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Dunga spielte von 1993 bis 1995 in der Bundesliga für den VfB Stuttgart © getty

Der ehemalige Bundesliga-Profi muss nach dem frühen WM-Aus gehen. Der Wunsch-Nachfolger hat aber noch keine Zeit für die Selecao.

Rio de Janeiro - Nach vier Jahren ist die Ära Dunga in Brasiliens Fußball vorbei.

In einer dreizeiligen Mitteilung auf seiner Homepage hat der Fußballverband CBF gut zehn Stunden nach der Rückkehr der im WM-Viertelfinale von den Niederlanden besiegten Selecao (1:2) die Entlassung des ehemaligen Stuttgarter Bundesliga-Profis und Nationaltrainers bekannt gegeben.

Auch Dungas Trainerstab muss mitgehen.

Bis Ende Juli will der CBF seinen neuen Coach vorstellen.

"An gut gemeinten Ratschlägen fehlt es nicht"

Schließlich gilt es, den geeigneten Mann zu finden, der den fünfmaligen Weltmeister im Hinblick auf die Heim-WM 2014 vorbereitet und möglichst zur "Hexa", den sechsten Titelgewinn führt.

"Es muss ein unabhängiger Mann sein, sehr erfahren, der Regen und Stürme aushalten kann. Er muss klar definierte Vorstellungen haben, denn an gut gemeinten Ratschlägen fehlt es in Brasilien nicht. Der Druck wird viel größer sein als jetzt, denn eine WM im Ausland zu gewinnen ist viel einfacher, als es zu Hause zu schaffen", sagte Carlos Alberto Parreira.

Der brasilianische Weltmeistercoach von 1994 war bei der WM in Südafrika mit dem Gastgeberland in der Vorrunde ausgeschieden.

Trennung keine Überraschung mehr

Für Dunga dürfte die Trennung letztendlich keine Überraschung gewesen sein. Direkt nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Niederlande war der 46-Jährige schon davon ausgegangen, dass seine Dienste nicht mehr gefragt seien.

"Man wusste vom Beginn meiner Arbeit an, dass es vier Jahre sein werden", hatte der Weltmeister-Kapitän von 1994 erklärt.

Kurz vor seiner Entlassung hatte Dunga bei der Ankunft in Porto Alegre dann allerdings verkündet, dass es in ein, zwei Wochen Gespräche über seine Zukunft gebe.

Scolari und Menezes sind nicht frei

Die Suche nach einem Nachfolger wird nicht leicht werden.

Luiz Felipe Scolari, Kandidat Nummer eins, hat bereits angekündigt, dass er bis Ende 2012 seinem neuen Arbeitgeber Palmeiras Sao Paulo treu bleiben will. Erst danach könne sich der Weltmeister-Coach von 2002 vorstellen, eine Mannschaft mit Blick auf die WM-Endrunde 2014 zu übernehmen.

Der ebenfalls gehandelte Mano Menezes von Pokalsieger Corinthians Sao Paulo bekam vorerst von seinem Vereinspräsidenten einen Riegel vorgeschoben.

"Mano hat einen Vertrag bis 2011, und es gibt keine Gespräche mit dem CBF", erklärte Klub-Boss Andres Sanchez, der als Delegationsleiter der Selecao in Südafrika dabei war.

Kritik von den Medien

Dunga war in der brasilianischen Öffentlichkeit umstritten. Statt Ballzauber der brasilianischen Fußball-Künstler gab es Kicken der Marke "safety first". Fußball wurde gearbeitet, das "Jogo Bonito", das schöne Spiel, blieb auf der Strecke.

Ein wenig erinnerte der Stil der Brasilianer an die Spielweise Dungas. Auch er war als Aktiver kein Fußball-Ästhet, sondern ein -Arbeiter.

Außerdem schottete er die Selecao im Vorfeld der WM bei der Vorbereitet total ab - sehr zum Leidwesen der Medien, die ihrer Ansicht nach zu wenig Zugriff auf Kaka und Co. hatten.

Disziplinierung war erfolgreich

Dunga hatte bei seinem Amtsantritt 2006 drei große Ziele: den WM-Titel 2010, das Ansehen der Selecao in der Öffentlichkeit wieder aufpolieren, und die Spieler wieder zu Patrioten machen, damit sie gerne in der Selecao spielen.

Den Titel musste er sich abschminken, entzaubert von Oranje in der zweiten Halbzeit des Viertelfinales, als seine Mannschaft einen 1:0-Vorsprung aus der Hand gab.

Punkt zwei und drei erfüllten sich nur zum Teil. Im Gegensatz zu den Medien begrüßte der Großteil der Bevölkerung Dungas Stil, da die hochbezahlten Stars wieder in der Selecao "arbeiten".

Die Spieler hatten die Verhaltens-Vorgaben Dungas voll umgesetzt. Kein unnötiger Kontakt mit der Presse, keine Freunde und Familien im Mannschaftsquartier. In 43 Tagen Klausur gab es diesmal keine Skandale, Discobesuche oder Ähnliches.

Nur sechs Niederlagen

In vier Jahren unter Dunga fuhr die Selecao 42 Siege bei nur sechs Niederlagen in 60 Spielen ein, gewann die Copa America 2007 sowie den Confed Cup 2009 und wurde Erster der südamerikanischen WM-Qualifikation.

Mit der Olympia-Mannschaft holte Dunga Bronze in Peking.

Die erhoffte Hexa blieb jedoch ein unerfüllter Traum.

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