Madrid soll zudem erste Wahl für die Kapitänsbinde sein.

Kaka zweifelt

Doch der Regisseur weiß selbst noch nicht so genau, ob er dann überhaupt noch zum Kader der Selecao zählt.

"Ich weiß jetzt noch nicht, wie es weitergeht. Meine Karriere, mein Leben. Es ist ein heikler Moment. Ich habe eine starke Bindung zur Selecao. Aber im Moment weiß ich noch nicht, ob ich 2014 dabei sein werde. Das Turnier ist noch weit weg, die Enttäuschung nach der Niederlage zu frisch", sagte Kaka, der nach dem WM-Aus gegen die Niederlande bitterlich weinte.

Offenbar war er nicht fit. "Möglicherweise hätte Kaka unter anderen Voraussetzungen nicht bei der Weltmeisterschaft gespielt. Aber er wollte unbedingt dabei sein", sagte Mannschaftsarzt Jose Luiz Runco in Rio de Janeiro.

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